Grüne wollen mit neuem Frontmann weiterwachsen

16. Dezember 2016, 13:16
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Bundesgeschäftsführer Luschnik, maßgeblich an der Kampagne des baldigen Bundespräsidenten beteiligt, soll den Grünen zu weiteren Triumphen verhelfen

Wien – Hier stehen keine kantigen Stammtische herum, an denen Wutbürger ihrem Frust über die lausige Politik Luft machen, sondern wiederverwertete Sofas vom Flohmarkt, in denen sich hippe Freiberufler miteinander vernetzen: Im Wiener Hub, mitten im Bobo-Bezirk Neubau, präsentiert die grüne Chefin Eva Glawischnig, seit Tagen im Clinch mit Peter Pilz, Aufdecker der Partei und Fürsprecher eines Linkskurses mit scharfen Ecken und Kanten, Freitagmittag vor schicken Sichtbetonwänden ihren neuen Bundesgeschäftsführer.

Robert Luschnik, 49, bisher Klubdirektor im Parlament, nun Nachfolger von Stefan Wallner, wurde soeben vom 28-köpfigen erweiterten Bundesvorstand der Grünen einstimmig und ohne jede Enthaltung gewählt.

Glawischnig spricht von einem "berauschenden Ergebnis" – ohne zu erwähnen, dass Luschnik der einzige Kandidat für den vakanten Posten war. Und sie erklärt, wie die Partei jetzt, nachdem es ihr Vorgänger in die Hofburg geschafft hat ("ohne jede Hetze!"), weiterwachsen will: mit Fokussierung auf die junge Wählerschaft samt klarer Europaorientierung, dem Kampf gegen den Klimawandel und die auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich – sowie der Garantie, als "einzige Partei" einen Pakt mit der FPÖ "zu hundert Prozent" auszuschließen.

Lebensqualität statt Skandale

Luschnik, an der Kampagne für den designierten Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen maßgeblich beteiligt, erklärt in seiner neuen Funktion, dass man die anstehenden Wahlen weiterhin mit dem Eintreten für Werte wie Menschenrechte, Toleranz, Offenheit, Solidarität gewinnen könne – und viele Menschen seien auch bereit, sich dafür und gegen eine Machtübernahme der Blauen auch im Kanzleramt und im Parlament zu engagieren.

Dazu gelte es auch, den Wählern zu zeigen, dass es überall, wo Grün mitregiert, Verbesserungen der Lebensqualität gibt (siehe Öffis, Kindergärten, Sozialleistungen), während die Freiheitlichen nur Skandale wie das Hypo-Desaster, die Buwog-Affäre, den Eurofighter-Deal hinterlassen würden.

Wie er es mit dem von Pilz geforderten Linkspopulismus halte? Hier weicht der neue Bundesgeschäftsführer gekonnt aus – und verweist lieber auf die ebenfalls einstimmigen Beschlüsse der Partei, was ihre strategische Ausrichtung betrifft. (Nina Weißensteiner, 16.12.2016)

  • Der neue Bundesgeschäftsführer Robert Luschnik bekam von den oft unberechenbaren Grünen hundert Prozent Zustimmung.
    foto: apa/herbert neubauer

    Der neue Bundesgeschäftsführer Robert Luschnik bekam von den oft unberechenbaren Grünen hundert Prozent Zustimmung.

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