St. Pölten gibt den Derby-Sieg aus der Hand

17. Dezember 2016, 20:38
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Aufsteiger führt im Niederösterreich-Derby schon mit 2:0, muss sich schließlich mit einem 2:2-Remis begnügen

St. Pölten – Bundesliga, 20. Runde: Niederösterreich-Derby, eh erst zum dritten Mal in diesem Herbst. Und siehe da, der Aufsteiger SKN St. Pölten hat gegen Admira Wacker, den Gast, eine geradezu brillante Bilanz vorzuweisen. Einen Sieg und zwei Remis gab es bisher für das Team von Interims-Coach Jochen Fallmann, dessen Installierung in Permanenz in naher Zukunft bekannt gegeben werden dürfte.

Für den SKN ist grundsätzlich jede Partie in Österreichs Ballesterer-Beletage eine schwere Aufgabe, die letzte des Jahres war es umso mehr, denn Fallmann fehlte aus diversen Gründen eine halbe Elf: Huber und Ambichl waren gesperrt, Hartl, Grasegger und Holzmann verletzt, Pirvulescu und Perchtold erkrankt. Ahmet Muhamedbegovic verdankte diesem Umstand sein Debüt in der Innenverteidigung.

Die Spieler, alle 22, waren an diesem Abend Glückspilze. Sie durften, ja mussten sich sogar bewegen. Für das Fähnlein auf den Rängen, 1.570 Menschen stark, blieb in einem Stadion namens Kühlschrank das Darben im Frost. Ein erster mittelprächtiger Hitzeschauer fuhr nach sechs Minuten herab, als der auf der linken Seite gut in Szene gesetzte David Stec Daniel Segovia einen sehr manierlichen Stanglpass vorsetzte, der Spanier jedoch aus wenigen Metern das Goal nicht fand.

Wie gewonnen...

Danach plätscherte der Spielfluss Richtung Erstarrung, Ereignislosigkeit begann sich breit zu machen. Vorteile für eine, Nachteile für die andere Seite waren bestenfalls mit der Lupe auszumachen, mochte die Admira auch einen Hauch gepflegter erscheinen. Brennheiß durchwehte es den Anhang der Heimischen dann nach einer Viertelstunde, denn sein Team war in Führung gegangen. Admira-Tormann Andreas Leitners nicht unbedingt schulmäßiger Abschlag hatte Lukas Thürauer gefunden, St. Pöltens Zehner mit der Nummer 13. Dieser umdribbelte gleich mehrfach den unglücklichen Markus Lackner und vollendete in seinem 100. Bundesligaspiel zum 1:0 (15.).

Hernach waren die Südstädter in gewisser Weise am Drücker, wenn auch in völlig harmloser Ausprägung. Als dem SKN der nächste Konter unterlief, war bereits eine halbe Stunde um. Wenig später stand es plötzlich 2:0. Andreas Dober hatte aus halbrechter Position einen Weitschuss vom Stapel gelassen, Markus Wostry streckte dem Ball im Strafraum den Arm entgegen und Referee Dominik Ouschan zögerte kaum eine Sekunde: Elfmeter. Segovia, der sich zur Abwechslung einmal nicht mit einem Kollegen um den Ball zu streiten brauchte, verwandelte sicher (32.).

Dass Dober auch in dieser Jahreszeit ohne weiteres die Betriebstemperatur halten kann, zeigte er wenige Minuten später. Wegen unnötiger Grobheit in einem Zweikampf mit Dominik Starkl holte sich der grimmige Rechtsverteidiger Gelb und gab danach auch noch den profunden Rohrspatz (34.). Noch deutlich schlimmer war, dass kurz darauf die Abseitsfalle des SKN in einer Fehlfunktion erstarrte: Christoph Monschein hatte folglich mehr Zeit als nötig, um Keeper Thomas Vollnhofer mit einem Schuss ins lange Eck keine Chance zu lassen – 1:2 (37.). Besagter Dober machte sich noch mit einem so scharf wie zentral ausgefallenem Freistoß bemerkbar (43.), dann war Pause.

...so zerronnen

Nach deren glücklichem Verstreichen hielt die Zerfahrenheit der ersten 45 Minuten tendenziell an. Neben Fehlerhaftigkeit hüben wie drüben, machten auch viele Fouls einen ästhetisch ansprechenden Spielfluss zunichte.

Eine Stunde war vorüber, als die Admiraner vehement und nicht unberechtigt auch für sich Strafstoß forderten. Starkl war von Muhamedbegovic zu Boden gebracht worden, der Ball dürfte bei seinem Tackling nicht unbedingt im Spiel gewesen sein. Ouschan jedoch reagierte allein mit einer Verwarnung für den reklamierenden Stephan Zwierschitz. Gleich darauf kanonierte der eingewechselte Srdan Spiridonovic vom Fünfer ins Firmament. Er erschütterte das Konzept der St. Pöltner nachhaltig: ein ums andere Mal tigerte der 23-Jährige ungehindert die linke Flanke herunter.

Der SKN kämpfte zwar, wurde dabei aber immer erratischer. Die Abwehr wirkte in keiner Weise mehr sicher, immer deutlicher neigte sich die Waage zugunsten der Admira. Nach mehreren nicht genützten Möglichkeiten, fiel der überfällige Ausgleich schließlich doch. Immer weiter war St. Pölten zurückgedrängt worden, ehe Vollnhofer einen Schuss aus kurzer Distanz nicht festhalten konnte und Monschein aus kurzer Distanz finalisierte (86.).

Die Konsequenzen schmecken für den Aufsteiger bitter: Statt auf Platz acht zu überwintern, mit Admira und dem WAC nur noch zwei Punkte entfernt, bleibt Blau-Gelb nun doch nur der vorletzte Platz. Dass Christopher Drazan in der Nachspielzeit noch mit Gelb-Rot vom Platz musste, erscheint im Vergleich dazu fast als Fußnote. (Michael Robausch, 17.12. 2016)

Bundesliga (20. Runde):
SKN St. Pölten – FC Admira Wacker Mödling 2:2 (2:1). St. Pölten, NV Arena, 1.570, SR Ouschan.

Torfolge: 1:0 (15.) Thürauer

2:0 (32.) Segovia (Elfmeter)

2:1 (37.) Monschein

2:2 (86.) Monschein

St. Pölten: Vollnhofer – Dober, Petrovic, Muhamedbegovic, Stec – Brandl (67. Drazan), Martic, Mader, Schütz – Segovia (74. Keita), Thürauer

Admira: Leitner – Zwierschitz, Strauss, Wostry, Wessely – Ebner, Lackner, Knasmüllner (92. D. Toth) – Sax (47. Spiridonovic), Monschein, Starkl (64. Bajrami)

Gelb-Rote Karte: Drazan (94./Kritik)

Gelbe Karten: Dober, Thürauer bzw. Wostry, Zwierschitz, Strauss

Stimmen:

Jochen Fallmann (St.-Pölten-Trainer): "Wir haben die ersten 30 Minuten dominiert. Es war ein gutes, rassiges Derby, wir haben ein sehr intensives Spiel gesehen. Bei einem so späten Gegentor war es natürlich eine gefühlte Niederlage, aber auf das ganze Spiel gesehen geht das Unentschieden schon in Ordnung. Ich nehme den Punkt gerne mit in die Winterpause. Ich bin stolz, wie meine Mannschaft aufgetreten ist."

Zur eigenen Zukunft: "Ich bin bereit für die Aufgabe und St. Pöltner durch und durch. Mir fehlt aber das Bekenntnis vom Verein, jetzt ist der Verein am Zug."

Oliver Lederer (Admira-Wacker-Mödling-Trainer): "Es war ein gutes Spiel, ein geiles Derby, wenn man die äußeren Umstände betrachtet. Wir haben uns speziell zweite Hälfte gut präsentiert, alles in allem war es ein gerechtes Unentschieden."

Zur eigenen Zukunft: "Ich habe mich mit meinem Abgang nie beschäftigt, ich bin Admira-Trainer und das auch gerne. Wenn ich weiter Trainer sein darf, werde ich das sein, weil die Admira mein Verein ist."

  • Am Ende freuten sich in der NV-Arena die Admiraner, Monschein (links) hatte kurz vor Schluss ausgeglichen.
    foto: apa/oczeret

    Am Ende freuten sich in der NV-Arena die Admiraner, Monschein (links) hatte kurz vor Schluss ausgeglichen.

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