Japan löst China als größten Gläubiger der USA ab

16. Dezember 2016, 12:05
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China verkauft Familiensilber, um sich gegen die Kapitalflucht und die Abwertung des Yuan zu stemmen

New York – Japan hat China als größten Auslandsgläubiger der USA abgelöst. Wie aus Daten des US-Finanzministeriums von Donnerstagabend hervorgeht, hielt Japan per Ende Oktober US-Staatsanleihen im Wert von 1,13 Billionen Dollar. Das waren 16 Milliarden mehr, als China in US-Schuldpapieren geparkt hat. Insgesamt beträgt die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten 19,8 Billionen Dollar.

China, das im September 2008 zum Land mit dem höchsten Bestand an US-Staatsanleihen geworden war, will durch die Auflösung seiner Reserven der Kapitalflucht aus dem Land entgegenwirken und die Verluste der Landeswährung Yuan gegenüber dem Dollar bremsen. Mit mäßigem Erfolg: Obwohl China im bisherigen Jahresverlauf den Bestand an US-Schuldpapieren um mehr als zehn Prozent reduziert hat, verlor der Yuan seit Jahresbeginn sieben Prozent an Wert verglichen mit dem Greenback.

Trump beschleunigte Entwicklung

Seit der Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten hat sich diese Entwicklung ebenso weiter beschleunigt wie der Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen, der durch deren Verkäufe ausgelöst wird. Wenn es nach Eswar Prasad, Professor an der Cornell University und früherer Direktor des Internationalen Währungsfonds für China, geht, wird sich diese Entwicklung fortsetzen: "Dieses Muster wird sich in näherer Zukunft wahrscheinlich nicht umkehren", wird er von der "Financial Times" zitiert. Er begründet das damit, dass sich die Wirtschaft und die Geldpolitik beider Länder auseinanderentwickeln würden. "Die Zeit, in der China durch Käufe von Staatsanleihen das US-Budget und das Leistungsbilanzdefizit reichlich und günstig finanziert hat, dürfte sich dem Ende zuneigen", folgert der Ökonom.

Insgesamt haben im Oktober neun der zehn größten US-Auslandsgläubiger ihre Bestände reduziert. Einzig Irland, mit Respektabstand auf Rang drei, erhöhte wie schon im ganzen Jahresverlauf seine Bestände an US-Schuldpapieren. Deutschland verfügte im Oktober über 93,5 Milliarden Dollar an amerikanischen Staatspapieren, Österreich bloß über 5,2 Milliarden Dollar. (Alexander Hahn, 16.12.2016)

  • Erstmals seit acht Jahren ist Japan wieder jener Staat, der am meisten Dollar in US-Staatsanleihen investiert hat.
    foto: apa/afp/karen bleier

    Erstmals seit acht Jahren ist Japan wieder jener Staat, der am meisten Dollar in US-Staatsanleihen investiert hat.

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