"Spiel empörte mehr als Realität": "Schlepperkönig"-Game war NGO-Kampagne

16. Dezember 2016, 11:59
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Die Seerettungsorganisation Sea-Eye steckt hinter der Ankündigung des Aufregerspiels

Das Rätselraten um ein kontroverses Videospiel namens "Schlepperkönig – das Game" ist beendet: Es handelt sich dabei um eine Kampagne einer NGO, die auf das Leid von Flüchtlingen aufmerksam machen möchte. "Kein Spiel ist grausamer als die Realität", so die Seerettungsorganisation Sea-Eye in einer Aussendung. Auf Facebook hatten sich viele Nutzer über das angekündigte Computerspiel empört. Es wurde als "geschmacklos", "niederträchtig" und "widerlich" bezeichnet. Einige User vermuteten eine Satire-Aktion, etwa von Jan Böhmermann; andere lagen mit ihrem Tipp, eine NGO stünde dahinter, richtig.

"Positives Feedback"

Doch die Betreiber der Facebook-Seite, die von Facebook übrigens trotz Usermeldungen geduldet wurde, stritten anfangs ab, nicht authentisch zu sein. "Wir sind eine Gruppe von freien Spielentwicklern, die hier auf Facebook den Markt für solch ein Risiko-Spiel austesten will." Das erste Feedback sei "sehr positiv" gewesen, Menschen "wollten das spielen", hieß es auf der Facebook-Seite des "Schlepperkönig"-Spiels.

Zehn Tage lang wurde die Maskerade aufrechterhalten, bevor Sea-Eye als Urheber in Erscheinung trat. Die NGO kritisiert, dass "die Ankündigung eines provokanten Computerspieles zur Flüchtlingssituation am Mittelmeer in vielen Medien mehr Empörung auslöst, als die Tatsache der bis zu 5.000 Toten in diesem Jahr."

"Moschee baba" und "Gutmenschen"-Prügelspiel

Der "Schlepperkönig" wäre allerdings nicht das erste Spiel gewesen, das menschenverachtende Inhalte bringt. So sorgte im Bundespräsidentschaftswahlkampf ein "Van der Bellen verhindern"-Prügelspiel für Aufregung, bei dem man "Heimathasser" mit Wasserstrahlen bewusstlos schießen konnte. Die FPÖ Steiermark hatte 2010 im Wahlkampf das Spiel "Moschee Baba" veröffentlicht, bei dem Nutzer Muezzins abschießen konnten. Die Staatsanwaltschaft ermittelte damals wegen Verhetzung, es kam aber zu einem Freispruch. (fsc, 16.12.2016)

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    foto: screenshot/facebook
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