Festgrüße: Künstliche Intelligenz schreibt gruseliges Weihnachtslied

24. Dezember 2016, 16:54
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"Ich war immer schon da für den Rest unseres Lebens" – der WebStandard wünscht ein frohes Fest

Als Google sein neurales Netzwerk Deepmind "träumen" ließ, erzeugte es eine Schreckensvision aus verformten Figuren und Umgebungen mit zahlreichen Augen. Und als sie ein Sci-Fi-Drehbuch schreiben durfte, entstand mit "Sunspring" ein höchst bizarres Werk mit einem Augapfel-hochwürgenden Mann in der Titelrolle.

Nichts liegt also näher, als Technologie wie diese auf festliche Traditionen loszulassen. Wissenschaftler der University of Toronto haben mit "Neural Karaoke" ein System geschaffen, das Lieder entwickeln kann.

Zahlreiche Trainingsmaßnahmen

Trainiert wurde die KI mit 100 Stunden Musik aus dem Internet, mit der sie sich meldosische Schemata und Notensetzung beibrachte und anschließend in der Lage war, einfache Melodien mit einem Takt von 120 Schlägen pro Minute zu entwickeln. Und durch den Input von 50 Stunden an reinen Liedtexten entstand ein Vokabular aus 3.390 Wörtern, die zumindest vier Mal in den Lyrics vorgekommen waren.

Im letzten Schritt schließlich setzte man dem Netzwerk Bilder und deren Beschreibungen vor, um Zusammenhänge zwischen Begriffen und deren visueller Abbildung zu erzeugen, fasst der Guardian zusammen. Anschließend zeigte man "Neural Karaoke" ein Foto eines Wohnzimmers mit geschmücktem Weihnachtsbaum und Geschenken und ließ es ein Lied dazu komponieren.

hang chu

Zwischen "skurril" und "Stöhnen der Verdammten"

Während das Ergebnis beim Guardian als "skurril" und "etwas beunruhigend" beschrieben wird, findet AV Club deutlichere Worte: Eine "schreckenserregende Demonstration davon, was diese Dinger von uns denken. (…) Das ist kein Text, das ist das Stöhnen der Verdammten, die zwischen unserer Welt und irgendeinem Jenseits gefangen sind und die gerade noch ausreichend bei Bewusstsein sind, um zu wissen, dass sie noch nicht erlöst sind."

Geschmäcker sind freilich verschieden und die Bewertung des Werks sei jedem selbst überlassen. Bei der Einschätzung möge jedenfalls die deutsche Übersetzung des Songtexts behilflich sein:

"Viel um den Raum zu dekorieren. Der Weihnachtsbaum ist gefüllt mit Blumen. Ich schwöre, jetzt ist Heiligabend. Ich hoffe das ist, was du sagst. Das beste Weihnachtsgeschenk der Welt ist ein Segen. Ich war immer schon da für den Rest unseres Lebens. Hundert und eine halbe Stunde zuvor. Es freut mich, dich kennen zu lernen. Ich kann die Musik am Flur hören. Ein Märchen. Ein Weihnachtsbaum. Da sind viele, viele, viele Blumen."

Der WebStandard wünscht frohe Weihnachten und feine Festtage! (red, 24.12.2016)

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