Berlusconis Mediaset schließt Verhandlungen mit Vivendi aus

18. Dezember 2016, 10:22
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Mailänder TV-Gruppe klagt über feindliche Pläne des französischen Medienkonzerns

Rom/Mailand/Paris – Die Mailänder TV-Gesellschaft Mediaset unter Kontrolle von Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi hat Verhandlungen mit dem französischen Medienkonzern Vivendi entschieden ausgeschlossen. Die Aufstockung von Vivends Anteil an Mediaset von drei auf 20 Prozent innerhalb weniger Tage bezeichnete Mediaset als "feindlich".

Die Mailänder TV-Gruppe reagierte damit auf Aussagen von Vivendis CEO Arnaud de Puyfontaine, der sich zu Gesprächen mit Mediaset bereit erklärt hatte, nachdem die Franzosen mit ihrem 20-Prozent-Paket zum zweitstärksten Aktionär der Mailänder Gesellschaft nach Berlusconis Medienholding Fininvest avanciert ist.

"Wir hatten mit Vivendi einen Vertrag für den Verkauf unseres Bezahlsenders Premium abgeschlossen, der nicht respektiert worden ist. Jetzt zu behaupten, dass dieser Vertrag falsch war, ist absurd", kommentierte Mediasets Verwaltungsratspräsident Fedele Confalonieri. Mediasets Mutterkonzern Fininvest hat Vivendi wegen der geplatzten Übernahme des Pay-TV-Senders Premium durch Vivendi auf Schadenersatz in Höhe von 570 Mio. Euro verklagt. Diesen Betrag will Vivendi nicht zahlen. Mit dem massiven Aktienkauf will der französische Konzern Berlusconi jetzt unter Druck setzen und Mediaset zu Verhandlungen zwischen.

Anderes Abkommen als gedacht

"Fininvest und Mediaset haben uns verklagt, weil wir den Vertrag für die Premium-Übernahme gebrochen haben. Wir haben uns aber zurückgezogen, weil wir ein Abkommen unterzeichnet haben, das ganz anders ist, als was wir gedacht hatten. Wir haben uns um ein alternatives Angebot bemüht, wir sind öffentlich beleidigt worden. Wir sind keine Masochisten, wir haben reagiert, um den Stillstand zu überwinden. Mit 20 Prozent sind wir die zweitstärksten Aktionäre Mediasets und in der Lage, ein gutes Resultat für Premium zu erreichen", berichtete Vivendis CEO de Puyfontaine, im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Samstag. Er dementierte dabei, dass er eine "feindliche Übernahme" Mediasets lanciert habe.

Die italienische Regierung beobachtet das Duell zwischen Mediaset und Vivendi gespannt. Italiens stärkste private TV-Gruppe sei für Italien von strategischer Bedeutung, betonte Industrieminister Carlo Calenda. (APA, 18.12.2016)

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