Einkommen sollen ab 2017 wieder stagnieren

16. Dezember 2016, 16:13
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Wegen der Steuerreform steigen die realen Nettoeinkommen heuer deutlich. Ab kommendem Jahr droht ein Rückfall

Wien – Österreichs führende Wirtschaftsprognostiker sind optimistisch wie schon lange nicht mehr. Die Wirtschaft behält ihr heuer auf rund 1,5 Prozent beschleunigtes Wachstum auch 2017 und 2018 bei, erwarten das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und das Institut für Höhere Studien (IHS). Zu verdanken sei das steigenden Investitionen und Exporten. Davor war das Wachstum vier Jahre lang kaum über ein Prozent hinausgekommen.

grafik: apa

Weniger Grund zu Optimismus herrscht beim Einkommensniveau. Heuer steigen die realen Nettoeinkommen dank der Effekte der Steuerreform zwar um satte drei Prozent. 2017 und 2018 dürften sie aber stagnieren. Schuld daran ist einerseits die zu erwartende höhere Inflation. Andererseits nagt die kalte Progression an den Einkommen. Diese schleichende Steuererhöhung entsteht, weil die Grenzwerte für die Steuerstufen bei der Lohn- und Einkommenssteuer nicht an die Inflation angepasst werden. Bei Lohn- und Gehaltserhöhungen verdient der Staat deshalb überproportional mit.

Nettolöhne stiegen vor 2016 jahrelang nicht

Nachdem die Entwicklung bei den Nettolöhnen schon in den vergangenen Jahren negativ gewesen ist, bleibt das Jahr 2016 damit ein Ausreißer nach oben.

Das wirkt sich auch auf den privaten Konsum aus. Der Effekt der Steuerreform ist heuer Wachstumstreiber. Wenn er 2017 verpufft, dürfte die Konsumfreude der Menschen wieder sinken. Ebenfalls gedämpft wird sie von der weitverbreiteten Sorge um den Arbeitsplatz. Zwar werden derzeit viele neue Jobs geschaffen, weil aber der Zustrom neuer Arbeitskräfte vor allem aus Osteuropa anhält, die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren steigt und vermehrt Asylberechtigte in den Arbeitsmarkt eintreten, steigt die Arbeitslosigkeit weiter und dürfte 2018 rund 9,5 Prozent erreichen. Vor drei Jahren lag die Quote noch bei 7,6 Prozent.

Ruf nach weiteren Steuererleichterungen

"Die Arbeitslosigkeit ist und bleibt das Problem Nummer Eins", sagt Wifo-Leiter Christoph Badelt. Besondere Sorgen macht ihm die gestiegene Langzeitarbeitslosigkeit. Was empfehlen die Wirtschaftsforscher, um gegenzusteuern und das Wirtschaftswachstum zu stabilisieren? Immer dasselbe, "wie bei einer tibetanischen Gebetsmühle", so Badelt, und meint damit: eine steuerliche Entlastung des Faktors Arbeit, mehr Investitionen des Staates vor allem in Forschung und Bildung sowie verstärkte Bemühungen bei der Integration von Flüchtlingen.

"Wir müssen die Abgabenlast und die öffentliche Verschuldung senken und trotzdem Spielraum für konjunkturwirksame Ausgaben schaffen. Und das geht nur, wenn andere gekürzt werden, die ohne Wirkung versickern", will Badelt ausgabenseitig ansetzen. "Aus konjunktureller Sicht ist das der perfekte Zeitpunkt für Reformen", so IHS-Chef Martin Kocher. In einer Phase mit stabilem Wachstum würden Reformdebatten weniger Unsicherheit schüren als bei trüber Konjunktur. (Simon Moser, 16.12.2016)

  • Spürbar mehr Verdienst für geleistete Arbeit gab es nur heuer. Ab 2017 sollen Löhne und Gehälter wieder stagnieren.
    foto: apa/dpa-zentralbild/jens wolf

    Spürbar mehr Verdienst für geleistete Arbeit gab es nur heuer. Ab 2017 sollen Löhne und Gehälter wieder stagnieren.

  • Wifo-Chef Christoph Badelt (links) und IHS-Leiter Martin Kocher wollen weitere steuerliche Entlastungen für Arbeitseinkommen.
    foto: apa/helmut fohringer

    Wifo-Chef Christoph Badelt (links) und IHS-Leiter Martin Kocher wollen weitere steuerliche Entlastungen für Arbeitseinkommen.

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