Galoppierende Inflation: Venezuela führt größere Geldscheine ein

15. Dezember 2016, 09:00
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Bis zu 700 prozent Teuerung pro Jahr – Lange Schlangen vor Banken – Neue Banknoten sollen Alltag erleichtern

Caracas – Wegen der galoppierenden Inflation in Venezuela führt das südamerikanische Land größere Geldscheine ein. Am Donnerstag werden zunächst 500-Bolivar-Scheine in Umlauf gebracht, wie die Zentralbank ankündigte. Scheine im Wert von 1.000, 2.000, 5.000, 10.000 und 20.000 Bolivar sollen dann nach und nach in den kommenden Tagen oder Wochen ausgegeben werden.

Bisher ist die 100-Bolivar-Note der größte Geldschein. Auf dem Schwarzmarkt kostet ein US-Dollar derzeit 3.270 Bolivar. Selbst kleinere Rechnungen müssen deshalb mit Säckchen voller Geld beglichen werden. Die Zahlung mit Kreditkarte lohnt sich kaum: Dort wird ein Wechselkurs von etwa 1:660 berechnet.

Hunderter ade

Den 100-Bolivar-Schein ziehen die Behörden seit Dienstag aus dem Verkehr. Die Venezolaner können ihr Geld umtauschen oder es auf ihren Konten gutschreiben lassen. Vor Bankfilialen im ganzen Land bildeten sich in den vergangenen Tagen lange Schlangen. Die 100-Bolivar-Scheine machen fast die Hälfte des im Umlauf befindlichen Bargeldes aus.

Nach Darstellung der Regierung wurde die Banknote gezielt aus dem Ausland aufgekauft, um dem Land Liquidität zu entziehen und der Wirtschaft zu schaden. Das Geld sei vor allem in Kolumbien, aber auch in Deutschland, Tschechien und der Ukraine gehortet worden, sagte Präsident Nicolas Maduro. Hinter dem Komplott stecke das US-Finanzministerium. Die Grenze zu Kolumbien wurde vorübergehend geschlossen, um einen Rückfluss der 100er-Scheine zu verhindern.

Inflation soll weiter steigen

Venezuela kämpft mit der höchsten Inflation weltweit. Die Regierung macht keine Angaben zur Teuerungsrate, aber Experten rechnen mit 600 bis 700 Prozent Inflation im laufenden Jahr. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet 2017 sogar eine Inflationsrate von über 1.600 Prozent.

An den Ursachen werden die neuen Scheine nichts ändern. Das Land mit den größten Erdölreserven leidet unter dem niedrigen Ölpreis. Devisenmangel und Misswirtschaft haben zudem zu einer Versorgungskrise mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs geführt. Vor Supermärkten bilden sich immer wieder lange Schlangen, in Krankenhäusern fehlt es an Medikamenten und Verbandszeug. Der Schwarzmarkt blüht. (APA, 15.12.2016)

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    foto: apa/afp/federico parra
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