Trumps Mann in Tel Aviv, der nach Jerusalem will

Kopf des Tages18. Dezember 2016, 18:12
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Hardliner David Friedman soll neuer Botschafter der USA in Israel werden

Auch israelische Medien waren verblüfft: "Er lässt Benjamin Netanjahu wie einen Linken aussehen", schrieb die linksliberale Haaretz, die den israelischen Premier sonst eher als zu weit rechts kritisiert, in einem Kommentar. Gemeint war David Friedman, den der künftige US-Präsident Donald Trump zum Botschafter der USA in Israel machen will.

Tatsächlich steht der Anwalt aus Long Island auch im israelischen Politikspektrum weit rechts: Er ist Chef einer US-Organisation, die den Siedlungsbau im Westjordanland finanziell und politisch unterstützt, und plädiert für eine Ausweitung der Bauaktivitäten. Auch eine Einstaatenlösung – einen Staat aus Israel und den heutigen Palästinensergebieten – hat er in Interviews als "keine Tragödie" bezeichnet, denn die Einwohnerzahlen der Palästinensergebiete würden meist ohnehin "weit übertrieben".

Seine Bekanntschaft mit Donald Trump war zunächst beruflich: Der auf Firmenpleiten spezialisierte Jurist vertritt den Baulöwen seit mehr als 15 Jahren in Rechtsstreitigkeiten. Privat sind sich die beiden seit 2005 nahe – da besuchte Trump überraschend das Totengedenken für Friedmans Vater Morris, der Rabbiner einer konservativen jüdischen Gemeinde war.

"Keinerlei Druck" für Israel

Auch im Wahlkampf hatte Friedman Trump schon früh unterstützt. Als Kommentator für die israelischen Zeitungen Jerusalem Post und Arutz Sheva schrieb er, das Land werde unter der Präsidentschaft des Republikaners "keinerlei Druck" haben. Sorgen, dass der Kandidat auch in rechten und antisemitischen Gruppen Unterstützer rekrutiere, begegnete er mit der Behauptung, Antisemitismus sei unter Linken viel weiter verbreitet. Diesen wirft Friedman auch der liberalen jüdischen Lobby J Street vor, deren Unterstützer er einmal als "schlimmer als Kapos" in der NS-Zeit und "nicht jüdisch und nicht proisraelisch" bezeichnet hatte. J Street revanchierte sich mit harter Kritik – und dem Hinweis, dass Friedman diplomatische Erfahrung für den Posten fehle.

Er freue sich, die USA "in Israels ewiger Hauptstadt Jerusalem" vertreten zu können, sagte Friedman nach der Nominierung. Er spielte damit auf Pläne Trumps an, die US-Botschaft aus Tel Aviv zu verlegen. Bisherige Präsidenten hatten wegen der Sorge, eine Gewaltspirale loszutreten, darauf verzichtet. In Israels Hauptstadt besitzt Friedman schon jetzt ein Haus. Gemeinsam mit Frau, Kindern und Enkeln verbringt er dort gerne die hohen jüdischen Feiertage. (Manuel Escher, 18.12.2016)

  • Soll Donald Trumps USA in Israel vertreten: David Friedman.
    foto: ap

    Soll Donald Trumps USA in Israel vertreten: David Friedman.

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