Löhne seit Monaten nicht bezahlt: Crytek wieder in der Krise

15. Dezember 2016, 13:40
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Mitarbeiter will Unternehmen verklagen und startet Crowdfunding-Kampagne

Die deutsche Spieleschmiede Crytek steckt offenbar erneut in der Krise. Wie Eurogamer berichtet, erheben Mitarbeiter schwere Klagen über das Unternehmen, das sich wieder in akuter Geldnot zu befinden scheint.

Der Bericht über die problematische Situation hat seinen Ursprung in einem anonymen Reddit-Posting. Der Verfasser präsentiert sich als Mitarbeiter und erklärte, dass die Firma seit einem halben Jahr keine Löhne mehr ausbezahlen würde.

Mitarbeiter bestätigen Problemlage

Bei Eurogamer meldete sich ein aktueller Mitarbeiter am Frankfurter Hauptsitz von Crytek. Seiner Schilderung zufolge wurden seit zwei Monaten keine Gehälter mehr überwiesen. In den fünf Monaten zuvor hätten sich die Überweisungen teilweise bis zu vier Wochen verzögert. Diese Angaben wurden von einer weiteren Person am gleichen Standort bestätigt.

Unter den Mitarbeitern herrscht die Annahme, dass dem einstigen Liebkind der deutschen Spieleszene schlicht das Geld ausgegangen sei. Dazu sei die Kommunikation Seitens der Firmengründer Cevat und Avni Yerli unzureichend. Cevat Yerli sei schon seit Monaten nicht mehr bei Zusammenkünften mit dem Personal dabei gewesen.

Anscheinend werde an Deals gearbeitet, um sich wieder Luft zu verschaffen, doch dies dauere länger als erwartet. Ein Geschäft solle aber kurz vor dem Abschluss stehen- Die Zukunft laufender Entwicklungen, etwa dem MOBA "Arena of Fate", ist derweil unsicher. Das zuständige Studio Black Sea soll Berichten zufolge vor dem Verkauf stehen.

Klage angekündigt

Ein ehemaliger Mitarbeiter hat sich nun auch namentlich zu Wort gemeldet. Ludvig Lindqvist hat nach eigenen Angaben in der Grafikabteilung von Crytek in Frankfurt gearbeitet. Er will ob der Verzögerungen nun klagen und hat zur Finanzierung der Gerichtskosten eine Crowdfundingkampagne gestartet.

Seinen Angaben zufolge verpflichtet sich Crytek im Arbeitsvertrag, das Monatsgehalt entweder am jeweiligen Monatsletzten oder innerhalb der ersten drei Tage des Folgemonats zu überweisen. Zuletzt sei sein Salär im April noch pünktlich am Konto eingegangen, seitdem gab es immer größere Verzögerungen. Das September-Gehalt wurde etwa erst mit einem Monat Verspätung überwiesen, jenes für Oktober und November habe er noch gar nicht erhalten. Auch acht Arbeitstage im Dezember sowie sechs Tage Urlaub seien noch offen. Er hat seine Stelle mittlerweile gekündigt.

VR noch kein Geldbringer

Crytek hatte es zuletzt mit einem Fokus auf Virtual Reality-Inhalte probiert und die Titel "Robinson" und "The Climb" veröffentlicht. Diese erhielten zwar gutes Presse-Echo, viel Geld ist auf dem jungen Markt jedoch noch nicht zu machen.

Erst im Frühjahr 2015 war das Unternehmen in gröbere Turbulenzen geraten. Damals konnte man sich durch einen Deal mit Amazon und den Verkauf von Crytek UK an Deep Silver wieder für einige Zeit absichern. Die PR-Abteilung von Crytek hat sich zu den Angaben aus den Kreisen der Mitarbeiter bislang noch nicht geäußert. (red, 15.12.2016)

Update, 14:30 Uhr: Klagsdrohung von ehemaligem Mitarbeiter ergänzt.

  • Crytek ist laut Informationen aus Mitarbeiterkreisen erneut in eine Krise geschlittert.
    foto: crysis 3

    Crytek ist laut Informationen aus Mitarbeiterkreisen erneut in eine Krise geschlittert.

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