Erne-Mitarbeiter in Vorarlberg bangen um Zukunft

18. Dezember 2016, 15:49
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Verhandlungen mit Banken nur teils erfolgreich – Frist abgelaufen – 700 Jobs wackeln

Schlins/Wien – Als im Oktober der Wiener Investor Stephan Zöchling das Vorarlberger Familienunternehmen Erne übernommen hat, waren die Pläne klar: Die Restrukturierung, die 2013 eingeleitet wurde, sollte zu einem Abschluss gebracht werden. Dabei sollten auch die involvierten Banken einen substanziellen Beitrag leisten. Der Plan war auch, die international tätige Erne-Gruppe im Ausland zu stärken und die Expansion vor allen in Russland und den USA voranzutreiben.

Nach gut zwei Monaten sieht die Lage anders aus. Die wirtschaftliche Zukunft der 1920 gegründeten Gruppe mit Sitz in Schlins scheint ungewisser, denn nicht jede Bank will bei Zöchlings Plan mitspielen. Bisher sollen sich laut "Vorarlberger Nachrichten (VN)" nur drei Hausbanken bereit gezeigt haben, ihren Teil zur Sanierung beitragen zu wollen.

Frist am Freitag abgelaufen

Die BTV, Hypo Vorarlberg und Raffeisenbank International sollen sich bei Verhandlungen mit dem neuen Eigentümer kooperativ gezeigt haben. Bereits im Oktober stand laut "VN" bei der BTV der Verzicht von rund drei Millionen Euro im Raum. Die Frist für die anderen drei Hausbanken – alle dem Raiffeisen-Sektor zuzuordnen – sei am Freitag verstrichen. Sie sollen eine Lösung laut "VN" bisher verweigert und auch keine Bereitschaft für konstruktive Gespräche gezeigt haben. Die schlechte Besicherung der Raiffeisen-Mittel sei der Grund dafür, heißt es. Montagmorgen muss eine Entscheidung fallen. 700 Jobs stehen auf dem Spiel.

Wilfried Hopfner, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenlandesbank, versteht die Kritik Zöchlings nicht. Es gebe intensive Gespräche mit dem Eigentümer, sagte er zu "orf.at". Man habe am Freitagabend ein Angebot unterbreitet, das bedeuten würde, dass die Raiffeisenlandesbank fast die Hälfte des von Zöchling geforderten Nachlasses beisteuern würde.

Insolvenz droht

Kommt es zu keiner Lösung, könnte die Erne-Gruppe in die Insolvenz getrieben werden, da die Kreditversicherer angedroht haben, die Linien zurückzuziehen, sollte es bis 15. Dezember zu keiner Einigung kommen. Eine vom Käufer angekündigte Kapitalerhöhung von zehn Millionen Euro soll zwar in den Startlöchern stehen – aber auch dafür brauche es vorab eine Einigung mit den Banken.

Erne hat sich Eigenangaben zufolge zu einem führenden Anbieter von Rohrverbindungen entwickelt. Abnehmer sind neben der internationalen Öl- und Gasindustrie auch die Kohle- und Wasserkraft- sowie Automobilindustrie. 2015 wurde ein Umsatz von 115 Mio. Euro erwirtschaftet, die Exportquote lag bei 97 Prozent.

In den vergangenen Jahren war die Gruppe in Schieflage geraten – als Gründe dafür gelten neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch Fehler im bisherigen Management. (red, 19.12.2016)

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