Ludwigshafen: Bub deponierte Sprengsatz nahe Weihnachtsmarkt

16. Dezember 2016, 14:24
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Ermittler vermuten Anstiftung durch IS-Mitglied

Ludwigshafen – Eineinhalb Wochen nach dem Fund einer Nagelbombe in Ludwigshafen steht ein zwölf Jahre alter Bub unter Verdacht, einen Anschlag geplant zu haben. Die deutsche Bundesanwaltschaft bestätigte am Freitag Ermittlungen wegen des Bombenfundes, machte aber zunächst keine näheren Angaben.

Das Magazin "Focus" berichtete, nach Erkenntnissen der Ermittler sei der Jugendliche stark religiös radikalisiert und könnte von einem unbekannten Mitglied der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angestiftet oder angeleitet worden sein.

Über Messengerdienst angeleitet

Der Bub habe im Sommer 2016 mit dem Gedanken gespielt, nach Syrien auszureisen, um sich dort dem IS anzuschließen. Auch der Südwestrundfunk berichtete, die Spur führe in Richtung IS. Der Bub sei über den Messengerdienst Telegram angeleitet worden.

Der strafunmündige Zwölfjährige soll laut "Focus" am 26. November versucht haben, den Sprengsatz auf dem Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen zu zünden. Das Magazin beruft sich auf Angaben der Justiz- und Sicherheitsbehörden. Der Sprengsatz habe aber nicht gezündet.

Am 5. Dezember habe der Bub den in einem Rucksack versteckten Sprengsatz – ein mit Sprengpulver gefülltes Konservenglas – dann in einem Gebüsch nahe dem Rathaus deponiert. Von außen sei der Behälter mit Klebeband umwickelt und mit Nägeln präpariert gewesen. Zu dem geplanten Attentat habe es einen "Hinweisgeber" gegeben, so dass der Rucksack entdeckt wurde, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Hubert Ströber.

In Deutschland geboren

Die genauen Hintergründe der Tat und die Gefährlichkeit des verwendeten Materials waren zunächst unklar. Der Zwölfjährige wurde in Ludwigshafen geboren und wohnte dort auch während der Vorfälle. Wegen des Umfeldes des Kindes habe er die Bundesanwaltschaft informiert, auch das Jugendamt sei eingeschaltet, sagte Ströber.

Angaben des "Focus", wonach Spezialisten nach der Entdeckung eines mit Pulver gefüllten Konservenglases am 5. Dezember einen Teil der "hochbrisanten Mischung" gesprengt hätten, bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt nicht. "Die Polizei hat aus diesem Glas Substanz entnommen und entzündet. Und sie war brennfähig", sagte Ströber. Es gehe aber nicht aus den Akten hervor, wie sich das Pulvergemisch verhalten hätte, wenn es im Glas entzündet worden wäre.

Bub in geschützter Einrichtung

Die Staatsanwaltschaft selbst sehe von Ermittlungen gegen das strafunmündige Kind ab, das sowohl die deutsche als auch die irakische Staatsbürgerschaft habe, sagte Ströber. Der Zwölfjährige befindet sich nach Angaben der Stadt Ludwigshafen in einer geschützten Einrichtung.

Regierung zeigt sich "alarmiert"

Die deutsche Regierung zeigte sich alarmiert. "Das ist natürlich eine Meldung, die jeden aufschrecken lässt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Weiter wolle er sich zu dem Fall nicht äußern. Er sagte: "Ich halte es für das Richtige, den Generalbundesanwalt ermitteln zu lassen."

Ein Sprecher des Justizministeriums sagte, nur weil jemand nicht strafmündig sei, bedeute dies noch lange nicht, "dass keine Strafbarkeit vorliegt".

Bereits nach dem Fund am 5. Dezember hatte die Polizei mitgeteilt, ein Zwölfjähriger stehe im Verdacht, das Glas in der Nähe des Rathaus-Centers abgelegt zu haben. Das Center ist ein 1979 eröffnetes Hochhaus, in dem das Rathaus und ein Einkaufszentrum untergebracht sind. Wegen der Tasche waren damals der Bereich rund um das Center sowie eine Bundesstraße zeitweise gesperrt worden.

Experten des Landeskriminalamtes fanden heraus, dass das Material, das sich in dem Glas befand, aus Feuerwerkskörpern und Wunderkerzen gewonnen wurde. Nach damaligen Polizeiangaben war es zwar brennbar, konnte aber nicht explodieren. Der "Focus" schreibt nun von einem Rucksack mit einer selbst gebauten Zündvorrichtung.

Weihnachtsmärkte waren schon zuvor potenzielle Anschlagsziele: Im Dezember 2000 fasste die Frankfurter Polizei mehrere Islamisten, die mit einer Kochtopf-Bombe möglichst viele "Ungläubige" auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt töten wollten.

Die Mitglieder der in zwei Frankfurter Wohnungen ausgehobenen Terrorzelle wurden in Frankfurt und in Paris zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt. Für den Anschlag sollte ein mit Sprengstoff gefüllter Dampfkochtopf eingesetzt werden. Eine Katastrophe sei "in letzter Minute" abgewendet worden", hieß es damals aus Kreisen der Ermittler. (APA, 16.12.2016)

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