Bücher schenken: Tipps von STANDARD-Redakteurinnen und -Redakteuren

19. Dezember 2016, 09:00
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Freudig, spannend, heiter: Literaturempfehlungen

Mia Eidlhuber

Was Lesefreude schafft

Die Welt im Rücken (Rowohlt Berlin, € 20) ist das Buch des Jahres. Thomas Melle hat ein furioses, schonungsloses Buch über seine manisch-depressive Erkrankung geschrieben. Bald als Burgtheater-Inszenierung.

Was für Spannung sorgt

Mit ihrem opulenten 500-Seiten-Wälzer Die Unglückseligen (Knaus, € 24) hat die deutsche und philosophie-affine Autorin Thea Dorn den unsterblichen Faust-Stoff gekonnt und kühn in die Gegenwart gehievt.

Was heiter stimmt

Die Werkschau Drei Farben Braun (Schwarzkopf & Schwarzkopf, € 50 ) des Irrsinnskollektivs Studio Braun ist das Buch zur Tour der genialen Herren Rocko Schamoni, Jacques Palminger und Heinz Strunk.


Alexandra Föderl-Schmid

Was Lesefreude schafft

Als Sachbuchautor ist der Historiker Philipp Blom bekannt, aber er kann auch Romane schreiben. Bei Sturm am Meer (Zsolnay-Verlag, € 20,60) zeugt davon. Historisches spielt dabei auch eine große Rolle, spannend erzählt.

Was für Spannung sorgt

Wie gehen wir mit sozialen Medien um? Das ist eine der spannendsten Fragen der Gegenwart, die Timothy Garton Ash in Redefreiheit. Prinzipien für eine vernetzte Welt (Hanser-Verlag, € 28,80) umfassend beleuchtet.

Was heiter stimmt

In Zeiten wie diesen braucht es Humor und einen kritischen Blick. Beides zeigt Rudi Klein, STANDARD-Lesern auch als Lochgott bekannt, in Vereinfachung einer nicht unkomplizierten Welt (Kunstmann-Verlag, € 18,60).


Stefan Gmünder

Was Lesefreude schafft

Wie man in der schlechtesten aller Welten Haltung, Klarheit und die Nerven bewahrt, lehrt Schopenhauer in seinen Aphorismen zur Lebensweisheit (Diogenes, € 9,20). Ein zeitloser Gegenpol zur gängigen Ratgeberfolklore.

Was für Spannung sorgt

John Williams erzählt in Augustus (dtv, € 24,70) vom Werdegang des römischen Kaisers, der in diesem intrigengesättigten Roman trotz seiner Macht wie alle "armen Geschöpfe" den Dienstweg des Lebens einhalten muss.

Was heiter stimmt

"tür auf / einer raus / einer rein". Ernst Jandls Abzählvers fünfter sein (Beltz, € 6,70) als von Norman Junge mit viel Herz illus triertes Kinderbuch. Einer Gruppe havarierter Spielzeuge wird darin Besserung zuteil.


Dominik Kamalzadeh

Was Lesefreude schafft

In der Türkei gilt Oguz Atays Roman Die Haltlosen (Binooki, € 30,70) als verwegener Klassiker der Moderne. Endlich liegt das überbrodelnde Buch um einen Mann, der sich im Leben eines anderen verirrt, übersetzt vor.

Was für Spannung sorgt

Das Buch zur Zeit: Der französische Soziologe Didier Eribon erforscht in Rückkehr nach Reims (Suhrkamp, € 18,50) die eigene Flucht vor der proletarischen Herkunft und klärt auf, warum die Arbeiterklasse rechts wählt.

Was heiter stimmt

Die US-Schriftstellerin Nell Zink schreibt in ihrem Roman Der Mauerläufer (Rowohlt, € 20,60) über das Paarungsverhalten der Menschen und Vögel gleichermaßen erfrischend. Pointiert, ein bisschen gemein, schön ungeniert.


Ronald Pohl

Was Lesefreude schafft

Über Bertolt Brecht existieren endlose Festmeter an Sekundärliteratur. Kaum jemand hat derart klug wägend über das "Rollenmodell" des Linksintellektuellen geschrieben wie Uwe Kolbe in Brecht (S. Fischer, € 19,60).

Was für Spannung sorgt

Lasik mag ein tapferes Schneiderlein sein, als Sowjetbürger ist er eine glatte Fehlbesetzung. Ilja Ehrenburg geißelte den Antisemitismus in Das bewegte Leben des Lasik Roitschwantz (Die Andere Bibliothek, € 43,20) satirisch.

Was heiter stimmt

99 Brüder versammeln sich in einer Bibliothek, um die Urne mit der Asche des Erzeugers aufzuspüren. Donald Antrims irrwitziger Roman Die hundert Brüder (Rowohlt, € 13,40) vermisst die Schöpfungsgeschichte neu.



Christian Schachinger

Was Lesefreude schafft

Anlässlich seines 50. Todestags am 23. 12. seien Heimito von Doderers Die Merowinger oder Die totale Familie (C.H. Beck, € 24,70) empfohlen. Ein herrlich vor Wut tobender Watschentanz voller "bärbeißigem" Humor.

Was für Spannung sorgt

Karl Ove Knausgård ist ein Meister der Selbstzerfleischung. Im Essayband Das Amerika der Seele (Luchterhand, € 24,70) erhebt er zu Themen wie Kunst, Breivik oder Stuhlgang das Individuelle zum Allgemeingültigen.

Was heiter stimmt

Geoff Dyer will einen Roman schreiben und hält sich davon ab, indem er (k)eine Biografie über D. H. Lawrence verfasst. Lustiger als in Aus schierer Wut (DuMont, € 24,70) hat Selbst bezichtigung selten geklungen.


Andrea Schurian

Was Lesefreude schafft

Wer seit der Schulzeit an Grillparzer-Phobie leidet, kann geheilt werden. Die kluge Therapie: Franz Grillparzer. Ein Klassiker für die Gegenwart (Paul Zsolnay, € 22) hrsg. von B. Fetz, M. Hansel und H. Schweiger.

Was für Spannung sorgt

Wander- und Wunderreise mit ungewissem Ziel und der Asche des Vaters im Handgepäck: René Freund erzählt in seinem Roman Niemand weiß, wie spät es ist (Deuticke, € 20) über seltsame Umwege der Liebe.

Was heiter stimmt

Sprach- und Lautspiele, englisch-slowenisch-deutsches Language-Crossing: Carmina mi nora. Pesmi/Gedichte (Drava, € 16,50) nennt Jani Oswald seine poetischen und ästhetischen Grenzüberschreitungen.


Christoph Winder

Was Lesefreude schafft

Ein mit dem Goncourt-Preis gekrönter Romancoup: In Mathias Enards Kompass deliriert ein kranker Wiener Musikologe in der Porzellangasse über das Verhältnis von Orient und Okzident. (Rowohlt Berlin, € 29)

Was für Spannung sorgt

Was tun wir Tieren – auch "niederen" – an, wenn wir sie sieden, kochen? Am Beispiel des Hummers, ein kleiner Klassiker von David Foster Wallace (KiWi, € 9) animiert zum vorweihnachtlichen Nachdenken.

Was heiter stimmt

Ein greiser schwuler Bestsellerautor erinnert sich an ein monströses 20. Jahrhundert: Anthony Burgess Der Fürst der Phantome gilt als einer der besten britischen Romane – und als einer der komischsten. (Klett-Cotta, € 29)


Autoren des STANDARD haben außer Artikeln auch noch das eine oder andere Buch geschrieben.

Im Jänner dieses Jahres hat Martin Aigner Die Turmspringerin (Erzählung) im Resistenz-Verlag veröffentlicht.

Von Thomas Neuhold erschien 85 neue Tagesrundtouren: Bergauf – bergab auf anderen Wegen im Verlag Anton Pustet.

Klaus Taschwer hat es mit Der Fall Paul Kammerer. Das abenteuerliche Leben des umstrittensten Biologen seiner Zeit. (Hanser) zu einer Nominierung zum Wissenschaftsbuch des Jahres geschafft.

Mitherausgegeben hat ebenfalls Klaus Taschwer den Katalog Experimentalbiologie im Wiener Prater. Zur Geschichte der Biologischen Versuchsanstalt 1902-1945 (Verlag der OEAW).

Gudrun Harrer verfasste einen biografischen Essay für den von Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi veröffentlichten Appell Das hat der Prophet nicht gemeint. Erschienen bei Benevento.

Harald Fidler schreibt seine Bücher digital: das Wichtigste über Österreichs Medien und ein Buch über den ORF. Laufend erweitert er dort auch sein Online-Lexikon über Medien und ihre Macher. diemedien.at

Irene Brickner hat für den Band Fluchtwege (Czernin) die Kurzgeschichte Der Tortentellerwurf, oder: Von der töchterlichen Verteidigung eines Rückkehrers aus dem englischen Exil beigesteuert.

Doris Priesching hat die siebente Auflage ihrer Erni-Mangold-Biografie umfangreich ergänzt. Lassen Sie mich in Ruhe – erschienen bei Amalthea.

Frank Robert hat sich dem Prater fotografisch genähert: Endstation Sehnsucht (Kehrer-Verlag).

Der Bierguide 2016 von Bierpapst Conrad Seidl ist im Medianet-Verlag erschienen.

(Album, 19.12.2016)

  • Artikelbild
    zeichnung: armin karner
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