WLAN: Industrie warnt vor Smartphone-Engpässen durch neue Richtlinie

19. Dezember 2016, 11:33
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Geräte mit Funk brauchen ab 12. Juni 2017 Zertifizierung – Standards zum Teil noch nicht ausgearbeitet

Die Elektronik-Industrie hat vor möglichen Engpässen bei WLAN-fähigen Geräten wie Smartphones durch eine neue EU-Richtlinie gewarnt. Grund seien Verzögerungen bei der Umsetzung. Nach dem 12. Juni 2017 können demnach elektronische Geräte mit Funk nur noch mit einer Zertifizierung nach der neuen Richtlinie verkauft werden.

Wichtige neue Standards seien dafür jedoch noch nicht ausgearbeitet. Dies werde wohl auch nicht rechtzeitig gelingen, erklärten Vertreter mehrerer Unternehmen der dpa.

Standards

Unklar sei, wie der Verkauf im kommenden Sommer weitergehen solle. Üblicherweise sorgen die Hersteller selbst dafür, dass Geräte den Standards entsprechen. In der aktuellen Situation müssten sie dafür zu anerkannten Prüflabors gehen. Da es davon in Europa aktuell nur 44 gebe, warnte der deutsche Industrieverband ZVEI vor einem "Flaschenhals". Auch die Kosten der Hersteller würden steigen. Zudem solle etwa der neue Standard für 5-GHz-WLAN erst im Jänner 2018 von der zuständigen Organisation ETSI angepasst werden. Damit wäre unklar, nach welchen Vorgaben die Labors zertifizieren sollten.

Die Branche will eine Verlängerung der Übergangsfrist. ZVEI und der Digitalverband Bitkom schlugen einen Aufschub bis Juni 2019 vor. Bei der EU-Kommission kommen sie mit dieser Forderung bisher nicht weiter. Die Behörde erklärte auf Anfrage, man arbeite gemeinsam mit den Standardisierungs-Gremien daran, den Großteil der neuen Standards vor Ablauf der Übergangsfrist auszuarbeiten und zu veröffentlichen.

Engpass

"Ändert sich nichts, kommt es ab Juni 2017 zu massiven Lieferengpässen bei allen WLAN-fähigen Geräten in Europa, einschließlich Router und Smartphones", kritisierte der Chef des deutschen Netztechnik-Anbieters Lancom Systems, Ralf Koenzen. Die EU-Kommission riskiere wissentlich den vollständigen Zusammenbruch des europäischen WLAN-Marktes. "Der wirtschaftliche Schaden dürfte allein bei den Herstellern mehrere hundert Millionen Euro pro Monat betragen." Bei kleineren Anbietern sei damit die Existenz bedroht. (APA, 19.12.2016)

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    foto: apa/afp/tobias schwarz
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