Zsa Zsa Gabor: Was es im 20. Jahrhundert hieß, ein Star zu sein

18. Dezember 2016, 23:53
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Die aus Budapest gebürtige Schauspielerin etablierte erfolgreich das Rollenmodell des Gesellschaftswesens

Los Angeles – Es kann für eine Schauspielerin ein zweischneidiges Kompliment sein, wenn es von ihr heißt, sie wäre "lieb anzusehen". Vor allem, wenn es dann auch noch nur in zweiter Linie gilt: In dem Hollywood-Musical Lovely to Look At (1952) hatte die junge Zsa Zsa (ihren Nachnamen unterschlugen die Credits damals noch) ihr Filmdebüt, allerdings nur in einer Nebenrolle, und dann auch noch an der Seite ihrer Schwester Eva.

Die Welt der Mode, in der alles auf den Look konzentriert war, erwies sich aber als ein perfektes Entree für eine Karriere, die dann zwar nominell in Hollywood stattfand, die aber recht schnell den größeren Zusammenhang der "celebrity culture" benötigte, um im Geschäft zu bleiben. 1952 befand sich die 1917 als Sári Gábor im österreich-ungarischen Budapest geborene Schauspielerin Zsa Zsa Gabor immerhin schon in ihrer dritten Ehe, und die Dauer ihrer Beziehungen war bereits genau so Thema, wie ihr exotischer Akzent zu den Namen der Verflossenen passte. Wenn sie "dahling" sagte, dann setzte sie damit einen Reigen in Gang.

Jetset einer Epoche

Burhan Asaf Belge, ein türkischer Diplomat, war der erste Ehemann, Conrad Nicholson Hilton (von der Hotelkette, aus der Paris Hilton hervorging) der zweite, und 1952 war Zsa Zsa Gabor gerade mit George Sanders verheiratet, den sie mit dem Domrep-Playboy Porfirio Rubirosa betrog.

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Das klingt alles stark nach dem Jetset einer ganz bestimmten Epoche: der frühen Nachkriegszeit, bevor die Massenkultur die mondänen Orte zu schnöden Urlaubszielen degradierte.

Cameo zu Lebzeiten

Zsa Zsa Gabor blieb ein Leben lang Schauspielerin, aber als sie in Orson Welles' Im Zeichen des Bösen (1959) die Besitzerin eines Stripclubs spielte, da hatte das schon etwas von einem Cameo, also von einem Kurzauftritt einer Person, die eigentlich in eine andere Welt gehört. In der Parodie Die nackte Kanone 2 ½ (1991) war diese Bewegung vollendet: Sie spielte sich selbst – und machte sich über sich lustig.

Für diese andere Welt, die ihre eigentliche war, gibt es im Englischen ein praktisches Wort: Zsa Zsa Gabor war im Hauptberuf "socialite", ein Gesellschaftswesen, von dem nicht nur der liebreizende Anblick oder gar schauspielerisches Talent interessiert, sondern die Vermengung von Eros und Kredit, die sie dann im Titel einer ihrer Autobiografien (naturgemäß gibt es mehrere) auch entsprechend ungeniert zum Ausdruck brachte: Wie man einen Mann fängt, ihn an sich bindet, und wieder loswird.

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Eine Würdigung ihres Lebens wäre unvollständig ohne die Liste, mit der sie legendäre männliche Serialmonogamisten in den Schatten stellte: Die Gatten Nummer vier und fünf kamen aus dem Geldadel, Nummer sechs Jack W. Ryan erfand die Barbie-Puppe mit (die als Blondinenideal zu universal – und zu dünn – ist, um exklusiv auf Zsa Zsa rückführbar zu sein), Nummer sieben war passenderweise Anwalt, Nummer acht der "Sozialit" Frédéric Prinz von Anhalt.

Sári Zsa Zsa Gábor hatte ein bewegtes Leben, am Sonntag erlag sie nach längeren Krankheiten einem Herzinfarkt. Ohne sie wüssten wir weniger gut, was es im 20. Jahrhundert hieß, ein Star zu sein. (Bert Rebhandl, 19.12.2016)

  • Zsa Zsa Gabor im Jahr 1992.
    foto: reuters

    Zsa Zsa Gabor im Jahr 1992.

  • Gabor im Jahr 1953 mit ihrem damaligen Ehemann, dem Schauspieler George Sanders.
    foto: ap photo/jim pringle

    Gabor im Jahr 1953 mit ihrem damaligen Ehemann, dem Schauspieler George Sanders.

  • Gabor mit ihrem letzten Ehemann Frederic Prinz von Anhalt im Jahr 1989.
    foto: afp photo / wade byars

    Gabor mit ihrem letzten Ehemann Frederic Prinz von Anhalt im Jahr 1989.

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    foto: apa/dpa/istvan bajzat
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