Landbewohner fahren öfter Auto, Wiener mehr mit Bus und U-Bahn

16. Dezember 2016, 06:00
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Der öffentliche Verkehr stieg in Wien seit 1995 um ein Viertel, auf dem Land der Individualverkehr

Wien – Der Durchschnittsösterreicher fährt im Vergleich zu vor 20 Jahren mehr Auto, aber ebenso mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Rad – nur zu Fuß legt er seine Wege weniger häufig zurück. So fasste Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) die Resultate der Mobilitätserhebung "Österreich unterwegs" zusammen. Für ihn sei es ein "Realitycheck", der die geänderten Lebensrealitäten aufzeige.

Einige Entwicklungen stechen besonders hervor, etwa das gestiegene Stadt-Land-Gefälle seit 1995 und die "Mobilitätsrevolution" der Generation 65 plus, bei der sich die Pkw-Verfügbarkeit mehr als verdoppelt hat. Zwei Drittel dieser Altersgruppe verfügen nun über ein Fahrzeug, während es vor zwei Jahrzehnten nur ein Viertel war.

Das führte dazu, dass sich der Anteil der als Fahrzeuglenker zurückgelegten Wege verdoppelt hat und auf fast 40 Prozent gestiegen ist. 40 Prozent beträgt auch der Wert bei Frauen, wobei hier der Anstieg (plus 37 Prozent) weniger stark ausfiel, bei Männern ist das eigene Auto mit 54 Prozent das Hauptverkehrsmittel.

grafik: apa

Besseres Öffi-Angebot in der Stadt

Enorm fielen die Unterschiede im Vergleich Stadt und Land aus, hier haben sich die Tendenzen in den vergangenen 20 Jahren noch verschärft: Denn während im ländlichen Raum der motorisierte Individualverkehr überwiegt, sind es in der Stadt die Öffis. So legt der durchschnittliche Landbewohner an Werktagen 56 Prozent seiner Wege mit Auto oder Motorrad zurück – ein Viertel mehr als vor 20 Jahren.

In Wien wiederum dominiert der öffentliche Verkehr, er stieg ebenfalls um ein Viertel. 38 Prozent der Wege werden hier mit Öffis zurückgelegt, 25 im motorisierten Individualverkehr.

"Im urbanen Bereich verfügt der Öffentliche Verkehr sowohl über eine gute Vertaktung wie auch über eine gute Erreichbarkeit", erläuterte der Minister bei einem Hintergrundgespräch anlässlich der Präsentation der Studie "Österreich unterwegs 2013/2014". Sie soll dazu dienen, Trends aufzuzeigen und da sei man auf exakte Daten angewiesen. "Wir müssen uns überlegen, wie wir auf diese Entwicklungen reagieren. Bei der Verkehrspolitik gibt es kein Ende der Geschichte", führte Leichtfried aus.

Entleerung der Ortskerne verstärkt Trend

Die Entwicklung im ländlichen Raum ist etwa durch eine fortlaufende Entleerung der Ortskerne geprägt, Einkaufszentren am Ortsrand führten dabei dazu, dass für Anrainer längere Wegstrecken erforderlich wurden. Die Rahmenbedingungen haben sich dahin gehend geändert, dass Zersiedelung und Speckgürtel zugenommen haben.

Das ist mit eine Erklärung dafür, dass bei einem Bevölkerungswachstum von sieben Prozent seit 1995 die Gesamtverkehrsleistung um ganze 33 Prozent gestiegen ist. Die durchschnittliche Tagesfahrleistung an einem Werkstag liegt nun bei 285 Millionen Kilometern, knapp über 160 davon werden davon per motorisiertem Individualverkehr zurückgelegt.

Pro Tag werden vom Durchschnittsösterreicher so inzwischen 34 Kilometer vor allem gefahren und lediglich zu einem sehr kleinem Teil gegangen, das sind sechs Kilometer mehr als 1995. Dabei zeigt sich auch, dass die Österreicher in den fast zwei Jahrzehnten durch die Motorisierung schneller wurden, denn die tägliche "Unterwegszeit" ist mit 70 Minuten gleich geblieben.

Die aktuelle Erhebung fand im Zeitraum von Oktober 2013 bis Oktober 2014 statt. Dabei wurden über 17.000 Haushalte mit mehr als 38.000 Personen an zwei Stichtagen befragt. Nachdem bei der ersten Untersuchung 1995 nur Werktage im Herbst abgefragt worden sind, wurden für den Vergleich bei der jetzigen Studie ebenfalls diese Zeiträume herangezogen. (APA, 16.12.2016)

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