Missbrauchsprozess gegen Olympiasieger Seisenbacher beginnt

19. Dezember 2016, 07:00
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Der frühere Weltklassejudoka steht schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen ab Montag vor Gericht. Das Urteil wird für Donnerstag erwartet

Wien – Ab Montag muss sich Judo-Doppelolympiasieger Peter Seisenbacher vor einem Wiener Schöffensenat verantworten. Er soll sich als Vereinstrainer in Wien an zwei Mädchen vergangen haben. Der Prozess wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses ist auf drei Tage anberaumt, das Urteil soll am Donnerstag ergehen.

Seisenbacher, für den die Unschuldsvermutung gilt, dürfte die gegen ihn gerichteten Vorwürfe bestreiten. Sein Verteidiger Bernhard Lehofer hat zwar angekündigt, dass der 56-Jährige dazu erst im Rahmen der Hauptverhandlung Stellung nehmen werde. Aus den Beweisanträgen des Verteidigers ist allerdings zu schließen, dass mit keinem umfassenden Geständnis des Angeklagten zu rechnen sein wird.

Auf Wunsch Lehofers wurden mehrere Bekannte Seisenbachers geladen, die offenbar als Entlastungszeugen fungieren sollen. Sie sollen demnach bestätigen, dass die betroffenen Mädchen nach den angeblichen Übergriffen weiterhin Kontakt zu ihrem Trainer hatten.

Falls das so gewesen sein sollte, müsste das Gericht beurteilen, inwieweit das für Seisenbacher spricht beziehungsweise zur Klärung der Schuldfrage beiträgt. Gerade Kindern fällt es in Missbrauchsfällen oft schwer, sich vom Täter zu lösen, wenn zu diesem ein Naheverhältnis bestanden hat. Mitunter können Abnabelungsprozesse Jahre dauern.

Anklage: Neunjährige bedrängt

Der Anklage zufolge war ein Mädchen erst neun, als Seisenbacher an ihm Interesse entwickelte. Er war mit dem Vater der Schülerin befreundet. Laut Anklage soll Seisenbacher die Neunjährige 1997 erstmals bedrängt haben. Von 1999 an kam es nach Angaben der Betroffenen zu geschlechtlichen Handlungen, die als schwerer sexueller Missbrauch einer Unmündigen qualifiziert sind. Die Schülerin soll bis zur Vollendung des 14. Lebensjahrs wiederholt missbraucht worden sein.

2004 soll er sich einem weiteren, damals 13-jährigen Mädchen zugewandt haben, das er ebenfalls als Trainer in seinem Judoverein kennengelernt hatte. Auch mit diesem Mädchen soll es laut Anklage zu sexuellen Handlungen gekommen sein. (APA, red, 19.12.2016)

  • Peter Seisenbacher muss sich in Wien vor Gericht verantworten.
    foto: apa / helmut fohringer

    Peter Seisenbacher muss sich in Wien vor Gericht verantworten.

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