Altach krönt sich gegen harmlose Rapidler zum Winterkönig

18. Dezember 2016, 18:32
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Die Vorarlberger bestätigen ihre bisher starke Saison, gewinnen gegen Rapid mit 3:1 und gehen als Tabellenführer in die WInterpause

Altach – Der SCR Altach hat sich am Sonntag den Winterkönig-Titel in der Bundesliga gesichert. Das Überraschungsteam der Saison feierte zum Abschluss der 20. Runde gegen Rapid einen 3:1 (1:0)-Sieg und geht mit einem Zwei-Punkte-Vorsprung auf Titelverteidiger Salzburg ins Jahr 2017. Rapid ist als Fünfter im Niemandsland der Tabelle.

Die Wiener haben vor den letzten 16 Runden 15 Punkte Rückstand auf Altach, der 33. Titel der Vereinsgeschichte ist also eher schon vor dem Frühjahr verloren. Das gilt wohl auch für einen Europacup-Fixplatz, den die ersten drei sicher haben. Auf Salzburg fehlen 13 Punkte, auf Sturm Graz zwölf. Zudem hat auch die viertplatzierte Austria, die zum Frühjahrsauftakt wartet, zehn Punkte mehr gesammelt.

Die Freude des Wiedersehens

Auf Coach Damir Canadi wartet also eine Mammutaufgabe im neuen Jahr. Seine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte hätte er sich sicher anders vorgestellt. Die Altacher gingen dank Toren von Philipp Netzer (7., 60.) und Nikola Dovedan (55.) völlig zu Recht als Sieger vom Feld, blieben damit auch im elften Heimspiel unbesiegt und holten Sieg Nummer neun. Den in der Offensive völlig harmlosen Rapidlern gelang durch Srdjan Grahovac (59.) nur Ergebniskosmetik, der kurze positive Aufwärtstrend durch die Siege gegen St. Pölten (1:0) und Ried (3:1) wurde gestoppt.

Bei seiner mit Spannung erwarteten Rückkehr in die Cashpoint-Arena überraschte Canadi mit einer 4-3-3-Formation, die aber nur aufgrund der zahlreichen Ausfälle zustande kam. Maximilian Wöber fiel kurzfristig krankheitsbedingt aus, Mario Sonnleitner war nicht fit genug für einen längeren Einsatz, es fehlten in der Defensive also die Alternativen.

Traumstart

Unmittelbar nachdem Canadi von seinem Ex-Klub offiziell verabschiedet worden war, starteten die Altacher druckvoller, energischer und legten einen Traumstart hin. Allerdings nur dank der Mithilfe des Schiedsrichterteams, dem zwei Fehler hintereinander unterliefen. Ein Lienhart-Freistoß wurde von Netzer leicht verlängert, der in Abseitsposition befindliche Benedikt Zech irritierte Goalie Richard Strebinger, der den Ball nicht festhalten konnte, und Netzer staubte zum 1:0 ab (7.). Den Freistoß hätte es gar nicht geben dürfen, der Zweikampf von Grahovac mit Boris Prokopic war kein Foul.

Der schwungvolle Start wurde durch den Führungstreffer aber gebremst. Altach zog sich sehr weit zurück, überließ Rapid das Spiel, die konnte sich aus dem größeren Ballbesitz aber keine Chancen herausarbeiten. Ex-Rapid-Goalie Andreas Lukse war in der ersten Hälfte völlig beschäftigungslos.

Es geht dahin

Nach dem Seitenwechsel lief bei Rapid noch weniger zusammen, Altach zeigte dagegen hohe Effizienz. Der starke Dimitri Oberlin bediente Dovedan mit der Ferse, der ließ Stephan Auer aussteigen und traf an Strebinger vorbei ins Eck (55.). Rapid konnte mit einem direkt verwandelten Freistoß ins Eck von Grahovac (59.) antworten, es sollte aber die einzige gute Chance der Gäste im Spiel bleiben. Quasi im Gegenzug machte Altach alles klar, nach einem Lienhart-Freistoß köpfelte Netzer, dessen Vertragsverlängerung um zwei Jahre bekannt wurde, völlig unbedrängt zum 3:1 (60.) ein.

Rapid, für das Kapitän Steffen Hofmann ab der 77. Minute ein Comeback gab, ist damit in Altach seit fünf Spielen sieglos. Der Trainereffekt blieb bisher wirkungslos, unter Canadi ist der Rückstand auf die Spitze von neun auf 15 Punkte gewachsen. Die Altacher konnten unter Interimstrainer Werner Grabherr ihren Sensationslauf fortsetzen, für den 31-Jährigen war es aufgrund der fehlenden Pro-Lizenz trotzdem die letzte Partie. Ein Nachfolger soll bald präsentiert werden. (APA, 18.12.2016)

Bundesliga, 20. Runde, Sonntag

SCR Altach – SK Rapid Wien 3:1 (1:0)
Cashpoint Arena, 7.200 Zuschauer, SR Muckenhammer

Torfolge:
1:0 (7.) Netzer
2:0 (55.) Dovedan
2:1 (59.) Grahovac (Freistoß)
3:1 (60.) Netzer

Altach: Lukse – Zech, Netzer, Galvao – Jäger – Lienhart, P. Salomon, Ngwat-Mahop (51. Dovedan), Schreiner – Prokopic (87. Müller) – Oberlin (76. Ngamaleu)

Rapid: Strebinger – Auer (77. S. Hofmann), M. Hofmann, Dibon, Schrammel – Thurnwald, Grahovac, Murg – Schaub (71. Szanto), Kvilitaia (77. Tomi), Joelinton

Gelbe Karten: Prokopic, Lukse bzw. Kvilitaia, Joelinton, M. Hofmann

Stimmen:

Werner Grabherr (Altach-Interimstrainer): "Der Sieg war sehr wichtig, die Mannschaft wollte ihn unbedingt und hat es sich verdient. Wir wissen wie wichtig Standardsituationen sind, heute haben wir es einmal für uns genützt und selbst defensiv sehr wenig zugelassen, Rapid hat sich schwer getan."

Zum Winter und bevorstehenden Wechsel in die zweite Reihe: "Wir wollen über den Winter noch einmal einen Schritt nach vor machen. Das zweite Glied ist es nicht unbedingt. Wir arbeiten im Team alle zusammen, und versuchen die Mannschaft bestmöglich vorzubereiten und aufzustellen. Es ist ein verdienter Mannschaftserfolg und damit meine ich mehr als nur diese elf Spieler."

Damir Canadi (Rapid-Trainer): "Man kann dem SCR Altach nur gratulieren, man sieht mit welchem Selbstvertrauen sie agiert haben. Von der Leistung her, war die erste Halbzeit von uns in Ordnung. Wir waren sehr gleichwertig mit Altach. Deren erster Torschuss war das 2:0. Dann kommt das 2:1 und wir kommen wieder aus einer Standardsituation in Rückstand. Daraus müssen wir lernen. Wenn es nicht so läuft, dann ist es auch für den SK Rapid so. Wichtig ist jetzt die Selbstreflektion. Da ist jeder Spieler gefordert, jeder Trainer. Wenn man selbstkritisch ist, werden im Sport auch andere Zeiten kommen, und Rapid wird in die Erfolgsspur kommen."

Christopher Dibon (Rapid-Innenverteidiger): "Ich glaube, dass Altach am Anfang gedrückt hat und durch einen Standard in Führung gegangen ist, was, glaube ich, abseits war, wenn ich alles richtig gehört habe. Altach hat dann eine breite Brust gehabt, sie sind Erster, wir waren ein bisserl geknickt, haben alles reingehaut, aber nicht wirklich ins Spiel gefunden. Die Niederlage schmerzt natürlich sehr."

Steffen Hofmann (Rapid-Kapitän): "Ich denke, es waren von beiden Mannschaften wenige Chancen aus dem Spiel. Altach hat die Chancen besser genützt. Es war ein sehr schwieriges Spiel, aber wir haben gegen den Tabellenersten auswärts gespielt. Wir werden in der Winterpause regenerieren und schauen, dass wir im Frühjahr bessere Ergebnisse liefern als im Herbst."

  • In Vorarlberg jubelt man im Winter.
    foto: apa/dietmar stiplovsek

    In Vorarlberg jubelt man im Winter.

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