Das globale Straßennetz wird immer dichter

17. Dezember 2016, 17:04
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Die Flächen der Erde, die nicht durch Straßen und Wege zerfurcht sind, werden immer kleiner

Berlin – Deutsche Forscher rechneten in "Science" vor, wie die "Inseln" zwischen Straßen und anderen Wegen immer kleiner werden. Zwar machen Gebiete ohne Verkehrswege noch rund 80 Prozent der Landfläche auf der Erde aus, sie sind aber stark zerstückelt.

Als "frei von Wegen" wurden dabei nur Flächen definiert, die mindestens einen Kilometer von Straßen, aber auch kleineren Achsen wie Forstwegen entfernt lagen. Ein zwischen zwei Verkehrsachsen liegender, zwei Kilometer breiter Wald wurde somit zum Beispiel nicht erfasst.

In der Summe kam das Team um Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde auf 600.000 abseits von Straßen liegende Landstücke weltweit. Etwa die Hälfte der Flächen sei kleiner als ein Quadratkilometer, weitere 30 Prozent kleiner als fünf Quadratkilometer. Nur sieben Prozent der "wegefreien" Areale haben demnach eine Größe von mehr als 100 Quadratkilometern. Grönland und die Antarktis blieben wegen ihrer großen Eisflächen bei den Berechnungen außen vor.

Stressende Straßen

Die Forscher heben hervor, dass die Auswirkungen einer Straße nicht auf die Straßenfläche beschränkt sind: "Zu den direkten und indirekten Umwelteinflüssen gehören Entwaldung und Zersplitterung, Verschmutzung, Lärmbelästigung, erhöhte Tiersterblichkeit aufgrund von Autounfällen und die Erleichterung von biologischen Invasionen."

Die Auswirkungen einer Straße seien in einem Streifen von einem Kilometer entlang jeder Straßenseite am größten, so die Wissenschafter. Deshalb bezeichnen sie in ihrer Studie nur die Areale als frei von Straßen, die jenseits dieser Pufferzone liegen. Ibisch und Kollegen stützten sich dabei auf die weltweiten Straßenverzeichnisse Open Street Map und Global Roads Open Access Data Set (gROADS).

Plädoyer für Sperren

Die Forscher entwickelten einen Bewertungsindex für die straßenfreien Gebiete, der sich aus ihrer Größe, dem Grad seiner Vernetzung und einem Index für die Funktion des Ökosystems zusammensetzt. Dabei stellten sie fest, dass etwa ein Drittel der straßenfreien Areale nur wenige ökologische Funktionen und geringe biologische Vielfalt aufweist. Diese Gebiete sind beispielsweise sehr klein oder liegen in Wüstenregionen. Auch steht der Erhalt straßenfreier Gebiete im Konflikt mit den "Zielen für nachhaltige Entwicklung" der Vereinten Nationen, etwa der Bekämpfung des Hungers und der Ungleichheit in der Welt.

Aus der neuen Weltkarte ergibt sich auch, dass nur 9,3 Prozent der straßenfreien Flächen in einem Natur- oder Landschaftsschutzgebiet liegen. Die Forscher plädieren deshalb dafür, straßenfreie Gebiete bei der geplanten Ausweitung der Schutzgebiete von derzeit 14,2 auf 17 Prozent besonders zu berücksichtigen. Auch befürworten sie das Sperren von Straßen, um größere Gebiete ohne Wege zu schaffen. (APA, 17. 12. 2016)

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