Präsident und EM: Meistgesehene TV-Sendungen 2016 waren unentschieden

19. Dezember 2016, 07:00
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Etat-Wochenschau: Zeit für allerlei Bilanzen, Piesczek fast nackt – und für einen millionenschweren Mediadeal

Wien – Noch hat das Jahr ein paar Tage, aber man wünscht Österreich und der Welt keine Ereignisse mehr, mit denen der ORF seine Jahrescharts der meistgesehenen Sendungen noch übertreffen könnte. Die Etat-Wochenschau stellt zur Einstimmung schon einmal die wahrscheinlichen Top 42 der Sendungen mit mehr als 900.000 Zuschauern (im Schnitt) vor. Generalthema ganz vorne: unentschieden.

Der Fußball und der Präsident

Mit 1,86 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern war das Nullzunull zwischen Österreich und Portugal die meistgesehene Sendung des Jahres im ORF, präziser: die zweite Halbzeit der Begegnung bei der Fußballeuropameisterschaft in Paris am 18. Juni.

Nach Österreich-Ungarn und Österreich-Island auf den Plätzen zwei und drei steht dann das nächste Unentschieden in den Quoten-Jahrescharts: 1,62 Millionen bei der "Zeit im Bild" am ersten Präsidenten-Wahltag von dreieinhalb, am 24. April. Gleich dahinter in den Charts, ebenfalls im Wahltagsquotenfluss des 24. April 2016: die stärkste "Bundesland heute"-Sendung. Merke: Das sind stets die Quoten von neun Regionalsendungen zusammen.

Stärkster Wintersport-Bewerb: Slalom der Herren in Schladming am 26. Jänner mit 1,536 Millionen und 49 Prozent Marktanteil auf Platz sieben, knapp vor der Abfahrt der Herren in Kitzbühel am 23. Jänner.

Lei, lei, Opernball und "Tatort"-Sternschnuppen

Ganz vorne standen in der Geschichte der ORF-Jahrescharts auch schon "Opernball" und, ja, tatsächlich, "Villacher Fasching". Diesmal liegen sie auf den Plätzen 11 und 18. "Narrisch guat", auch schon einmal ganz vorne, kommt hier auf Rang 27.

Bester "Tatort" des Jahres: "Sternschnuppen", naturgemäß einer aus Wien. Der beste Teil der "Dancing Stars", nicht ganz überraschend "Die Entscheidung", liegt auf Platz 36. Die quotenstärkste Ausgabe von "Liebesgschichten und Heiratssachen" fiel in den September, wenn schon wieder mehr Leute fernsehen: Platz 31.

Heinz-Christian Strache schaffte es mit seinem zweitbesten "Sommergespräch" mit schließlich 810.000 nicht in die Top 42. In der Liste der quotenstärksten "Sommergespräche" aller Zeiten liegt er (zeitversetzten Abrufen jetzt eingerechnet) nun auf Rang 4 hinter Strache 2015 (mit 1,007 Millionen), Frank Stronach 2015 und Jörg Haider 1994.

A propos Strache: Die beste "Vorstadtweiber"-Folge 2016 lief am 14. März mit 921.000 Zuschauern, und sie spekulierte nicht gerichtsrelevant über das Sexualverhalten politischer Funktionäre. Platz 41 in den Jahresquotencharts.

Nur einmal doppelt

In der Etat-Jahresübersicht 2016 kommen regelmäßige Sendungen wie die "Zeit im Bild" oder "Bundesland heute" nur je einmal vor – Ausnahme: die zweitplatzierte "Zeit im Bild" vom doch noch definitiven Präsidentenwahltag am 4. Dezember. Auch aus Reihen wie "Tatort" oder "Liebesgschichten und Heiratssachen" stehen hier nur die quotenstärksten Folgen. Ausnahme: (Sport-)Events wie die Fußballeuropameisterschaft.

foto: apa/afp/miguel medina
Alessandro Schöpf und William Carvalho beim Nullzunull Österreich gegen Portugal bei der Fußballeuropameisterschaft 2016.

Die Quoten-Jahrescharts 2016

Und das wären nun die – vorläufigen – Jahrescharts der Fernsehquoten in Österreich, eine Etat-Zusammenstellung aus ORF-Daten, wie beim Lotto ganz ohne Gewähr:

  1. EM: Portugal – Österreich, 2. Halbzeit (18. Juni)
    1,816 Millionen Zuschauer/innen, 62 Prozent Marktanteil
  2. EM: Österreich – Ungarn, 2. Hz (14. Juni)
    1,724 Millionen, 60 Prozent Marktanteil
  3. EM: Island – Österreich, 2. Hz (22. Juni)
    1,678 Millionen, 66 Prozent Marktanteil
  4. "Zeit im Bild" (Bundespräsidentenwahl, erste Runde, 24. April)
    1,620 Millionen, 55 Prozent Marktanteil
  5. "Bundesland heute" (24. April)
    1,585 Millionen, 58 Prozent Marktanteil
  6. EM: Portugal – Frankreich, 2. Hz (10. Juli)
    1,565 Millionen, 55 Prozent Marktanteil
  7. Slalom der Herren, Schladming, 2. Durchgang (26. Jänner
    1,536 Millionen, 49 Prozent Marktanteil
  8. Abfahrt der Herren, Kitzbühel (23. Jänner)
    1,531 Millionen, 74 Prozent Marktanteil
  9. "Bundespräsidentenwahl: Erste Hochrechnung" (24. April)
    1,503 Millionen, 62 Prozent Marktanteil
  10. "Zeit im Bild" (Bundespräsidentenwahl) (4.Dezember)
    1,49 Millionen, 50 Prozent Marktanteil

  11. "Opernball – Die Eröffnung" (4. Februar)
    1,469 Millionen, 54 Prozent Marktanteil
  12. "Bundespräsidentenwahl: Hochrechnungen und Analysen" (22. Mai)
    1,432 Millionen, 68 Prozent Marktanteil
  13. Slalom der Herren, Kitzbühel, 2.DG (24. Jänner)
    1,357 Millionen, 71 Prozent Marktanteil
  14. EM: Deutschland – Italien, 2. Hz (2. Juli)
    1,357 Millionen, 50 Prozent Marktanteil
  15. EM: Deutschland – Frankreich, 2. Hz (7. Juli)
    1,344 Millionen, 50 Prozent Marktanteil
  16. EM: Frankreich – Island, 1. Hz (3. Juli)
    1,302 Millionen, 39 Prozent Marktanteil
  17. "ZiB 2" (19. Mai)
    1,291 Millionen, 50 Prozent Marktanteil
  18. "Villacher Fasching" (9. Februar)
    1,280 Millionen, 43 Prozent Marktanteil
  19. "Wahl 16: Das Duell – Norbert Hofer : Alexander Van der Bellen" (19. Mai)
    1,265 Millionen, 44 Prozent Marktanteil
  20. "Song Contest 2016: Finale, Songs 13-26" (14. Mai)
    1,243 Millionen, 49 Prozent Marktanteil

  21. EM: Deutschland – Ukraine, 2. Hz (12. Juni)
    1,169 Millionen, 42 Prozent Marktanteil
  22. "Tatort: Sternschnuppe" (7. Februar)
    1,169 Millionen, 34 Prozent Marktanteil
  23. EM: Portugal – Wales, 1. Hz (6. Juli)
    1,103 Millionen, 39 Prozent Marktanteil
  24. "Neujahrskonzert 2016, Teil 2" (1. Jänner)
    1,093 Millionen, 56 Prozent Marktanteil
  25. "Bundespräsidentenwahl: Runde der KandidatInnen" (21. April)
    1,078 Millionen, 39 Prozent Marktanteil
  26. EM: England – Island 2. Hz (27. Juni)
    1,075 Millionen, 43 Prozent Marktanteil
  27. "Narrisch guat 2" (6. Februar)
    1,052 Millionen, 37 Prozent Marktanteil
  28. Länderspiel Österreich – Türkei, 2. Halbzeit (29. März)
    1,034 Millionen, 36 Prozent Marktanteil
  29. EM: Deutschland – Polen, 1. Hz (16. Juni)
    1,032 Millionen, 37 Prozent Marktanteil
  30. EM: Belgien – Italien, 1. Hz (13. Juni)
    1,028 Millionen, 33 Prozent Marktanteil

  31. "Liebesg’schichten und Heiratssachen" (5. September)
    1,034 Millionen, 35 Prozent Marktanteil
  32. Slalom der Herren, Wengen, 2. DG (17. Jänner
    1,011 Millionen, 60 Prozent Marktanteil
  33. Abfahrt der Herren, Wengen (16. Jänner)
    1,002 Millionen, 66 Prozent Marktanteil
  34. Skispringen Bischofshofen, 2. DG (6. Jänner)
    994.000, 40 Prozent Marktanteil
  35. WM-Qualifikation Serbien – Österreich (9. Oktober)
    989.000, 36 Prozent Marktanteil
  36. "Dancing Stars – Die Entscheidung" (6. Mai)
    975.000, 48 Prozent Marktanteil
  37. "9 Plätze – 9 Schätze" (26. Oktober)
    964.000, 32 Prozent Marktanteil
  38. "Die Toten von Salzburg" (2. März)
    961.000, 32 Prozent Marktanteil
  39. EM: Polen – Portugal, 1. Hz (30. Juni)
    953.000, 35 Prozent Marktanteil
  40. "Die Rosenheim-Cops" (17. November)
    946.000, 31 Prozent Marktanteil

  41. "Vorstadtweiber" (14. März)
    921.000, 29 Prozent Marktanteil
  42. WM-Qualifikation: Österreich – Wales (6. Oktober)
    907.000 Zuschauer/innen, 38 Prozent Marktanteil

Wo sich die Woche verschaute

Wo wir schon beim ORF, bei Zahlen und beim Rückblicken sind: Die Etat-Wochenschau, intern auch liebevoll Wochensau genannt, blickt seit Ende August jeweils Montagfrüh den nächsten 168 Stunden entgegen, ziemlich subjektiv und naturgemäß ohne Gewähr für Vollständigkeit.

ATV-Eigentümer Herbert Kloiber zum Beispiel musste just gleich nach der ersten Wochenschau kundtun, dass er seinen Sender in Österreich bis Ende 2017 loswerden will. Wolfgang Bergmanns Abschied vom STANDARD zum Belvedere kam in der Wochenschau auch nicht vor, den neuen Finanzdirektor des ORF prognostizierte sie ebensowenig. Und dass sich Volker Piesczek von Puls 4 verabschiedet, um künftig vor allem öffentlich zu singen (und das manchmal doch recht leicht bekleidet), fehlte in dieser schwatzhaften Kolumne leider auch. Zum Ausgleich:

Immerhin: Mit der ersten Prognose von sieben Prozent Gebührenerhöhung lag die Etat-Wochenschau ein Alzerl näher an den schließlich beschlossenen 6,5 Prozent GIS-Plus als jene 7,7 Prozent, die ORF-General Alexander Wrabetz zunächst beantragte und dann unter politischem Druck zurückzog.

Media-Multis: Die nächste Etappe

Was bringt die kommende Woche noch, von Jahresrückblicken und Jahrescharts abgesehen? Eine Etappe auf dem Weg zur Neuordnung des österreichischen Media-Markts. Am 22. Dezember läuft die Frist ab für Einwände gegen eine Komplettübernahme der Digitalagentur pilot@media.at durch 50-Prozent-Gesellschafter Media.at.

Der Ausstieg der Hamburger Hälftegesellschafter pilot gilt als Schritt zum Verkauf der ganzen Media.at, immerhin mit rund 380 Millionen Brutto-Schaltvolumen die zweitgrößte Mediaagentur in Österreich. Problem dabei: Die Media.at-Eigentümer A1, Post, Bawag PSK und Österreichische Lotterien (neben einem Mini-Anteil der Industriellenvereinigung) sind zugleich sehr, sehr gewichtige Kunden der Agentur. Wer sie kauft, hätte gern Garantien, dass sie noch eine Weile an Bord bleiben. Und warum dann aber verkaufen und sich weiter binden – wenn nicht, wie bei der Bawag PSK, strengere Finanzregeln dazu drängen?

Und wer könnte nach dem schon langen Bieterverfahren kaufen? Branchenriese Group M interessierte sich 2015, winkte dann aber wieder ab, für's Erste jedenfalls. Als möglicher Käufer wurde in den vergangenen Monaten vor allem Dentsu Aegis gehandelt – dort freilich dementiert man das auf STANDARD-Anfrage recht nachdrücklich.

Kurzum: Media.at dürfte noch das eine oder andere mal in der Etat-Wochenschau vorkommen.

Mach mal Pause

Aber, soviel lässt sich mit einiger Bestimmtheit sagen: nicht am kommenden Montag. Die Wochenschau gibt zu Weihnachten erst einmal Ruhe. Und sammelt Kräfte für die Hochsaison der Prognosen. Bleiben Sie dran. (Harald Fidler, 19.12.2016)

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