Altach bleibt Altach bleibt Altach

17. Dezember 2016, 11:44
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Der SCR Altach empfängt am Sonntag Rapid samt Damir Canadi. Die Vorarlberger sind Tabellenführer, Sportvorstand Georg Zellhofer frohlockt kaum, der Meistertitel ist nicht einmal Utopie. "Wir müssen uns erst etablieren "

Altach/Wien – Georg Zellhofer beruhigt die Konkurrenz. Der Sportvorstand von Altach ist nämlich felsenfest davon überzeugt, "dass Österreichs Fußballmeister nicht Altach heißen wird. Darüber lache ich nicht einmal." Die Tabellenführung nach 19 Runden sei maximal eine Momentaufnahme. Wobei der 56-Jährige zugibt: "Wir haben schon sehr viele gute Momente gehabt. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob wir als Erster überwintern oder nicht. Weihnachten findet auf jeden Fall statt."

Am Sonntag (16:30 Uhr, live auf derStandard.at) kommt noch Rapid auf Besuch, Trainer Damir Canadi kehrt also an seine alte Wirkungsstätte zurück. Zellhofer wird ihn freundlich empfangen, es sind keine Pfiffe von den Rängen zu erwarten. "Logisch, dass er das Angebot von Rapid angenommen hat. Es ist der nächste Schritt für ihn." Der Druck liege selbstverständlich bei Rapid, die haben zwölf Zähler Rückstand. "Net bös sein, aber sie müssen gewinnen, nicht wir. "

Altach ist und bleibt für Zellhofer ein Verein der begrenzten Möglichkeiten. Das Budget beträgt rund 6,5 Millionen Euro. Nach dem Aufstieg 2014 wurden die Vorarlberger sensationell Dritte, in der Vorsaison raufte man lange gegen den Abstieg. Am Ende, also nach 36 Partien, hatte man 40 Punkte und belegte den glanzlosen achten Platz. "Jetzt halten wir bei 39 Zählern. Hätte das einer vor Beginn gesagt, hätte ich ihm einen Aufenthalt in der Anstalt bezahlt." Es gehe nach wie vor ausschließlich darum, sich zu etablieren, in der Kleinheit und Lieblichkeit eine verlässliche Größe in der Liga zu werden. Zellhofer, seit Jänner 2013 im Amt, lehnt es ab, von einer Philosophie zu schwafeln. "Da bekomme ich Bauchweh, das ist viel zu hoch gegriffen. Fußball ist ein Tagesgeschäft." Und Altach ist jeden Tag Altach.

Erster Teamspieler

Natürlich sei einiges passiert, es konnten Fortschritte erzielt werden. Tormann Andreas Lukse wurde zum Beispiel als erster Spieler der Vereinsgeschichte ins Nationalteam einberufen, er hat beim 0:0 gegen die Slowakei geglänzt. "Davor hat man hier nicht einmal gewusst, wie man Teamspieler buchstabiert." An der Cashpoint Arena wurde gezimmert, "aber es gibt Tribünen ohne Dach und der Kabinentrakt ist kein Highlight." In Vorarlberg wird bekanntlich jeder Cent dreimal umgedreht, Zellhofer denkt halblaut über ein neues Stadion nach, das rund 10.000 Zuschauer fasst. "Damit wir für den Europacup nicht nach Innsbruck müssen. Sofern wir in den Europacup kommen. Es liegt an der Politik, ob sie das Projekt ermöglicht. Wir selbst würden das nie stemmen."

Altach ist am Limit. 300 Kinder und Jugendliche vergnügen sich in den Nachwuchsteams, 36 Trainer sind beschäftigt. "Mittlerweile ist Ausbildungsverein ein Modewort. Wir sind wirklich einer." Canadi habe natürlich einen Anteil am Aufschwung gehabt. "Es ist ein Gebilde entstanden, das nicht gleich zusammenstürzt. Aber so kompliziert war es nicht. Man hat hier Ruhe, keinen öffentlichen Druck, Altach ist ein bisserl eine geschützte Werkstatt. Im Gegensatz zu Rapid."

Zellhofer steckt in der Trainersuche, Interimscoach Werner Grabherr hat keine Lizenz, er tritt ins zweite Glied zurück, kümmert sich zusätzlich ums Marketing. Der neue Canadi "muss einfach zu Altach passen, junge Spieler entwickeln". Der Sportvorstand geht davon aus, "dass die Kluft auch im österreichischen Fußball größer wird." Red Bull Salzburg und Rapid aufgrund der nun perfekten Infrastruktur "sind in einer anderen Liga. Auch wenn es die Tabelle derzeit nicht ausdrückt." Der Reform, der Aufstockung des Oberhauses ab 2018/19 auf zwölf Vereine und einer halbprofessionellen Liga mit 16 Klubs, steht Zellhofer positiv gegenüber. "Das Land kann sich keine 20 Profiklubs leisten. Es ist ein Versuch, den man nicht totreden soll."

Für Altach geht es aktuell um die Verlängerung der Momentaufnahmen. Gegen Rapid wird das Stadion endlich voll sein, der Schnitt könnte höher sein. Zum WAC sind kaum 4000 Fans erschienen. Zellhofer relativiert seine Unzufriedenheit. "Wenn sich bei Austria gegen Salzburg 4800 Leute ins Happel-Stadion verirren, sind wir nicht so schlecht dran." Altach hat mitunter Tore in der Nachspielzeit erzielt. Zellhofer möchte das nicht überinterpretieren. "Man kann von Moral oder auch von Zufall sprechen." Mit einem Remis gegen Rapid wäre er zufrieden. "Net bös, sein, wir sind Altach, müssen uns etablieren." (Christian Hackl, 16.12. 2016)

Mögliche Aufstellungen;

SCR Altach – Rapid Wien (Altach, Cashpoint-Arena, Sonntag, 16.30 Uhr/live ORF eins und Sky, SR Muckenhammer). Bisherige Saisonergebnisse: 1:0 (h), 1:1 (a)

Altach: Lukse – Zech, Netzer, Galvao – Jäger – Lienhart, Ngwat-Mahop, Prokopic, Schreiner – Ngamaleu, Oberlin

Ersatz: Kobras – Müller, Harrer, Sakic, Luxbacher, Zivotic, Salomon

Es fehlen: Zwischenbrugger, Aigner (beide im Aufbautraining), Ortiz (private Gründe)

Rapid: Strebinger – M. Hofmann, Sonnleitner/Dibon, Wöber – Dibon/Grahovac – Thurnwald, Szanto, Schaub, Schrammel – Joelinton, Kvilitaia/Tomi

Ersatz: Knoflach/Gartler – Auer, Malicsek, S. Hofmann, Murg, Jelic

Es fehlen: Schwab (Knöchelbruch), Pavelic (Muskelfasereinriss im Oberschenkel), Schobesberger (Knochenmarksödem im Knie), Novota (Schulterprobleme), Schößwendter (Muskelfasereinriss im Oberschenkel), Mocinic (gesperrt), Traustason (Rippenverletzung)

Fraglich: Sonnleitner (Oberschenkelprobleme), Kvilitaia (Knieprobleme)

  • Altach ist ein Gebilde, das nicht gleich wieder zusammenbricht. Der Jubel ist zu einer fast schon traditionellen Momentaufnahme geworden.
    foto: apa/epa/stiplovsek

    Altach ist ein Gebilde, das nicht gleich wieder zusammenbricht. Der Jubel ist zu einer fast schon traditionellen Momentaufnahme geworden.

  • Georg Zellhofer will Altach auf Dauer etablieren.
    foto: apa/gindl

    Georg Zellhofer will Altach auf Dauer etablieren.

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