"American Odyssey" auf Netflix: Odysseus und der Strudelteig

20. Dezember 2016, 08:00
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Die einzig überlebende Elitesoldatin Odelle will nur nach Hause. Die Story ist gut, aber fertig

Irgendwo in Mali: Sand, Staub, Lehmhütten. US-Elitesoldaten heben ein Terroristenversteck aus. Bilderbuchaktion. Doch dann kopiert Sergeant Odelle Ballard leichtsinnigerweise Geheimdateien aus einem Halunken-PC auf einen USB-Stick.

Da haben wir den Salat: Irgendwer ziemlich weit oben in Washington wird deswegen sehr sauer und lässt sicherheitshalber gleich das ganze Platoon töten. Es sterben auch alle, bis auf ... Sergeant Odelle Ballard! Für sie beginnt ein Überlebenskampf, in dem es nur Feinde und Verräter zu geben scheint. Die American Odyssey beginnt ... Klingelt's? Odelle? Odysseus? Ha, wie überaus originell!

Odelle will also nach Hause, wo fast alle davon überzeugt sind, dass sie von bösen Terroristen getötet wurde. Dabei war es ja – voll arg! – eine US-Drohne! Das darf aber niemals jemand erfahren, sonst ... Wie auch immer: Die von Mutter- und Heimatliebe Angetriebene marschiert unverdrossen los. Wohin eigentlich? Nach Hause, wo genauso gelogen, gemeuchelt und gemordet wird?

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Seltsam rührt an, dass die Elitesoldatin mit jeder zusätzlichen Narbe, mit jeder neuen Blessur mehr und mehr zum Hascherl degradiert wird. Die Drehbuchautoren trauen ihr wohl nicht zu, sich auf eigene Faust durchzuschlagen. Nicht als Frau. Nicht in Mali. Blödsinn, sie kennen Odelle nicht!

Spannend? Ja, ziemlich, auch wenn der Plot der Serie manchmal wirkt, als habe man alles schon einmal gesehen. Sehenswert? Sicher. Als Überbrückung zwischen Homeland-Staffeln, um nicht aus der Übung zu kommen. Eine zweite Staffel wert? Nein. Die Story ist gut, aber fertig. Eine weitere Saison würde sich ziehen wie ein Strudelteig. Und es gibt schon genug zache Endlosserien. (Gianluca Wallisch, 20.12.2016)

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