Julya Rabinowich: Volle Hosen

16. Dezember 2016, 17:30
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Ausdrucksweisen, die das Niveau beharrlich nach unten schrauben

Sebastian Kurz, seines Zeichens immerhin Außenminister dieses Landes, nannte letztens die Kommunikation internationaler Politiker bezüglich europäischer Grenzangelegenheiten "Gelabere". Diese doch erstaunlich eigenwillige Form der diplomatischen Methodik lässt sich eventuell unter "Provokativtherapie" zusammenfassen oder vielleicht als "paradoxe Intervention" interpretieren. Oder aber unter "Schulhofpausengerede".

Passend dazu gab es verbal eine artverwandte Retourkutsche von Heinz-Christian Strache, Exbürgerkanzler, alternder Manegenstar und immerhin noch Obmann der größten Oppositionspartei, der dem labernden Außenminister ausrichtete: "Mit vollen Hosen ist gut stinken." Was einen Trump in lichte Höhen gehoben hat, muss aber in Österreich nicht funktionieren.

Dem Volk, von dem man annimmt, es würde solche Vorgangsweise nur allzu gut goutieren, schaut man dabei eben nicht aufs Maul. Wie die Wahl zeigt, bevorzugt dieses solcherart eingeschätzte Volk immer noch die gepflegte Konversation und ein Mindestmaß an gegenseitigem Respekt, von Internetrüplern mal abgesehen.

Während des Wahlkampfs wurde übel gerüpelt, nach dem Wahlkampf ist offenbar vor dem Wahlkampf. Und gleichzeitig wird erwartet, dass der neue Präsident (der im unmoderierten Duell mit Norbert "Spionageenttarner" Hofer sich auch schon mal zur Scheibenwischergeste hinreißen ließ, was angesichts der mannigfaltigen Provokationen allzu menschlich war) nun die aufgerissenen Gräben zuschütten soll – während Ausdrucksweisen wie oben genannte das Niveau beharrlich weiter nach unten schrauben.

Europa ist noch lange nicht aus der Krise herausgekommen. Es gibt verdammt viel zu tun. Besser ohne volle Hosen und Gelaber. (Julya Rabinowich, 16.12.2016)

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