Reinhard Kaiser-Mühlecker: Das Anhäufen und Abbüßen der eigenen Schuld

    20. Dezember 2016, 06:00
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    Lesung aus "Fremde Seele, dunkler Wald" und Gespräch mit dem Autor in Ried

    Der österreichische Schriftsteller Reinhard Kaiser-Mühlecker, 1982 in Kirchdorf an der Krems geboren, hat bisher einen Erzählband (Zeichnungen) und sechs Romane veröffentlicht. Zuletzt den unter anderem auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises gelandeten Roman Fremde Seele, dunkler Wald (S. Fischer, 2016), den er heute in Ried bei einer Lesung mit Gespräch vorstellt.

    In allen seinen Büchern beschäftigt sich Kaiser-Mühlecker mit der menschlichen Schuld. Mit der Geschichte zweier Brüder in ihrer oberösterreichischen Heimat knüpft der Autor auch im jüngsten Werk an vorangegangene Erzählungen an. Es geht – wie etwa auch in Magdalenaberg oder Roter Flieder – um Missverständnisse, Tod, Familientragödien, Befreiungsversuche und religiöse Sehnsüchte.

    Alexander kehrt von seinem Auslandseinsatz als Soldat internationaler Truppen in die Heimat zurück, macht aber bald wieder kehrt. Sein jüngerer Bruder Jakob führt unterdessen den elterlichen Hof. Als sich dessen Freund das Leben nimmt, wird Jakob die Schuldgefühle nicht mehr los. Der Vater wälzt indes schräge Geschäftsideen, während er heimlich Stück für Stück des eigenen Ackerlandes verkaufen muss.

    Durch Mord und Liebe aneinander gebunden

    In ebenso schwerem wie poetischem Ton sowie mittels einer altertümlichen Sprache erzählt Kaiser-Mühlecker von Menschen, die durch Verwandtschaft, Mord und Liebe aneinander gebunden sind, aber miteinander kaum ein Wort wechseln. Es sind einsame Figuren, die dieses Land bevölkern, an dem sich Abgründe auftun.

    Dennoch hat Kaiser-Mühlecker keinen Antiheimatroman im Stil der 1970er-Jahre geschrieben. Der Autor kann mit den Begriffen Heimat- bzw. Antiheimatroman nach eigenem Bekunden auch nicht viel anfangen. Kaiser-Mühlecker ist ein Heimatdichter, der aber nach eigenem Bekunden Heimat weder zersetzen noch verklären will. In Fremde Seele, dunkler Wald bleibt vieles nur angedeutet oder rätselhaft, die hier eröffnete Welt zeigt Menschen, die nach Rettung suchen. Der Autor wird von Schriftstellerkollegen – etwa von Peter Handke – hoch gelobt und mit Adalbert Stifter oder Knut Hamsun verglichen. (dog, 20.12.2016)

    20.12., Lesung und Gespräch, Ried im Innkreis, KiK – Kunst im Keller, 20.00

    07752/818 18

    www.kik-ried.com

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