EZB-Chefökonom: Effekt der Geldflut auf Inflation bisher enttäuschend

18. Dezember 2016, 13:26
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Praet: Anleihen-Kaufprogramm hat aber die Eurozone stabilisiert

Frankfurt – Das große Anleihen-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) hat nach Ansicht ihres Chefvolkswirts Peter Praet bisher noch nicht den gewünschten Effekt auf die Inflation. Der niederländischen Zeitung "De Telegraaf" sagte er, die Auswirkung sei "bis jetzt enttäuschend".

Das Programm sei allerdings erfolgreich, indem es die Eurozone stabilisiert und für günstige Finanzierungsbedingungen gesorgt habe, sagte Praet in dem Interview, aus dem die Notenbank am Freitag einige Zitate freigab. Im November lag die Teuerung im Währungsraum gerade einmal bei 0,6 Prozent. Die EZB strebt aber knapp zwei Prozent Inflation als Idealwert für die Wirtschaft an.

Der Einfluss der Finanzierungsbedingungen auf Wachstum und Inflation benötige Zeit, sagte der oberste EZB-Ökonom. "Ich glaube, dass wir sagen können, dass wir eine Deflation vermieden haben." Eine Zeit lang habe es hierfür eine echte Gefahr gegeben. Als "Deflation" bezeichnen Experten eine konjunkturell schädliche Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen, nachlassendem Konsum und zurückgehenden Investitionen, gegen die es kaum ein wirksames geldpolitisches Mittel gibt.

Die EZB hält seit März die Leitzinsen auf dem Rekordtief von null Prozent. Seit März 2015 pumpt sie zudem über ihr billionenschweres Anleihen-Kaufprogramm Monat über Monat Milliarden in das Bankensystem, um die Anleihezinsen zu drücken und Banken zu mehr Krediten an die Wirtschaft zu bewegen. Vor wenigen Tagen erst hatte die EZB ihr Programm um sechs Monate bis Ende Dezember 2017 verlängert. Dabei soll ab April 2017 das monatliche Kaufvolumen auf 60 von bisher 80 Milliarden Euro sinken. (APA, Reuters, 18.12.2016)

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