Netflix-Film "Barry": Im Bett mit Barack Obama

    16. Dezember 2016, 08:00
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    Der Streamingdienst überreicht dem scheidenden Präsidenten zum Abschied ein braves Biopic

    Im August 1981 befindet sich ein junger Mann im Landeanflug auf New York. Von oben sieht alles friedlich aus, die Lichter der Stadt blinken entgegen, ein schneller Zug aus der Zigarette – andere Zeiten, andere Sitten – und hinein ins Getümmel.

    Der Jüngling reist mit leichtem Gepäck, ein Koffer mit Habseligkeiten reicht. Er ist neu hier, das ist offensichtlich, denn in Nullakommanichts hat er sich verfahren und landet im falschen Viertel. New York war damals eine gefährliche Stadt. Er durchquert die heiklen Zonen unbeschadet und als er sein Ziel gefunden hat, setzt er sich auf die Stufen und zündet sich eine weitere Zigarette an. Ein Polizist spricht ihn an, stampert ihn von den Stufen, der junge Mann geht weiter, vor einer Haustür bleibt er stehen, versucht sie zu öffnen, scheitert. Die Tür bleibt versperrt. So kommt es, dass der zukünftige US-Präsident Barack Obama seine erste Nacht an der Ostküste auf der Straße schläft.

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    Und auch nach diesem missglückten Beginn in einer neuen Welt bleibt es schwierig für "Barry". Trotz guter Freunde schlittert er in eine schwere Krise, weiß bald nicht, wo er hingehört – nicht zu den Weißen, aber auch nicht zu den Schwarzen, von deren Welt er sich ausgeschlossen fühlt.

    foto: netflix

    Mit dem 105-minütigen Spielfilm "Barry" überreicht der Streamingdienst Netflix Obama ein recht braves Abschiedsgeschenk. Der scheidende US-Präsident wird als vifer, anständiger, vielfältig interessierter Jungstudent dargestellt, der in seiner Freizeit Basketball spielt (und gewinnt), philosophische Diskussionen über Jack Kerouac, Allen Ginsburg, Paul Robeson führt ("Wo sind sie jetzt?"), in coolen Clubs in das pralle Leben eintaucht, zu B-52s mit den Hüften wackelt, über Breakdance staunt und mit seiner Freundin Charlotte gemeinsames und trennendes erlebt. Das Trennende – sie ist weiß – wird schließlich zum Bruch führen. Es ist aber noch komplizierter.

    foto: netflix

    Der Präsident muss noch viel lernen, seine Stärke entwickelt er aus der Wut über den Alltagsrassismus, dem er an allen Ecken begegnet und über die Ungerechtigkeit, die ihn mit Menschen zusammenbringt, die vorgeben, Schwarze zu akzeptieren – das in Wahrheit aber nur solange tun, wie diese sich unauffällig in der zweiten, dritten Reihe aufhalten. Andere mögen dort verharren, für Barry ist es nichts: Yes We Can. Dargestellt wird der spätere Präsident vom Australier Devon Terrell, Regie führte Vikram Gandhi. Ab Freitag auf Netflix. (prie, 16.12.2016)

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