"Die Stadt ohne Juden": Prophetische Bilder

15. Dezember 2016, 17:28
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Die Rettung des vielleicht wichtigsten österreichischen Stummfilms über die Vertreibung der Juden aus Wien ist geglückt

Wien – Mit "großer Emotionalität" habe man die Crowdfunding-Initiative zur Rettung des "vielleicht wichtigsten österreichischen Stummfilms" Die Stadt ohne Juden (1924) durchgeführt, so Filmarchiv-Direktor Ernst Kieninger. Mit der Summe von 86.000 Euro könne Hans Karl Breslauers Verfilmung von Hugo Bettauers Roman – eine düstere Vorschau auf die Vertreibung der Juden aus Wien und den Nationalsozialismus – als Filmerbe gesichert werden.

Von Bedeutung ist der auf einem Pariser Flohmarkt aufgetauchte Fund aufgrund neuer Szenen, in denen der Antisemitismus nach dem Ersten Weltkrieg dargestellt wird. Der bekannten "harmonisierten Fassung", so der für die Restaurierung zuständige Nikolaus Wostry, stünde damit ein neuer Film gegenüber, dessen Prophezeiung von der Realität eingeholt wurde. Der Detailrekonstruktion folge nun die digitale Restaurierung sowie die Umkopierung auf das analoge 35-mm-Format.

Sicherung des Filmerbes

Letzteres verknüpft Kieninger auch mit der aktuellen Diskussion rund um das angedachte Film Preservation Center. Dieses soll nach der Schließung der Synchro Film, des letzten analogen Kopierwerks in Wien, zur Sicherung des nationalen Filmerbes bereits 2017 in Betrieb gehen. Hier sollen analoge Archivkopien angefertigt werden – und das Filmarchiv und das Filmmuseum kooperieren.

Das Film Preservation Center solle "dorthin kommen, wo die Arbeit zu erwarten ist", so Kieninger. Das wäre aus seiner Sicht das Filmarchiv-Depot in Laxenburg. Die Rettung von Die Stadt ohne Juden könnte sich in der diskutierten Standortfrage – ein zentral gelegener Ort ist ebenfalls im Gespräch – somit als Initiative zur richtigen Zeit erweisen. (pek, 15.12.2016)

  • Filmkader zeigen brutale Übergriffe und Ausschreitungen.
    foto: filmarchiv austria

    Filmkader zeigen brutale Übergriffe und Ausschreitungen.

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