Piloten und Lufthansa gehen in Schlichtung

16. Dezember 2016, 11:40
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Wochenlanger Konflikt könnte beendet werden, bei Eurowings hingegen drohen neue Streiks

Frankfurt – Die Piloten und das Management der AUA-Mutter Lufthansa haben sich in ihrem zähen Tarifkonflikt auf eine Schlichtung geeinigt. Die Schlichtung solle bis Ende Jänner abgeschlossen werden, teilte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Freitag mit. In der Zeit werde nicht gestreikt. Zur Person des Schlichters sei Stillschweigen vereinbart worden.

Die Lufthansa bestätigte den Vermittlungsprozess.

Der seit Jahren schwelende Tarifstreik hatte sich Ende November zugespitzt, als die Piloten an sechs Tagen streikten. Das letzte Angebot der Lufthansa beinhaltete eine Lohnsteigerung von 4,4 Prozent sowie eine Einmalzahlung. Die Gewerkschaft fordert für die 5.400 Lufthansa-Piloten 3,7 Prozent mehr Geld im Jahr – einschließlich Nachzahlungen für vier Jahre.

Konflikte bei Eurowings dauern an

Unterdessen droht der Tarifkonflikt mit dem Kabinenpersonal bei der Lufthansa-Billigtochter Eurowings erneut zu eskalieren. Gespräche zwischen der AUA-Mutter Lufthansa und den beiden Gewerkschaften Verdi und Ufo sind in der Nacht zu Freitag gescheitert, wie Ufo in der Früh mitteilte. Konkrete Pläne für Streiks oder andere Aktionen nannte Ufo zunächst nicht.

Die konkurrierenden Gewerkschaften wollten zusammen mit dem Unternehmen ein Abkommen schließen, das den rund 460 Flugbegleitern bei Eurowings Deutschland einheitliche Tarifverträge ermöglichen sollte.

Verdi hatte Anfang Dezember einen Abschluss erreicht, den Ufo scharf kritisiert und als "massive Provokation" bezeichnet hatte. Ufo sei dennoch an einer gemeinsamen Lösung interessiert gewesen, sagte Verhandlungsführerin Sylvia De La Cruz. Das sei nun gescheitert, "da Verdi eine letzte Einigungsempfehlung der anderen Parteien ausgeschlagen hat."

Verhärtete Fronten

Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies sagte der Mitteilung zufolge: "Leider bleibt uns deshalb nichts anderes übrig, als mit den "normalen" gewerkschaftlichen Mitteln die Ziele der EW-Mitarbeiter zu verfolgen und mit dem besseren Vertrag auch die Mehrheit der Kabinenmitarbeiter bei Eurowings zu überzeugen."

Verdi erklärte auf Anfrage, Ufo sei für keinen Vorschlag offen gewesen. "Wir hätten gern gemeinsam ein Ergebnis erreicht, aber das war nicht möglich", kritisierte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. "Wir bedauern auch für Passagiere und Beschäftigte, dass es zu keiner vernünftigen Einigung gekommen ist."

Eurowings betonte, man habe den erfolgreichen Tarifabschluss mit Verdi der Flugbegleitergewerkschaft Ufo eins zu eins angeboten. "Unser Ziel ist die Tarifeinheit für die Flugbegleiter bei Eurowings Deutschland", sagte ein Sprecher der Lufthansa-Tochter.

Ufo hatte Ende Oktober bei Eurowings gestreikt. Verdi und Ufo beanspruchen für sich, bei der Lufthansa-Tochter die stärkere Gewerkschaft zu sein. (APA/Reuters, 16.12.2016)

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