Londoner Elite-Uni soll Österreichs Sozialsystem durchleuchten

19. Dezember 2016, 14:19
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Sozialminister Stöger gibt London School of Economics den Auftrag, das Sozialversicherungssystem zu analysieren

Wien – Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) hat am Montag die schon im Sommer vom Ministerrat beschlossene Studie zur Analyse des Sozialversicherungssystems in Auftrag gegeben. Betraut wurde damit die renommierte London School of Economics, das Ergebnis soll Mitte 2017 vorliegen. Ziel ist es, Effizienzpotenziale zu heben.

Neutrale Sicht

Die Studie wird in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium und mit Unterstützung von hochrangigen heimischen Experten durchgeführt. Mit der Beauftragung einer ausländischen Top Universität will Stöger eine neutrale Sicht auf das österreichische System sicherstellen. Hauptverantwortlich bei der London School of Economics ist der Experte für Gesundheitspolitik, Elias Mossialos, beteiligt ist unter anderem für rechtliche Fragen der Salzburger Sozialrechtler Walter Pfeil. Das Kick-off-Meeting wird im Jänner in Wien stattfinden, ein Zwischenbericht mit der Situationsanalyse wird im März vorgestellt. Im Mai werden Handlungsoptionen diskutiert, die dann im auch Endbericht angeführt werden, der Mitte Juli in Wien präsentiert werden soll. Die Studie, die auf Englisch und Deutsch erstellt wird, soll 630.000 Euro kosten.

Ein wesentlicher Punkt werden die unterschiedlichen Leistungen der einzelnen Kassen sein. Die allermeisten Leistungen stehen allen Versicherten zur Verfügung. Bei einigen Regelungen, wie etwa bei Kontaktlinsen, Kieferregulierungen oder ergotherapeutischen Behandlungen, gibt es aber nach wie vor Unterschiede. "Hier wird nicht nach medizinischer Notwendigkeit, sondern aufgrund der unterschiedlichen finanziellen Situation der Versicherungsträger unterschieden. Wir streben ein einheitliches Leistungsniveau für alle Menschen an, ganz gleich, bei welcher Kasse sie versichert sind", erklärt Stöger dazu in einer Aussendung.

Weniger Versicherungen

Geprüft wird auch eine Reduktion der Versicherungsträger. Außerdem sollen die Vor- und Nachteile des derzeitigen Drei-Sparten-Modells (Kranken-, Pensions-, Unfallversicherung) einem Zwei-Sparten-Modell (ohne eigene Unfallversicherung) gegenübergestellt werden.

Die Studie wird auch die Höhe der Verwaltungskosten internationalen vergleichen und erheben, inwieweit die Strukturen der Verwaltung verschlankt werden können. Insgesamt soll die Studie die Kompetenzaufteilung zwischen, Bund, Ländern und Sozialversicherungsträgern auf ihre Wirksamkeit prüfen und zu einer besseren Koordinierung zwischen den einzelnen Partnern beitragen. Zudem soll erhoben werden, inwieweit die Bestimmungen im Sozialversicherungsrecht vereinfacht werden können. Das betrifft die Fragen der Beitragseinhebung oder die einfachere Abwicklung bei Mehrfachversicherten.

Verlust durch Fehler

Zusätzlich soll die Studie eine Abschätzung darüber liefern, ob und in welcher Höhe Finanzmittel durch Betrug oder Irrtum, etwa Abrechungsfehler, verlorengehen, und Vorschläge zur Bekämpfung dieser Ursachen entwickeln. Die dadurch freiwerdenden Mittel möchte Stöger "für die Leistungsharmonisierung auf ein besseres Niveau" heranziehen.

Weitere Themen, die durchleuchtet werden, sind die Wirksamkeit von Selbstbehalten, die Klärung der Zuständigkeit für Kur und Rehabilitation sowie die Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung. Es soll auch ein Modell zur Verbreiterung der Finanzierungsbasis der Sozialversicherung sowie zur besseren Absicherung neuer Arbeitsformen entwickelt werden. (APA, 19.12.2016)

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    foto: afp/tallis
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