UN-Sicherheitsrat zu Aleppo: Prolongierte Ohnmacht

Kommentar18. Dezember 2016, 18:31
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Die Vereinten Nationen scheinen noch ohnmächtiger, als sie es schon in den vergangenen Monaten und Jahren waren

Egal, ob die Eroberung Ost-Aleppos durch die Streitkräfte des syrischen Machthabers Bashar al-Assad mehr oder weniger zufällig oder doch gezielt auf diese Tage gefallen sein mag: Der Zeitpunkt spielt den militärischen Siegern dieser Schlacht zusätzlich politisch in die Hände. Die Vereinten Nationen scheinen jetzt – keine zwei Wochen vor Amtsende von Generalsekretär Ban Ki-moon – noch ohnmächtiger, als sie es schon in den vergangenen Monaten und Jahren waren.

Das Bemühen Frankreichs, dennoch eine UN-Beobachtermission für Aleppo beschließen zu lassen, mag gut gemeint sein. Doch auch diese Initiative wird, wie so viele andere, so lange wirklungslos bleiben, solange die Vetomacht Russland an Assad festzuhalten gedenkt.

Und auch auf dem Boden der harten Kriegsrealität dürfte eine solche Mission – so sie jemals zustande kommt – kaum effizient sein. Wenn der französische UN-Botschafter François Delattre erklärt, die Präsenz von Blauhelmen würde "ein weiteres Srebrenica" verhindern, so liefert er damit selbst den Gegenbeweis: Die Rolle der UN-Soldaten bei dem Massaker im Jahr 1995 – damals töteten bosnisch-serbische Milizen rund 8000 muslimische Männer und Buben – bleibt bis heute umstritten. Gesichert ist nur, dass sie das größte Kriegsverbrechen seit 1945 nicht verhindern konnten. Kein Grund also für Assad, sich ausgerechnet von einer UN-Mission beeindruckt zeigen zu müssen. (Gianluca Wallisch, 18.12.2016)

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