Klimawandel: Wiener FPÖ fordert "objektive" kommunale Messstelle

15. Dezember 2016, 17:34
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Weil internationale Forscher angeblich von ihren Auftraggebern beeinflusst werden, soll die MA 22 den Klimawandel beobachten

Wien – Eine "Beobachtungsstelle für den Klimawandel im Rahmen der Umweltschutzabteilung MA 22 einzurichten", forderten fünf FPÖ-Mandatare, darunter Umweltsprecher Udo Guggenbichler, per Beschlussantrag an den Wiener Gemeinderat am Dienstag. Anders als "von internationalen und österreichischen Wissenschaftlern geführte Untersuchungen", die "im allgemeinen von den sie finanzierenden Auftraggebern in deren Sinne vorbeinflußt" (sic) seien, solle die städtische Stelle "objektive Forschung betreiben".

Die Freiheitlichen erklären in dem Antrag, dass es unter "unabhängigen Forschenden anerkannte Kapazitäten" gebe, "die gravierende Meinungsunterschiede bei den Ergebnissen zum Klimawandel haben". Tatsächlich finden sich laut dem von der UNO und der Weltorganisation für Meteorologie eingerichteten Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) im internationalen Wissenschaftsbetrieb kaum Meinungsdifferenzen. Nur eine verschwindende Minderheit an Forschern stellt den überwiegend menschlichen Einfluss auf die globale Erwärmung oder gar den Klimawandel selbst infrage.

Sima "fehlen die Worte"

Laut dem FPÖ-Antrag soll die Beobachtungsstelle "auf die vorhandene Struktur des Wiener Luftmessnetzes und Feinstaubmessung zurückgreifen". An die zuständige Magistratsabteilung 22 hatte sich die FPÖ im Vorfeld nicht gewandt. Wie exakt sich die Mandatare vorstellen, aus einer lokalen Beobachtungsstelle Auskünfte über ein globales Phänomen abzuleiten, könne man deshalb nicht beantworten, sagte ein Sprecher der Abteilung.

Von Guggenbichler und seinen unterzeichnenden Kollegen war am Donnerstag trotz mehrfacher Anfrage kein Statement zu bekommen. Der Umweltsprecher selbst bedauerte das im Telefonat mit dem STANDARD unter Hinweis auf das stressige Tagesgeschäft. Landesparteisekretär Toni Mahdalik sagte stellvertretend, die FPÖ leugne den Klimawandel nicht, gebe aber zu bedenken, dass von NGOs oder der "Ökoindustrie" beauftragte Forscher oft zu Ergebnissen über den menschlichen Einfluss kämen, die den Interessen der Auftraggeber entsprechen.

Die Freiheitlichen haben in der Vergangenheit bereits mehrmals die anthropogenen Einflüsse auf den Klimawandel hinterfragt. Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) sagte laut Aussendung, ihr "fehlen die Worte", im Jahr 2016 mit der FPÖ eine Beweisführungsdebatte über den Klimawandel zu führen. (Michael Matzenberger, 15.12.2016)

  • Die Messungen zur Wiener Luftgüte sollen laut FPÖ Aussagen über den globalen Klimawandel geben.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Die Messungen zur Wiener Luftgüte sollen laut FPÖ Aussagen über den globalen Klimawandel geben.

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