A1 soll nicht mehr zu Carrier Preselection im Festnetz verpflichtet werden

15. Dezember 2016, 15:50
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Die Telekom-Control-Kommission will die Regulierung in Österreich zurückfahren

Die Telekom-Control-Kommission (TKK) will die Regulierung in einzelnen Telekommunikationsmärkten weiter zurücknehmen. Dieser Tage wurden dahingehend Entscheidungsentwürfe beschlossen, die nun öffentlich zur Konsultation stehen, teilte die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) am Donnerstag mit.

"Vielzahl von Anbieter"

"In den letzten Jahren wurde der Telekommunikationsmarkt durch Regulierungsmaßnahmen für den Wettbewerb geöffnet", so der RTR-Geschäftsführer für den Fachbereich Telekommunikation und Post, Johannes Gungl. "Das Ergebnis: Wir haben derzeit ausreichend Wettbewerb. Österreichs Wirtschaft und Konsumentinnen und Konsumenten können bei Telekommunikationsdienstleistungen aus einer Vielzahl von Anbietern wählen und das zu sehr attraktiven Preisen. Daher kann die Regulierung zurückgefahren werden", sagt er zur Intention der Entscheidungsentwürfe.

Aus der Verbindungsnetzbetriebspflicht bei Festnetztelefonie für A1

Ein Hauptpunkt der Entwürfe ist die Aufhebung der Verpflichtung für die A1 Telekom Austria zu Verbindungsnetzbetrieb bei Festnetztelefonie. Dabei handelt es sich um die sogenannte Carrier Preselecetion und Carrier Selection. Ein alternativer Festnetzanbieter kann für seine Dienste die Infrastruktur der A1 nutzen. Kunden wählen die Vorwahl des Betreibers, zahlen die Grundgebühr von A1, aber die Gesprächsgebühren des jeweiligen Anbieters. Bei der Preselection wird die Vorwahl der alternativen Betreibers dauerhaft eingestellt, bei Selection bzw. Call-by-Call wird sie bei jedem einzelnen Telefongespräch gewählt. A1 war im Jahr 2000 dazu verpflichtet worden, den damaligen Netzbetreibern Tele2, Colt Telecom, Connect Austria, max.mobil und UTA Telekom AG die Carrier Preselection anzubieten.

"Zu Beginn der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes – also vor fast 20 Jahren – hatte die Sicherstellung des Verbindungsnetzbetriebs für die Marktöffnung eine große Bedeutung, da nur durch diese Regulierungsmaßnahme auch andere Anbieter in den Markt eintreten konnten", so Gungl. "Nun ist die wettbewerbliche Situation eine ganz andere. Rund 85 Prozent aller Telefonate werden heute über das Mobilnetz geführt. Eine starke Regulierung des Festnetzmarktes ist daher nicht mehr zeitgemäß." Nach den zuletzt dazu veröffentlichten Zahlen der RTR haben im ersten Quartal 2016 noch 277.500 Kunden Carrier Preselection und 33.500 Call-by-Call genutzt, im Vergleichszeitraum davor waren es noch 308.000 bzw. 74.000 Kunden.

Konsultation bis Ende Jänner

Die Entwürfe werden bis Ende Jänner 2017 national konsultiert und müssen danach der EU-Kommission und weiteren Regulierungsbehörden zur Stellungnahme übermittelt werden, bevor die TKK eine endgültige Entscheidung fassen kann. (APA/br, 15.12.2016)

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RTR

  • Die verminderte Regulierung soll unter anderem A1 betreffen.
    foto: reuters/leonhard foeger

    Die verminderte Regulierung soll unter anderem A1 betreffen.

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