ORF: 6,5 Prozent mehr GIS, weniger Formel 1 und Fußball

15. Dezember 2016, 17:09
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Die ORF-Gebührenerhöhung im Mai 2017 nahm ihre größte Hürde: Rote und schwarze Stiftungsräte stimmten geschlossen dafür. Dafür soll der ORF 330 statt 300 Millionen sparen. Die Formel 1 soll auslaufen, Champions League will der ORF mit Privaten teilen

Wien – 6,5 Prozent mehr Rundfunkgebühr ab Mai 2017 statt zunächst geplanter 7,7: Am Donnerstag stimmten 26 von 30 ORF-Stiftungsräten dafür. Rote und schwarze Freundeskreise geschlossen, dazu zwei als unabhängig geführte Räte.

Der Grüne Wilfried Embacher enthielt sich, weil er 7,7 Prozent gerechtfertigt fand; ähnlich argumentierte Hans Peter Haselsteiner (Neos) sein Nein*. Gegen Erhöhung: Günter Leitold (Team Stronach) und Norbert Steger (FPÖ).

Für das Okay zur Erhöhung (es bringt dem ORF pro Jahr rund 35,5 Millionen Euro mehr, also etwa den Jahresumsatz von ATV) verspricht Wrabetz, über fünf Jahre bis 2021 330 statt angekündigter 300 Millionen Euro einzusparen.

  • Morgendämmerung
    "Guten Morgen Österreich", erst im Frühjahr 2016 vor der Generalswahl gestartetes Früh-TV aus einem mobilen Studio, wird "stark reduziert". Sichtbar ab dem zweiten Halbjahr 2017.

  • Auslauf
    Für Formel-1-Rechte ist nach dem bis 2020 laufenden Vertrag keine Finanzierung vorgesehen, sagt Wrabetz. Er rechnet damit, dass die Übertragung ohnehin aus dem Free-TV ins Pay-TV wechselt.

  • Geteilte Champions
    Die Champions League wird im Frühjahr 2017 wieder ausgeschrieben. Wrabetz will sich – wie bei der Europa League mit ATV ohne Erfolg – "die Rechte an internationalen Ligen mit Privatsendern teilen".

Ski und nationaler Fußball sind indes für den ORF-Chef zwingende Angebote seines öffentlich-rechtlichen Senders.

Wrabetz spricht übrigens von Sparanstrengungen, "ohne dem Publikum programmlich weniger zu bieten". Thomas Zach, Sprecher der bürgerlichen Stiftungsräte, drängte seit Monaten auf ein Sparpaket. Er definierte als Ziel, "Mittel für das Programm freizumachen". Gemeint wohl: Eigenproduktionen.

  • ORF-Transformer
    ORF-Chef Wrabetz versprach zudem, von 600 Pensionierungen nur 300 nachzubesetzen und moderate Gehaltsabschlüsse (diesmal: 1,1 Prozent). Ein "Transformationsteam" soll Strukturen und Abläufe hinterfragen. Die Mitglieder: Geschäftsführung, der gerade abgelöste Salzburger Landesdirektor Roland Brunhofer, wenn er Planungschef wird, ein neu besetzter Controllingchef – und ein neu geschaffener Vizedirektor in der Finanzdirektion. Das soll Roland Weissmann werden, freilich in Personalunion mit seinem bisherigen Job als Chefproducer TV.

  • Länder sparen weniger
    Ein ganzer Sektor im ORF muss nun weniger sparen als geplant: Die Landesstudios sollten 2017 vier Millionen Euro kürzen, nun wurden es 1,5.

Letzte Gebührenerhöhung ihrer Art

Wrabetz spricht nun von fünf Jahren ohne Gebührenerhöhung (in dieser Form): Er hofft auf jährliche Inflationsanpassung (die er nach geltendem Gesetz beantragen könnte), quasi automatisch. Aber solche Gesetzesänderungen kämen ja "nicht um die Ecke", also nicht so rasch, beruhigt Wrabetz. Am Freitag kündigten Medienminister Thomas Drozda und VP-Mediensprecher Werner Amon eine solche Gesetzesänderung zu Rundfunkgebühren an.

Sein Vertrag ab Jänner dürfte nun fix sein. Kolportiert werden nun etwa nur maximal zwei statt bis zu fünf Jahre Gehaltsfortzahlung bei vorzeitiger Ablöse. Zudem eine Bindung eines Gehaltsbestandteils an Sparerfolg und Einhaltung des Budgets für Sanierung und Zubau auf dem Küniglberg.

Es gebe da "mehrere Passagen", sagte Wrabetz auf STANDARD-Frage, er sage dazu aber nichts.

Am Freitag soll der ORF-Publikumsrat der Gebührenerhöhung zustimmen, danach prüft die Medienbehörde. (fid, 15.12.2016)

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* Ergänzung

Die Langversion zur vielleicht allzu knappen Printversion: Embacher erklärte seine Enthaltung zu den 6,5 Prozent mit populistischem Feilschen der Politik über Prozentpunkte (aus dieser Story): "Es wäre "peinlich", wenn Politiker glaubten, dass fünf oder sechs Prozent Gebührenerhöhung statt 7,7 Applaus von Bevölkerung und Boulevard eintrügen. Hans Peter Haselsteiner erklärte seine Ablehnung im Stiftungsrat laut Sitzungsteilnehmern mit dem rot-schwarzen Deal über die Gebührenhöhe; einzelne Teilnehmer sprachen von ähnlichen Begründungen Embachers und Haselsteiners. (fid)

  • ORF-Gebühren nach Bundesländern: Wer wie viel kassiert.
    grafik: standard

    ORF-Gebühren nach Bundesländern: Wer wie viel kassiert.

  • ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz (rechts) konnte auch Thomas Zach, Leiter des "Freundeskreises" der ÖVP-Stiftungsräte, von der Gebührenerhöhung überzeugen.
    foto: apa/herbert neubauer

    ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz (rechts) konnte auch Thomas Zach, Leiter des "Freundeskreises" der ÖVP-Stiftungsräte, von der Gebührenerhöhung überzeugen.

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