Insolvenz bei Vorarlberger Erne Group abgewendet

19. Dezember 2016, 10:48
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Banken verzichten auf Forderungen von rund 20 Millionen Euro

Schlins – Buchstäblich in letzter Minute hat der Vorarlberger Metallverarbeiter Erne Group mit Sitz in Schlins (Bezirk Feldkirch) am Montag die drohende Insolvenz noch einmal abwenden können. Am Freitag war die Frist der Kreditversicherer ohne eine Lösung verstrichen, drei Hausbanken hatten sich quergelegt. Nach zähen Verhandlungen am Wochenende verzichten die Banken nun auf Forderungen von 20 Millionen Euro.

Die Bankenlösung soll dem Unternehmen am Montagvormittag vorgelegt werden, sagte der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisen Landesbank, Wilfried Hopfner, den "Vorarlberger Nachrichten" vom Montag. Optimistisch gab sich auch der neue Eigentümer Stephan Zöchling. Der Wiener Investor hat das Familienunternehmen erst im Oktober mit dem Ziel übernommen, den 2013 begonnenen Restrukturierungsprozess zu Ende zu bringen.

Bei Zöchlings Plan, der auch eine Stärkung der international tätigen Erne Group im Ausland und die raschere Expansion nach Russland und in die USA beinhaltet, spielten vorerst aber nicht alle Hausbanken mit. Während sich die Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV), die Hypo Vorarlberg und die Raiffeisenbank International laut Vorarlberger Medienberichten kooperativ zeigten, sollen die Raiffeisenlandesbank und die Raiffeisenbanken Walgau und Montafon bis Freitag einen Schuldenerlass verweigert haben. Als Grund wurde die schlechte Besicherung der Raiffeisen-Mittel genannt.

Verzicht auf Forderungen

Am Montag jedenfalls soll dieser Schuldenerlass stehen. Insgesamt verzichten die Banken auf 20 Millionen Euro ihrer Forderungen. Im Gegenzug erwarten die Kreditinstitute, dass die von Zöchling angekündigte Kapitalerhöhung von zehn Millionen Euro auf Schiene gebracht wird. "Doch jetzt muss Herr Zöchling liefern, jetzt muss das Sanierungskonzept greifen", betonte Hopfner im Vorfeld des Gesprächs.

Wäre es zu keiner Lösung gekommen, hätte die Erne Group noch am Montag Insolvenz anmelden müssen. Insgesamt 700 Jobs standen auf dem Spiel. Die Erne Group wurde 1920 gegründet und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nach eigenen Angaben zu einem führenden Anbieter für Schweißfittinge in der Öl und Gas-, Kohle-, Nuklear- und Wasserkraftindustrie sowie in der Automobilindustrie entwickelt. 97 Prozent der Erzeugnisse gehen in den Export. 2015 hat das Unternehmen an seinen fünf Standorten in Vorarlberg, der Steiermark, Deutschland, den USA und Saudi-Arabien einen Umsatz von 115 Millionen Euro erwirtschaftet. (APA, 19.12.2016)

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