Flüchtlinge sollen für Facebook in Berlin Terrorvideos löschen

16. Dezember 2016, 12:07
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Bericht des "SZ-Magazins" über Firmenpraktiken bei Facebooks Dienstnehmer für Löschungen sorgt für Aufregung

Endlich wird Facebook gegen Hasspostings aktiv: So lasen sich die meisten Reaktionen auf Facebooks Ankündigung, künftig auch in Berlin gegen Hass und Gewalt in dem sozialen Netzwerk aktiv zu sein. Beauftragt wurde dafür die Firma Arvato, ein Tochterunternehmen von Bertelsmann, das beispielsweise Social Media Monitoring für Firmen anbietet. Das "Magazin" der "Süddeutschen Zeitung" hat nun recherchiert, unter welchen Zuständen Mitarbeiter von Arvato für Facebook arbeiten müssen – und sorgt mit seinen Enthüllungen für große Aufregung.

Mitarbeiter "alleingelassen"

So soll es in Berlin auch ein Arabisch sprechendes Team geben, in dem Flüchtlinge mitarbeiten. Sie sind laut "SZ-Magazin" "dem Krieg in Syrien entkommen", um nun "in Deutschland in Schichtarbeit Enthauptungsvideos und Terrorpropaganda sichten zu müssen". Insgesamt seien die Arbeitsbedingungen miserabel. Mitarbeiter würden mit ihren Erlebnissen alleingelassen. Eine Angestellte berichtet, sie könne nicht mehr Sex haben, seit sie beim Löschvorgang auf Facebook auf Kinderpornografie gestoßen sei. Es gebe keine psychologische Betreuung, das Arbeitspensum liege gleichzeitig bei 2.000 Beiträgen.

Internes Regelwerk

Höher gestellte Mitarbeiter, die Videos überprüfen, haben für diese Entscheidung "etwa acht Sekunden" Zeit. Das Gehalt der meisten Mitarbeiter soll nur knapp über dem Mindestlohn liegen. Das "SZ-Magazin" hat auch Zugang zu dem internen Regelwerk erlangt, an dem sich Löschentscheidungen orientieren sollen. Verboten ist es beispielsweise, Migranten als "Dreck" zu bezeichnen, solange dieser Vergleich "als Substantiv erfolgt". Erlaubt ist hingegen die Bezeichnung "dreckige Diebe".

Facebook wurde für seinen Umgang mit Hasspostings in den vergangenen Monaten heftig kritisiert. Auch in den vergangenen Tagen äußerten sich Politiker wie der deutsche Justizminister Heiko Maas und die österreichische Staatssekretärin Muna Duzdar sehr kritisch zu den Löschpraktiken des sozialen Netzwerks. (red, 16.12.2016)

  • Facebook steht wegen seiner Löschpraktiken unter heftiger Kritik.
    foto: apa/afp/tallis

    Facebook steht wegen seiner Löschpraktiken unter heftiger Kritik.

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