34,9 Millionen Euro für öffentliche Inserate: Neuer Quartalstiefstwert

15. Dezember 2016, 13:09
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Wien wirbt weiter am meisten, meldet aber auch den kleinsten Quartalsbetrag seit 2012

Wien – Im dritten Quartal 2016 haben öffentliche und staatsnahe Stellen etwa 34,9 Millionen Euro für Inserate und Werbeschaltungen ausgegeben. Das geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Meldung der Medientransparenzdaten hervor. Gegenüber dem Vergleichsquartal im Vorjahr entspricht das einem Rückgang um etwa fünf Millionen Euro. Es ist außerdem der niedrigste Wert, der seit Einführung der Meldepflicht im dritten Quartal 2012 gemeldet wurde. Der nächstniedrigste Wert wurde im ersten Quartal dieses Jahres gemeldet.

Neuer Tiefstwert für Wien

Die Stadt Wien – traditionell das werbefreudigste Land – warb unter den Bundesländern erneut am meisten. Auch hier wurde jedoch mit 3,8 Millionen Euro ein Tiefstwert gemeldet. Rechnet man die der Stadt zuordenbaren Stellen (Wien Holding, Wiener Linien et cetera) hinzu, wurden mehr als acht Millionen Euro ausgegeben, im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahrs sind das auch etwa 4,8 Millionen weniger.

Ministerien: Finanzministerium wirbt am meisten

Bei den Ministerien meldet das Finanzministerium mit mehr als 500.000 Euro Werbeausgaben den höchsten Betrag – fünfmal mehr als im Vorjahresquartal. Außerdem erreicht auch das Verteidigungsministerium die 500.000-Euro-Grenze.

Mediaprint vor ORF und Österreich

Insgesamt wurden die meisten Werbeschaltungen in Medien der Mediaprint gemeldet: Mehr als sechs Millionen Euro gingen an die Medien des Verlags. An zweiter Stelle liegt der ORF mit mehr als vier Millionen vor der Mediengruppe Österreich mit 2,89 Millionen Euro. Die Ausgaben an Google stiegen gegenüber dem dritten Quartal 2015 um etwa 20.000 Euro, die Facebook-Ausgaben um etwa 70.000 auf 261.000 Euro.

Seit dem Inkrafttreten des Medientransparenzgesetzes Mitte 2012 müssen öffentliche Stellen für jedes Quartal ihre Werbeaufwendungen und Inseratenzahlungen angeben – allerdings erst ab Überschreiten einer Bagatellgrenze von 5.000 Euro, was vom Rechnungshof bereits kritisch bemerkt wurde. Die Ausgabenhöhe wird an die Komm Austria gemeldet und von der Medienbehörde veröffentlicht. Von den 5.421 meldepflichtigen Organisationen meldeten 99,9 Prozent, gegen die verbleibenden fünf wird ein Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet.

Grund für die Verabschiedung des Medientransparenzgesetzes war die jahrelange Kritik an hohen öffentlichen Inseratenaufträgen für Boulevard- und Gratismedien. (Markus Hametner, 15.12.2016)

Meldepflichtige Stellen

Laut Medientransparenzgesetz sind alle Stellen, die unter Rechnungshofkontrolle stehen, meldepflichtig. Dies ist grundsätzlich bei staatlich eingerichteten Stellen – Ministerien, Landesregierungen, Universitäten – ebenso der Fall wie bei Firmen, sobald die staatlichen Anteile 25 Prozent übersteigen.

Kritik

Der Rechnungshof kritisierte 2015 die BIG (Umgehung der Meldepflicht und des Kopfverbots durch Schaffung eines nichtperiodisch erscheinenden Mediums) und das Museumsquartier. Der Anteil der Inseratenausgaben unter der Bagatellgrenze lag bei der BIG bei 48 Prozent, beim Museumsquartier bei 30 Prozent.

Der Verfasser des Medientransparenzgesetzes kritisierte außerdem im Frühjahr die Inhalte vieler Inserate.

Datenqualität

Die Zuordnung meldepflichtiger Organisationen zu staatlichen Stellen (wenn möglich) erfolgt durch Firmenbuchabfragen. Oft ist eine eindeutige Zuordnung durch komplizierte Firmengeflechte beziehungsweise sehr kleine staatliche Anteile nicht möglich. Die Zuordnung von Medien zu Medienunternehmen erfolgt auch manuell. Eine vollständig korrekte Zuordnung können wir nicht garantieren, da sich beispielsweise Besitzverhältnisse ändern können. Deswegen werden nur gerundete Daten angegeben.

Theoretisch sollte jeweils der Name des Mediums angegeben werden, Strafverfahren für Falschmeldungen wurden aber vom VwGH gekippt, solange sie nicht "offensichtlich" sind.

  • Größter Werber war auch im dritten Quartal 2016 die Stadt Wien.
    foto: derstandard.at

    Größter Werber war auch im dritten Quartal 2016 die Stadt Wien.

  • Inserate im Wert von 3,8 Millionen Euro wurden gemeldet.
    foto: stadt wien

    Inserate im Wert von 3,8 Millionen Euro wurden gemeldet.

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