Nigeria: Gouverneur sieht Boko Haram geschlagen

15. Dezember 2016, 09:41
19 Postings

Alle Flüchtlingslager im Bundesstaat Borno sollen bis Mai 2017 geschlossen werden

Abuja – Der Aufstand der Islamistengruppe Boko Haram in Nigeria ist nach Angaben des Gouverneurs des am schlimmsten betroffenen Bundesstaats niedergeschlagen. Der Kampf gegen die Islamisten sei vorbei, sagte der Gouverneur von Borno, Kashim Shettima, der Nachrichtenagentur AFP. Obwohl die Boko-Haram-Kämpfer weiterhin regelmäßig Anschläge verüben, will er bis Mai alle Flüchtlingslager schließen und hunderttausende Vertriebene zur Rückkehr in ihre Heimat bewegen.

Boko Haram kämpft seit sieben Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. Die Gruppe verübt unter anderem Angriffe auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen. Seit dem Jahr 2009 wurden in dem Konflikt mehr als 20.000 Menschen getötet. 2,6 Millionen Menschen ergriffen angesichts der Gewalt die Flucht.

Erst am Freitag vergangener Woche hatten sich bei einem Doppelanschlag im Nordosten Nigerias zwei Selbstmordattentäterinnen in die Luft gesprengt und mindestens 45 Menschen mit in den Tod gerissen. Am Sonntag sprengten sich auf einem Markt in Bornos Hauptstadt Maiduguri zwei kleine Mädchen in die Luft.

"Aber jetzt ist Boko Haram besiegt"

Vor zwei Jahren sei Maiduguri fast an die Boko-Haram-Kämpfer gefallen, sagte Shettima. Boko Haram habe zudem 20 der 27 Bezirke in Borno kontrolliert. "Aber jetzt ist Boko Haram besiegt", sagte der Gouverneur in dem AFP-Interview. "Sie wurden aus allen unseren Orten vertrieben und sind nicht länger in der Lage, irgendein Gebiet in Nigeria zu kontrollieren." Er räumte allerdings ein, dass Boko Haram immer noch eine Gefahr für die Menschen im Nordosten Nigerias sei und noch "gelegentlich" Anschläge verübe. Das sei aber ein "Zeichen der Schwäche, nicht der Stärke", sagte Shettima. "Ich glaube, dass der Krieg vorbei ist."

Die Uno hatte erst kürzlich vor einer humanitären Katastrophe im Nordosten Nigerias gewarnt, nach Angaben der Hilfsorganisation Save the Children sind 4,7 Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfe angewiesen. 400.000 Kinder sind demnach vom Hungertod bedroht. Solche Zahlen seien maßlos übertrieben, sagt Shettima. Zwar mangle es in Maiduguri tatsächlich an Lebensmitteln, Wasser, sanitären Einrichtungen und Krankenhäusern. Trotz dieser "riesigen humanitären Herausforderungen" glaube er aber nicht daran, "dass 100.000 Menschen sterben". Flüchtlinge, die bereit seien, in ihre Heimat zurückzukehren, würden von den Behörden unterstützt, kündigte der Gouverneur an. Er verfolge das Ziel, alle Flüchtlingslager bis Mai zu schließen. (APA, 15.12.2016)

    Share if you care.