Ostaleppo wird evakuiert, Assad spricht von Sieg

16. Dezember 2016, 06:12
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Ein erster Anlauf am Mittwoch war noch gescheitert. Am Donnerstag schließlich begann die Rettungsaktion für tausende Menschen in den letzten Rebellenvierteln der syrischen Großstadt Aleppo. Die Evakuierung wird wohl noch Tage dauern

Aleppo/Moskau/Wien – Wieder einmal brannte es in den zerbombten Straßen Ostaleppos. Ausgelöst wurden die zahlreichen Feuer am Donnerstag aber nicht durch Luftangriffe der syrischen Regierungstruppen; die Bewohner der Rebellenviertel selbst hatten sie gelegt, um ihre letzten Habseligkeiten zu verbrennen. Nichts davon sollte nach der Evakuierung ihrer Häuser – oder dessen, was davon übrig blieb – den Soldaten von Machthaber Bashar al-Assad in die Hände fallen.

Nur wenige Stunden zuvor hatten Regierungstruppen und Rebellen erneut eine Feuerpause ausgehandelt. Sie galt ab dem frühen Donnerstagmorgen. Gleichzeitig begann eine großangelegte Evakuierungsaktion für tausende Menschen. Die grünen Busse des staatlichen syrischen Transportunternehmens, die bereits am Mittwoch Aufständische und deren Angehörige aus Ostaleppo hätten bringen sollen, kamen erneut aus ihren Garagen. Der von Russland und der Türkei ausgehandelte Plan, der noch tags zuvor an wieder aufflammenden Kämpfen und an der Uneinigkeit sowohl im Lager Assads als auch zwischen verschiedenen Rebellengruppen gescheitert war, konnte nun in die Tat umgesetzt werden.

Bereits am Nachmittag kamen die ersten Vollzugsmeldungen: Mit dem ersten Konvoi seien 951 Menschen aus Ostaleppo gebracht worden, hieß es aus syrischen Regierungskreisen. Ein UN-Abgesandter sagte in Paris, 50.000 Menschen seien noch in Ostaleppo. 40.000 davon sollen in den Westen der Stadt kommen.

Eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass 13 Krankenwagen und 20 Busse den Osten der Stadt verlassen hätten. Die Menschen sollen in die Provinz Idlib gebracht werden, die von den Aufständischen kontrolliert wird. Bis zum späten Donnerstagabend seien etwa 3.000 Zivilisten und einige Verletzte aus der Stadt herausgebracht worden, sagte die Leiterin der Mission des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Marianne Gasser. Die Evakuierungsmission könnte nach Ansicht von Helfern noch Tage dauern.

Bereits zu Wochenbeginn hatten die meisten Rebellen den Kampf um Aleppo aufgegeben. Moskau, das im Bürgerkrieg an der Seite Assads steht und entscheidend zu dessen Gebietsgewinnen in Aleppo beigetragen hatte, konnte am Donnerstag nicht nur das Anlaufen der Evakuierungsaktion melden, sondern bekräftigte auch den militärischen Erfolg gegen die Aufständischen: Die Rebellen seien mittlerweile aus allen Stadtvierteln vertrieben worden, erklärte das russische Außenministerium.

Deal mit Schiiten

50 Kilometer südwestlich von Aleppo lief in der Provinz Idlib eine weitere Evakuierungsaktion an. Mehrere Lastwagen und Rettungsfahrzeuge machten sich auf den Weg in die Ortschaften Foua und Kefraya, die von der islamistischen früheren Nusra-Front belagert werden, um Verletzte und Familien in Sicherheit zu bringen. Schiitische Milizen hatten dies gefordert – und davon ihre Zustimmung zur Evakuierung Ostaleppos abhängig gemacht.

Für tausende Syrerinnen und Syrer bedeutet dies eine neue Hoffnung, dem Bürgerkrieg in ihrem Land doch noch lebend zu entrinnen. Gleichzeitig stellt die Evakuierung der letzten Rebellenenklave einen großen Erfolg für Bashar al-Assad dar. Der verkündete am Donnerstagnachmittag auch prompt die "Befreiung Aleppos".

Die UN begannen nach eigenen Angaben, das Geschehen in der Stadt zu überwachen. "Wir hoffen, dass wir heute den Start des letzten und nun erfolgreichen Evakuierungsversuchs sehen", sagte UN-Nothilfekoordinator Jan Egeland am Donnerstag in Genf. Die Geschichte Aleppos in diesem Krieg werde "ein schwarzes Kapitel in der Geschichte der internationalen Beziehungen sein". (schub, red, APA, 15.12.2016)

  • Mit Bussen werden Syrer aus Aleppo gebracht.
    foto: afp photo / stringer

    Mit Bussen werden Syrer aus Aleppo gebracht.

  • Weitere Bewohner Ostaleppos warten auf ihren Abtransport aus der zerstörten Stadt.
    foto: afp photo / karam al-masri

    Weitere Bewohner Ostaleppos warten auf ihren Abtransport aus der zerstörten Stadt.

  • Busse der syrischen Regierung warten auf zu Evakuierende.

    Busse der syrischen Regierung warten auf zu Evakuierende.

  • Große Teile Ostaleppos sind völlig zerstört.
    foto: afp photo / stringer

    Große Teile Ostaleppos sind völlig zerstört.

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