Wenn der Verteidigungsminister Kinder einkleidet

16. Dezember 2016, 12:55
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Doskozil besucht Schule in Jordanien

Amman – Dass Lola Nashashibi Grace Kinder mag, sieht man der Amerikanerin mit palästinensischen Wurzeln an. Mit sanftem Blick und Begeisterung in der Stimme erzählt sie von ihrem Middle East Children's Institute (Meci), das in Partnerschaft mit Unicef 7.000 Kindern in Jordanien den Schulbesuch ermöglicht. In der Schule, durch die sie am Mittwoch den österreichischen Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil führte, sitzen einige der kleinsten dieser Kinder.

Sie werden gerade eingeschult, an der Schule in Amman bekommen sie erstmals im Leben Schulunterricht. Für manche der kleinen Kinder ist der Unterricht altersadäquat, einige wirken etwas älter. Sie haben das Einschulungsalter versäumt, denn sie haben ihre Kindheit in Syrien verbracht – und konnten dort nicht zur Schule gehen. Bildung, sagt Frau Grace, sei das Wichtigste, was man diesen Kindern zukommen lassen könne: "Bildung gibt Zukunft. Bildung bewahrt vor Kinderehe. Bildung bewahrt vor Kinderarbeit. Bildung bewahrt vor Radikalisierung."

Tatsächlich sind der Meci-Organisatorin Kinder im Alter von neun Jahren untergekommen, die von ihren Eltern bereits verlobt worden sind. Und sie erzählt von der Armut, in der diese Kinder leben – in einer eigentlich prekären Situation: Denn Jordanien hat zwar 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen – aber ein dauerhafter Aufenthalt ist fraglich, weil Jordanien seit Jahrzehnten Flüchtlinge aus der Region aufnimmt und die eigene Gesellschaft nicht noch größeren sozialen Verwerfungen aussetzen will.

Grenze dicht

Die Grenze zu Syrien ist inzwischen dichtgemacht, 50.000 Soldaten sollen sie sichern. Und durchgelassen wird nur noch, wer akut Hilfe braucht. Doskozil hat Termine mit dem jordanischen Generalstabschef und dem jordanischen Premierminister Hani al-Mulki absolviert, um sich über die Lage zu informieren. Den Nachmittag verbringt er in der Schule – in einer von 23 Schulen, die Meci in bestehenden Schulgebäuden betreibt, die vormittags von jordanischen Schülerinnen und Schülern besucht werden.

Zum Nachmittagsunterricht werden die Flüchtlingskinder aus der Umgebung, für die im regulären Schulsystem kein Platz ist, zusammengesucht. Grace erklärt, dass dazu eine Art Schulbussystem nach amerikanischem Vorbild aufgezogen wurde – denn die Mehrzahl der Flüchtlingskinder lebt weit verstreut im Stadtgebiet von Amman bei irgendwelchen Verwandten, die es aus Syrien herausgeschafft haben.

Und sie leben in bitterer Armut. Wenn Doskozil einen Fußball als Mitbringsel für die Burschen überreicht und im Klassenzimmer eine Probe seiner Ballbeherrschung (er ist ja auch Sportminister) gibt, da leuchten die Augen der Kinder, die nicht einmal einen Ball besitzen. Oder, noch wichtiger im Winter: warme Kleidung.

Mehrere Tonnen Kleidung

Doskozil ist mit einer Hercules C-130 angereist, einem Transportflugzeug, das mehrere Tonnen Kleidung mitnehmen kann, die von Arbeitersamariterbund und Volkshilfe in Österreich gesammelt wurden. Insgesamt sind es zehn Tonnen Kindergewand, ausreichend für 5.000 Kinder, die da eingeflogen worden sind.

"Man sieht ja, dass das Kinder sind, die wenig zu lachen haben", sagt der Minister, nachdem er einigen Buben einen Pullover übergezogen und Mädchen – diesen sollte man als Mann aus kulturellen Gründen nicht zu nahe kommen – Überkleidung überreicht hat. Warum er sich das antut? "Wir haben als Bundesheer eine Tradition der humanitären Hilfe" – und man dürfe nicht immer nur davon reden, dass man Flüchtlingen bevorzugt in der Herkunftsregion helfen soll. Man müsse das auch tun. (Conrad Seidl, 16.12.2016)

  • Lola Nashashibi Grace fotografiert die Übergabe von Kleidung durch Verteidigungs- und Sportminister Doskozil.
    foto: conrad seidl

    Lola Nashashibi Grace fotografiert die Übergabe von Kleidung durch Verteidigungs- und Sportminister Doskozil.

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