Reorganisation: Media Markt und Metro werden getrennt

    16. Dezember 2016, 08:18
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    Elektronikgeschäft wird unter dem Dach der neuen Firma Ceconomy gebündelt – "Für Investoren attraktiver"

    Der Handelsriese Metro nimmt seine Aufspaltung in Angriff. Der Konzern stellte heute seinen Nachfolger Ceconomy vor, unter dessen Dach das Elektronikhandelsgeschäft um Media Markt, Saturn und Redcoon gebündelt wird. Aus dem Metro-Verbund ausgegliedert wird das Lebensmittelgeschäft um die Großmärkte und die Supermarktkette Real.

    Metro-Chef Olaf Koch will mit dem Schritt beide Teile schlagkräftiger und für Investoren attraktiver machen. Erst einmal muss Metro aber in die Kasse greifen: Rund 100 Millionen Euro kostet die Trennung, an deren Ende zwei im MDax notierte Unternehmen stehen sollen.

    Entstehen sollen 2017 im Detail diese beiden Konzerne:

    Ceconomy

    Europas größter Elektronikhändler vereint Media Markt, Saturn und Redcoon unter einem Dach und soll künftig Ceconomy heißen. Die Zentrale der Holding soll in Düsseldorf stehen. Chef ist der Niederländer Pieter Haas. Media-Saturn hatte zuletzt einen Jahresumsatz von rund 21,9 Mrd. Euro eingefahren – gut ein Drittel des Konzernumsatzes der Metro. Mit rund 65.000 Mitarbeitern und insgesamt mehr als 1.000 Märkten ist die Kette in 15 Ländern Europas vertreten. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet sie außerhalb des deutschen Heimatmarktes.

    Media-Saturn setzt auf eine enge Verknüpfung zwischen Online-Geschäft und den lokalen Filialen, knapp zwei Milliarden Euro Umsatz kommen aus dem Online-Geschäft. Metro kontrolliert fast vier Fünftel derMedia-Saturn-Anteile, gut ein Fünftel gehört dem streitbaren Media-Saturn-Mitgründer Erich Kellerhals. Kellerhals liefert sich seit Jahren mit Metro einen erbitterten Machtkampf um das Sagen bei Media-Saturn.

    Media-Saturn-Chef Haas soll nun die Leitung der Ceconomy übernehmen. Bei Kellerhals hatte das in der Vergangenheit wenig Freude ausgelöst: "Haas sollte besser freiwillig seine CEO Position aufgeben (und) das Unternehmen verlassen", schrieb er auf seiner Internet-Seite. Immerhin: Derzeit versucht der Investor Clemens Vedder, als Vermittler neue Lösungsmöglichkeiten auszuloten. Kellerhals hat Kritik an Koch, Haas und Metro inzwischen von seiner Internet-Seite entfernt. Metro sieht indes keinen zwingenden Handlungsbedarf in der Causa Kellerhals. Man habe "maßgebenden Einfluss auf die Führung der Geschäfte", stellte der Konzern in den Dokumenten für die Aufspaltung klar. Zudem könnte Ceconomy auch "die Konsolidierung in der Branche anführen". Kellerhals' würde durch Zukäufe weiter an Einfluss verlieren.

    Lebensmittel und Großhandel

    Koch soll den Plänen zufolge Chef des neuen Großhandels- und Lebensmittel-Spezialisten werden, der weiter unter dem Namen Metro firmiert. Dieser soll abgespalten werden und vor allem die Cash&Carry-Märkte sowie die Supermarktkette Real umfassen. Cash&Carry betreibt rund 750 Großhandelsmärkte in 25 Ländern – darunter Wachstumsmärkte wie China oder Indien. Auch in Osteuropa, vor allem aber in Russland, hat die Kette eine starke Position.

    Cash&Carry erzielte zuletzt mit rund 29 Mrd. Euro gut die Hälfte der Erlöse des Metro-Konzerns, rund 107.000 Menschen arbeiten für die Kette. Koch hatte Cash&Carry eine stärkere Orientierung an Dienstleistungen verordnet, unter anderem durch Belieferung der Kunden soll die Firma wachsen.

    Die Supermarktkette Real galt lange Zeit als das Sorgenkind der Metro. Sie betreibt rund 285 Märkte in Deutschland, das Auslandsgeschäft hat Koch bereits verkauft. Der Umsatz sank zuletzt um 3,3 Prozent auf 7,5 Mrd. Euro. Koch modernisiert derzeit die Real-Märkte. Insidern zufolge hatte Metro in der Vergangenheit auch einen möglichen Verkauf von Real ausgelotet.

    Die Metro-Aktionäre sollen im Zuge der Abspaltung Aktien der neuen Gesellschaft erhalten. Das Zuteilungsverhältnis beträgt 1:1 – für jede Metro-Stammaktie wird eine Stammaktie des Lebensmittelhändlers gewährt, ebenso für jede Vorzugsaktie, kündigte Metro an. Die heutigen Metro-Aktionäre werden künftig zusammen 90 Prozent an der neuen Lebensmittel- und Großhandels-Gesellschaft halten. Zehn Prozent der Anteile bleiben bei der künftigen Ceconomy, die damit wertvoller gemacht werden soll. (APA, 16.12.2016)

    • Metro-Vorstandsvorsitzender Olaf Koch
      foto: apa/dpa/federico gambarini

      Metro-Vorstandsvorsitzender Olaf Koch

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