Kekse: Nutten der Fettindustrie und Kleingebäck des Teufels

Kolumne16. Dezember 2016, 12:28
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Eine Schmähung des Kleingebäcks

Apage, Anisbogen! Fuck off, Florentiner! Vanillekipferl, geh sterben! Wie alle Jahre führt der Krisenkolumnist auch heuer seinen erfolglosen Feldzug gegen das massenhafte Auftauchen jener Objekte, welche unter dem Gattungsbegriff "Keks" ihr irritierendes saisonales Unwesen treiben.

Sie nennen sich "Keks", wo sie doch in Wahrheit "ekle Wampenfabrikanten", "Nutten der Fettindustrie"oder "adernverklebende Hurensöhne" heißen sollten. Denn: Kekse sind das Resultat der bösen Kunst, die größtmögliche Anzahl von Kalorien auf dem kleinstmöglichen Raum unterzubringen.

Albtraum für Ärzte

Man übt diese Kunst aus, indem man Fett und Zucker so fies kombiniert, dass sie gemeinsam die Sicherungsmechanismen aller Stoffwechselbahnen ausbooten. Ein gutes Kokosbusserl zeichnet sich dadurch aus, dass es zehn Minuten nach dem Verzehr als Eins-zu-eins-Ausbuchtung aus dem Bauch hervortritt. Für Ärzte sind Kekse ein Albtraum. Wollen Sie einem Internisten den Schweiß auf die Stirn treiben, dann sagen Sie "Keks" (oder auch "Praline") zu ihm.

Kekse sind hinterfotzig, weil sie mit Reizen locken, welche die Einsicht, dass das Kleingebäck des Teufels ist, blitzartig unterlaufen. Die Lockangebote wenden sich an alle Sinne: Wer der taktilen Lockung des lasziv geschwungenen Vanillekipferls nicht erliegt, wird bei der olfaktorischen Versuchung durch das Kokosbusserl schwach.

Treuherziger Blick des Linzer Auges

Wer es schafft, dem gustatorischen Ruf der Rumkugel zu widersagen, zieht den Kürzeren, wenn ihn das Linzer Auge treuherzig anblickt. Der einzige Sinn, den die kleinen Fettbrocken unbearbeitet lassen, ist der Gehörsinn. Zum Glück. Singende Kekse, die Gabalier-Hits darbieten, hätten uns noch gefehlt.

Hier drei Rezepte für weniger populäre Keksarten, welche die Esslust eindämmen helfen:

  • Kehrichtkrapferln 50 dkg frischen Kehricht mit vier Eidottern vermengen und zu Krapferln backen. Vor dem Servieren großzügig mit Lurch bestäuben.
  • Saure Sterne Yakbutter, saure Heringe und Marzipan zu gleichen Teilen vermengen, zu einem mürben Teig kneten und kleine Sterne daraus ausstechen. In reichlich Gänsefett herausbacken.
  • Pansenbusserln Einen gut abgehangenen Pansen faschieren und mit zwei Dutzend Eiklar und einem halben Kilo Staubzucker zu Busserln formen. Eine kandierte Kirsche auf jedem Busserl macht den Genuss perfekt. (Christoph Winder, Album, 16.12.2016)
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