Deutsche Bank vor Einigung im US-Hypothekenstreit

19. Dezember 2016, 15:51
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Gute Chancen auf milliardenschweren Vergleich diese Woche – Aber noch nicht endgültig fixiert – Strafe dürfte deutlich unter 14 Milliarden Dollar liegen

Frankfurt/Washington – Die Deutsche Bank steht im milliardenschweren Streit um Tricksereien am amerikanischen Hypothekenmarkt einem Insider zufolge kurz vor einem Vergleich mit dem US-Justizministerium. Es sei davon auszugehen, dass noch in dieser Woche eine Einigung erzielt werde, sagte die mit dem Fall vertraute Personen am Montag.

"Ab dem 21. Dezember könnte sich was tun. Die Chancen stehen gut, dass das Thema noch vor Weihnachten vom Tisch ist." Die Strafe werde deutlich unter den 14 Milliarden Dollar (rund 13,4 Milliarden Euro) liegen, die das Justizministerium im September von Deutschlands größtem Geldhaus gefordert hatte. Endgültig fixiert sei der Vergleich aber noch nicht.

Die Deutsche Bank wollte sich dazu nicht äußern, vom US-Justizministerium hieß es "kein Kommentar". Der Hypothekenstreit ist die größte offene Baustelle der Deutschen Bank. Der Aktienkurs des Geldhauses brach nach dem Bekanntwerden der US-Forderung ein, zahlreiche Kunden kehrten den Frankfurtern den Rücken. Zeitdruck besteht darüber hinaus, weil Experten nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Donald Trump am 20. Jänner personelle Änderungen im US-Justizministerium erwarten. Wenn bis dahin keine Einigung erzielt ist und sich das Ministerium erst neu sortieren muss, könnte sich ein Vergleich noch mehrere Monate lang hinziehen. Für Deutsche-Bank-Investoren wäre das eine Horrorvorstellung.

Vor der Finanzkrise

Der Hypothekenstreit geht auf die Zeit vor der Finanzkrise zurück und betrifft nicht nur die Deutsche Bank. Auch die Konkurrenten Credit Suisse aus der Schweiz und Barclays aus Großbritannien stehen im Visier der US-Justiz.

Viele Institute hatten sich auf dem US-Immobilienmarkt über Jahre eine goldene Nase verdient. Sie reichten Hypotheken an mittellose Familien aus und blähten damit ihr Kreditgeschäft auf. Die Risiken wurden dann an Investoren weitergereicht – in Form hochkomplexer Anleihen, die den Banken ebenfalls hohe Gebühren in die Kasse spülten. Als der Markt 2007 kollabierte, erwiesen sich diese Bonds als wertlos. Viele Käufer fühlten sich über den Tisch gezogen und klagten erfolgreich gegen die Banken.

Neben dem Hypothekenstreit ist die Deutsche Bank noch in zahlreiche andere Affären verwickelt, unter anderem in einen Geldwäsche-Skandal in Russland. Für sämtliche offene Rechtsstreitigkeiten hatte das Institut Ende September knapp sechs Milliarden Euro zurückgelegt. 2,5 bis drei Milliarden Euro entfallen dabei laut einem Insider auf den Hypothekenstreit. Bei einer höheren Strafe droht weiterer Druck auf die Kapitaldecke der Bank, die im Vergleich zu vielen Konkurrenten bereits heute relativ dünn ist. Das würde den laufenden Umbau des Geldhauses weiter erschweren. (APA, Reuters, 19.12.2016)

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