Agrareinkommen steigen heuer

15. Dezember 2016, 12:22
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Erster Zuwachs seit vier Jahren

Wien – Die Agrareinkommen steigen heuer, geht aus ersten Schätzungen der Statistik Austria hervor. Das ist das erste Zuwachs seit vier Jahren, zuletzt war ein Anstieg im Jahr 2011 verzeichnet worden. Der Produktionswert steigt vor allem im Pflanzenbau, bei der Milch gibt es erneut Rückgänge. Deutlich höher sind auch die öffentlichen Gelder, vor allem wegen der Frostentschädigungen im Obst- und Weinbau.

Das durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen pro Arbeitskraft erhöht sich gegenüber 2015 real um 7,5 Prozent, teilte die Statistik Austria am Donnerstag mit. 2015 gab es noch einen Rückgang um 7,2 Prozent. Zum Anstieg beigetragen hätten heuer vor allem die gestiegenen Erntemengen im Ackerbau, abgeschwächt wurde er durch Produktionseinbußen bei Obst und Wein sowie durch weiter gesunkene Erlöse in der Milchproduktion.

Frostentschädigungen

Die im Rahmen der Einkommensberechnung berücksichtigten öffentlichen Gelder stiegen um 6,6 Prozent auf rund 1,5 Mrd. Euro und stellten einen wesentlichen Einkommensbestandteil dar. Der Anstieg sei vor allem auf die Frostentschädigungen für den Obst- und Weinbau und in geringerem Ausmaß auf höhere Zahlungen aus dem Agrarumweltprogramm ÖPUL zurückzuführen, so die Statistik Austria in ihrer heutigen Pressemitteilung.

Der Gesamtproduktionswert wird auf rund 6,8 Mrd. Euro geschätzt, ein Plus von 0,7 Prozent. Die Produktionskosten sind heuer relativ stabil. Die Aufwendungen für Vorleistungen, Abschreibungen und sonstige Produktionsabgaben gehen leicht um 0,2 Prozent auf rund 6,2 Mrd. Euro zurück. Das landwirtschaftliche Faktoreinkommen steigt um 8,0 Prozent auf rund 2,1 Mrd. Euro. Wegen des Rückgangs des landwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes (minus 1,4 Prozent) wird der Einkommenszuwachs je Arbeitskraft auf nominell 9,5 Prozent und real auf 7,5 Prozent geschätzt.

Mehr Ernten im Acker- und Futterbau

Bei der pflanzlichen Erzeugung steigt der Produktionswert heuer um 3,5 Prozent auf rund 2,9 Mrd. Euro. Ein Minus von 1,9 Prozent auf 3,2 Mrd. Euro gibt es bei der tierischen Erzeugung. Im Acker- und Futterbau wurden heuer deutlich höhere Mengen geerntet. Deutliche Produktionssteigerungen gibt es auch bei Gemüse. Bei Obst und Wein brachten Frostschäden massive Ernteausfälle. Die Erzeugerpreise für pflanzliche Produkte liegen laut vorläufigen Berechnungen um 0,7 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Die niedrigen Milchpreise steigen erst seit Juli wieder langsam. Der Produktionswert von Milch liegt den vorläufigen Berechnungen der Statistiker zufolge bei einer weitern Erhöhung des Erzeugungsvolumens heuer um 4,8 Prozent niedriger als im Vorjahr. 2015 hatte der Rückgang 10,6 Prozent betragen. Einbußen gibt es auch bei Rindern (minus 1,6 Prozent) und Schweinen (minus 1,1 Prozent).

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Hermann Schultes, erklärte in einer Pressemitteilung, dass das Jahr 2016 erneut zwei Fakten aufzeige: "Einerseits ist es wegen immer häufiger auftretender Wetterkatastrophen in Folge des Klimawandels notwendig, die Risikoabsicherung umfassend weiterzuentwickeln. Andererseits zeigte sich gerade bei der Milch die unentbehrliche Rolle konsolidierter Märkte für das Einkommen." Erst als sich auf österreichische Initiative hin Verarbeiter und Erzeuger mit Erlaubnis der EU-Kommission auf eine Mengenreduktion verständigten, hätten sich die Preise erholt. Es müsse für Landwirte möglich sein, ein ausreichendes Einkommen aus Bewirtschaftung und Dienstleistung zu erzielen, das sei die Grundvoraussetzung für das wirtschaftliche Überleben und die weitere Investitionsfähigkeit. (APA, 15.12.2016)

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