Heimlich-Handgriff: Wie man Menschen vor dem Ersticken rettet

    17. Dezember 2016, 20:18
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    Arzt Henry Heimlich, Erfinder des Heimlich-Handgriffs ist gestorben – seine Methode rettete zahllose Menschen vor dem Ersticken

    Der Heimlich-Handgriff findet Anwendung, wenn ein Mensch sich verschluckt hat und unmittelbar zu ersticken droht. Dabei legt ein Helfer dem Betroffenen eine geballte Faust in den Oberbauchbereich unterhalb des Brustbeins. Die Faust wird mit der zweiten Hand umfasst und bis zu fünf Mal kräftig nach hinten oben gezogen.

    Die Hoffnung: Der verschluckte Gegenstand löst sich durch den Druck. Tritt keine Besserung ein, sollten Rückenschläge und Heimlich-Griff so lange abgewechselt werden, bis der Rettungsdienst eintrifft. Es wird davor gewarnt, den Heimlich-Handgriff an Gesunden zu üben, da er durchaus Risiken birgt.

    Der Erfinder dieses Handgriffs ist der amerikanische Arzt Henry J. Heimlich, er verstarb 96-jährig in Cincinnati.

    Die auch "Heimlich-Manöver" genannte Methode zur Rettung vor dem Erstickungstod veröffentlichte der Mediziner im Jahr 1974. Dabei wird der Körper des Patienten von hinten umfasst und der Oberbauch ruckartig zusammengedrückt, um einen verschluckten Fremdkörper aus der Luftröhre zu befördern. Mit der Methode konnte seither zahllosen Menschen das Leben gerettet werden.

    Lebensretter mit 96

    Erst im Mai hatte Heimlich mit seinem Handgriff einer Mitbewohnerin des Seniorenheims das Leben gerettet. Er konnte sein Manöver dabei zum zweiten Mal selbst anwenden. Das erste Mal nutzte er nach seinen Angaben seine Erfindung als 80-Jähriger in einem Restaurant.

    "Ich habe einen Hamburger bestellt, und das nächste, woran ich mich erinnern kann, ist, dass ich keine Luft mehr bekam", sagte seine Mitbewohnerin Patty Ris der "New York Times" Ende Mai dieses Jahres. Heimlich schlang seine Arme von hinten um die Frau und drückte ihren Bauchraum zusammen, wodurch das Stück Hamburger aus den Atemwegen entfernt wurde.

    "Ich sah, wie ihr Gesicht erstarrte, ihre Haut dunkel wurde und sie nicht mehr sprechen konnte", sagte Heimlich der Zeitung. "Da wusste ich, dass sie am Ersticken war." Der Mediziner zeigte sich begeistert, dass er sein Manöver im hohen Alter nun selbst noch einmal erfolgreich anwenden konnte: "Als ich es benutzte und es der Frau schnell wieder besser ging, war ich dankbar für all die Menschenleben, die auf diese Weise schon gerettet werden konnten."

    Die operative Rekonstruktion der Speiseröhre, die Heimlich als Chirurg im Jahr 1957 durchführte, wurde zunächst auch unter seinem Namen bekannt, allerdings hatte der rumänische Arzt Dan Gavriliu den gleichen Eingriff bereits 1951 vorgenommen. Das "Heimlichventil", ein Rückschlagventil, das bei der Behandlung des Pneumothorax eingesetzt wird, ist ebenfalls nach ihm benannt.

    Ab den frühen 1980er Jahren trat Heimlich für den Einsatz der auf den österreichischen Arzt und Medizin-Nobelpreisträger Julius Wagner-Jauregg zurückgehende Malariatherapie bei HIV-Patienten und gegen Krebs und Lyme-Borreliose ein. Dieser Ansatz wird in der evidenzbasierten Medizin allgemein als nicht sinnvoll und sogar gefährlich angesehen. (red, 17.12.2016)

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      Henry Heimlich mit seiner Biographie im Jahr 2014.

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      foto: gnu fdl/drk fsa-bochum in kooperation mit prounis
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