13-Jähriger lag 41 Minuten unter Wasser: Bub geht wieder in Schule

18. Dezember 2016, 11:56
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Sensationeller Erfolg im Wiener Donauspital: Motorische und kognitive Fähigkeiten weitgehend wiederhergestellt

Wien – Im vergangenen Sommer war der 13-jährige Morteza bei einem Schulausflug an den burgenländischen Neufelder See ins Wasser gefallen und erst nach 41 Minuten von Tauchern geborgen worden. Doch bei dem jungen Afghanen vollbrachten die Ärzte des Donauspitals (Wiener Krankenanstaltenverbund) kaum für möglich Gehaltenes. Morteza geht wieder in die Schule.

Morteza lag 41 Minuten mit einem Kreislaufstillstand am Grund des Sees, er hatte die Lungen voll Wasser. Normalerweise bedeutet das den Tod durch Ertrinken. Wenn solche Menschen wiederbelebt werden können, haben sie wegen des langen Sauerstoffmangels meist schwere Gehirnschädigungen. Der 13-Jährige war ebenfalls von den Rettungsteams wiederbelebt und danach ins Wiener Donauspital gebracht worden.

"Niemand von uns konnte glauben, dass das Kind wirklich 41 Minuten unter Wasser war. Aber alle Protokolle und Zeugenaussagen bestätigten die Angaben", schilderte Alexander Rokitansky, Abteilungsvorstand der Kinderchirurgie und Kinder-Intensivstation des Donauspitals.

Körpertemperatur des Intensivpatienten gekühlt

Doch die Mediziner der Kinder-Intensivstation wollten den 13-Jährigen nicht aufgeben und wendeten eine von ihnen eingeführte und bewährte Methode an. "Wir haben den Buben im künstlichen Tiefschlaf rund eine Woche auf 33 Grad heruntergekühlt und beobachtet. Eine Spezialität des Donauspitals ist, dass wir unsere kleinen Intensivpatienten eben mitunter länger als üblich heruntergekühlt lassen", erläuterte Christian Scheibenpflug, Leitender Arzt der Kinder-Intensivstation. Rokitansky ergänzte, es sei mittlerweile gut dokumentiert, dass Menschen bei einem Kreislaufstillstand ohne Sauerstoffzufuhr bessere Überlebenschancen haben, wenn ihr Körper stark abgekühlt ist. "Und da war es offenbar von besonderem Vorteil für den Buben, dass der Neufelder See ein eher kälteres Gewässer ist."

Morteza wurde nach einer besonders schonenden langen Aufwachphase nach fünf Wochen auf der Intensivstation auf die Normalstation verlegt und eine weitere Woche später zur Neuro-Rehabilitation ins Kaiser-Franz-Josef-Spital gebracht. Noch im Spätsommer besuchte er wieder seine alte Schule in Wien.

Die Mediziner zeigten sich über ihren therapeutischen Erfolg begeistert: "Die motorischen und kognitiven Fähigkeiten des Buben sind weitgehend wieder hergestellt. Eine endgültige Bilanz wird man jedoch erst in einem Jahr ziehen können." Die Ärzte sprachen auch den Ersthelfern vom Neufelder See ihren Dank aus: "Die haben alles richtig gemacht." Auch die Arbeit des Neuro-Reha-Teams vom Kaiser-Franz-Josef-Spital wurde gelobt.

Den Medizinern des Donauspitals sei weltweit kein ähnlicher Fall bekannt, bei dem ein Mensch derart lang unter Wasser lag, wiederbelebt werden konnte und bei dem ein so großer Behandlungserfolg gelang, hieß es seitens des KAV. "Die Spitzenmedizin des Wiener Krankenanstaltenverbundes macht manchmal Wunder möglich", resümierte KAV-Sprecher Christoph Mierau.

Der Fall erinnert an den der damals dreijährigen Kärntnerin Michaela, die 1998 bei Mörtschach (Bezirk Spittal/Drau) am elterlichen Bauernhof in einen Teich gefallen war. Das Mädchen lag rund eine halbe Stunde unter Wasser und wurde reanimiert. Im LKH Klagenfurt wurde sie vollständig wieder hergestellt. Der Fall wurde 2011 als "Das Wunder von Kärnten" verfilmt und 2013 mit einem International Emmy ausgezeichnet.

Morteza bedankte sich mit seiner Mutter Samir und seinem Vater Mustafa bei den Ärzten und Pflegern des Donauspitals. Er geht in die achte Schulstufe, wobei er vor allem Mathematik und Deutsch sehr gerne mag. Der vor 14 Monaten mit seinen Eltern aus Afghanistan nach Wien geflüchtete Bub ist zudem großer Fußballfan und mag besonders Cristiano Ronaldo. (APA, 18.12.2016)

  • Der leitende Arzt der Kinder-Intensivabteilung Christian Scheibenpflug, Abteilungsleiter Kinderchirurgie und Kinder-Intensivabteilung Prof. Alexander Rokitansky, Kinder-Intensiv-Stationsschwester Yvonne Trettenbrein, Morteza, und der Ärztlicher Direktor des Donauspitals Lothar Mayerhofer (von links).
    foto: apa/mierau/kav

    Der leitende Arzt der Kinder-Intensivabteilung Christian Scheibenpflug, Abteilungsleiter Kinderchirurgie und Kinder-Intensivabteilung Prof. Alexander Rokitansky, Kinder-Intensiv-Stationsschwester Yvonne Trettenbrein, Morteza, und der Ärztlicher Direktor des Donauspitals Lothar Mayerhofer (von links).

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