Brustkrebsrisiko: Was Angelina Jolie bewirkt

19. Dezember 2016, 13:58
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Harvard-Forscher haben die Wirkung von Angelina Jolies publik gemachter Mastektomie untersucht und im British Medical Journal veröffentlicht

Es war eine Sensation, als die Hollywood-Schauspielerin Angelina Jolie am 14. Mai 2013 in der New York Times öffentlich machte, dass sie sich aufgrund ihres erhöhten Brustkrebsrisikos beide Brüste würde amputieren lassen. Jolies Mutter war an Brustkrebs verstorben, sie selbst hatte einen Test gemacht, demzufolge sie Trägerin des BRCA1 und BRCA2-Gens ist und damit verbunden ein wesentlich erhöhtes Brust- und Eierstockkrebsrisiko hat.

In ihrem Artikel unter dem Titel "My medical choice" rief sie Frauen auf, sich einem Gentest zu unterziehen. Sunita Desau und Kollegen von der Harvard Medical School haben nun untersucht, ob Jolies Aufruf tatsächlich zu mehr Gentests bzw. zu mehr präventiven Brustentfernungen geführt hat. Das Ergebnis dieser Untersuchung ist in der Weihnachtsausgabe des British Medical Journal erschienen.

Anstieg von Gentests

Die Wissenschafter haben über die Daten von privaten Krankenkassen zu eruieren versucht, ob es nach dem 14. Mai 2013 bei Frauen zwischen 18 und 64 Jahren zu einem Anstieg der Gentests gekommen ist. Die Antwort: In den ersten 15 Werktagen nach Veröffentlichung des Artikels stieg die Zahl der durchgeführten Gentests um 64 Prozent an, bis Ende des Jahres waren es nur mehr 37 Prozent im Vergleich zu der Anzahl von Gentests vor Jolies Veröffentlichung. Die Zahl der Mastektomien ist allerdings nicht gestiegen.

Das kann mehrere Gründe haben. Erstens: Über die Resultate der Gentests haben die Versicherungen und damit auch die Forscher keine Angaben. Zweitens: Gentest und Mastektomie stehen rein zeitlich in keinem engen Zusammenhang, Frauen, die BRCA positiv getestet sind, lassen sich mit der radikalen Entscheidung Zeit.

Wenn es um die Wirkung von Prominenten auf medizinische Entscheidungen geht, können also nur sehr vage Aussagen getroffen werden. Ob Jolies Bekenntnis wirklich die Frauen aus Brustkrebsfamilien erreicht hat, ist genauso unklar wie die Tatsache, ob die Gentests tatsächlich einen Benefit für bestimmte Frauen hatten – oder nur Kosten verursacht haben.

Was sicher ist: Prominente erhöhen die Awareness für Erkrankungen signifikant – wenn es darum geht, Tabus zu brechen, hat Angelina Jolie also einen medizinischen Beitrag geleistet. (red, 19.12.2017)

Originalpublikation:

Do celebrity endorsements matter? Observational study of BRCA gene testing and mastectomy rates after Angelina Jolie's New York Times editorial

  • Angelina Jolie kommt aus einer Brustkrebsfamilie – als Trägerin des BRCA-Gens hatte sie bewiesenermaßen ein hohes Krebsrisiko, das sie durch eine Entfernung von Brüsten und Eierstöcken reduzierte.
    foto: reuters

    Angelina Jolie kommt aus einer Brustkrebsfamilie – als Trägerin des BRCA-Gens hatte sie bewiesenermaßen ein hohes Krebsrisiko, das sie durch eine Entfernung von Brüsten und Eierstöcken reduzierte.

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