Eigentümer Yamaha lässt Bösendorfer freies Spiel

16. Dezember 2016, 12:35
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Der traditionsreiche Klavierbauer Bösendorfer erspielt nach langer Krise zum dritten Mal in Folge Gewinne. Die Wiener Marke Brodmann sucht nach Insolvenz Käufer

Wien – Ho-ruck-Aktionen hat Sabine Grubmüller seit Jahren nicht erlebt. Wohlüberlegte Analyse gehe jeder Entscheidung voran. Genaue Richtlinien besagten, wofür wer verantwortlich sei. Und in allem überwiege Freundlichkeit.

Grubmüller führt eines der wenigen österreichischen Unternehmen, in dem Japaner den Takt vorgeben. Neun Jahre ist es her, seit Yamaha den österreichischen Klavierbauer aus den Händen der Bawag holte, nachdem diese ihn fast in den Ruin getrieben hatte.

Der japanische Musikkonzern schlug in dieser Zeit auch harte Töne an. Er ließ den traditionsreichen Stammsitz in Wien auf, übersiedelte ihn zur Produktion nach Wiener Neustadt. Knapp ein Viertel der Mitarbeiter musste infolge einer nicht endenwollenden Serie an Verlustjahren gehen. Die Krise des weltweiten Klaviermarkts ließ viele Branchenkenner am Überleben Bösendorfers zweifeln.

Angst vor Ausverkauf

Die Marke drohe auf internationalen Konzertbühnen in Vergessenheit zu geraten, fürchteten Kritiker. Manch einer warnte vor einem Ausverkauf der österreichischen Seele. Dass Bösendorfer vor der Bawag mehr als drei Jahrzehnte lang in US-amerikanischem Besitz gestanden hatte, ließ man dabei freilich gern außer Acht.

Grubmüller, als Finanzexpertin Quereinsteigerin ins Instrumentengeschäft, leitete die Restrukturierung. Im März kommenden Jahres werde Bösendorfer nun das dritte Jahr in Folge Gewinne erzielen, sagt sie im Gespräch mit dem STANDARD. Der Umsatz steige langsam aber stetig. 2015/2016 waren es 12,1 Millionen Euro. Und an der Zahl der 120 Mitarbeiter werde nicht gerüttelt. Da und dort könnten es etwas mehr werden. Knapp 300 Klaviere baut Bösendorfer im Jahr in Wiener Neustadt, die zu 90 Prozent in den Export gehen. Es sind rund 80 mehr als vor fünf Jahren, wenn auch nicht halb so viel wie in Spitzenzeiten. Wobei sich der gesamte Weltmarkt in den vergangenen Jahrzehnten auf gerade einmal 400.000 Klaviere halbierte. Die Generation an generösen Kunden, die edle Flügel mehr als Möbelstücke denn als Musikinstrumente begehrte, ist Geschichte.

Scharfe Trennung

Wo Bösendorfer draufsteht, ist nach wie vor nur Österreich drinnen, versichert Grubmüller: Das Know-how werde nicht mit Yamaha geteilt. Bei der Bauweise gäbe es zwischen Wiener Neustadt und Japan ebenso wenig Transfer. Wie auch alle Materialien nach wie vor westeuropäischer Natur seien.

Yamaha hält jedoch beim Vertrieb alle wichtigen Fäden in der Hand. Russische Pianisten lassen derzeit aus – "China, Kanada und Taiwan sind aber stark wachsende Märkte", erzählt Grubmüller. Vor allem China fördere den musikalischen Nachwuchs. Im Vorjahr etwa erwarb ein einziges chinesisches Konservatorium 21 österreichische Instrumente, davon drei Konzertflügel. Letztere stellten einen zusehends größeren Anteil der Fertigung bei Bösendorfer.

Dreieinhalb Jahre währt in Österreich die Ausbildung zum Klavierbauer. Gut sieben weitere Jahre dauert es, bis man es zum Konzerttechniker bringt. Gute Leute zu finden, sei schwer, gelinge aber trotzdem, meint Grubmüller. Zumindest auf Führungsebene und beim Nachwuchs ist die Branche keine Männerdomäne mehr. Die Hälfte der Lehrlinge bei Bösendorfer sind mittlerweile Frauen.

Sie fertigen Flügel mit einer Lebensdauer von 100 Jahren zu Preisen von 65.000 Euro aufwärts. Wobei ein Klavier im professionellen Bereich zumeist schon nach zehn Jahren ersetzt wird. Mächtiger Rivale bleibt Steinway. Grubmüller: "Wir treten gegen die Monokultur auf den Konzertbühnen an."

Brodmann sperrte zu

Zweiter im Wettlauf um Bösendorfer war 2007 neben den Japanern die Klaviermarke Brodmann. Die Historie des Ende des 18. Jahrhunderts gegründeten Wiener Betriebs war einst eng mit jener Bösendorfers verflochten. Der bis zuletzt rundum als Favorit gehandelte Bieter Brodmann zog gegen Yamaha jedoch den Kürzeren.

Was wurde aus dem österreichischen Rivalen? Brodmann ging im Mai 2014 pleite. Der angestrebte Sanierungsplan wurde angenommen, aber nicht erfüllt. Im selben Jahr noch sperrte das Unternehmen zu, weiß Insolvenzverwalter Wolfgang Herzer, der mit der Verwertung desselben, die kurz vor dem Finale steht, beschäftigt ist.

Produzenten aus China fertigten damals für Brodmann, und sie tun es unter dieser Marke auch heute noch. Für Europa steht der traditionsreiche Name gerade zum Verkauf: "Das Bieterverfahren läuft." Interessenten aus Österreich seien bisher noch keine darunter. (Verena Kainrath, 16.12.2016)

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