Biathletin Hauser und der ÖSV: Nicht in einer Spur

    14. Dezember 2016, 17:39
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    Mit ihren Erfolgen läuft Lisa Hauser den bewaffneten Herren den Rang ab. Dass die 22-jährige Tirolerin ohne Unterstützung des ÖSV trainierte, sorgt für Konflikte

    Kitzbühel/Wien – Was im bewaffneten Langlauf lange unvorstellbar war, ist seit Beginn dieser Weltcupsaison Realität. Die Damen haben in Person von Lisa Hauser die Herren sportlich überholt. Die ab Freitag 23-jährige Tirolerin lief in vier von fünf Saisonrennen unter die ersten sieben und reist als Weltcupsechste zur dritten Station ins tschechische Nové Mesto (15. bis 18. Dezember).

    "Mir taugt es, ich habe mir das insgeheim erhofft", sagt Hauser zum STANDARD. Die Kitzbühelerin gilt als große Hoffnung auf zukünftige Medaillen und Weltcupsiege. Biathlon-Cheftrainer Reinhard Gösweiner sieht Hauser "in der Weltklasse angekommen". Im ÖSV ist für die Sparte Biathlon das Jahr 2017 wegweisend. Am 8. Februar hebt die Weltmeisterschaft in Hochfilzen an, zumindest eine Medaille ist das Ziel. "Wenn Lisa läuferisch noch zulegt, trauen wir ihr ein Topergebnis zu. Beim Schießen ist sie schon sehr stabil. Aber wir machen ihr keinen Druck. Was bei der WM rauskommt, kommt raus", sagt Gösweiner.

    Ein Lichtblick

    Bei den Herren sind der Weltmeister und zweifache Olympia-Silbermedaillengewinner von Sotschi, Dominik Landertinger, und der fünffache Weltcupsieger Simon Eder noch nicht in Form. Landertinger fehlt in Nové Mesto wegen eines grippalen Infekts, ihn plagen auch die Nachwehen eines Bandscheibenvorfalls, den er im September erlitten hatte. Gösweiner: "Im Stehen schießt Landi noch in einer gewissen Schonhaltung." Das Credo lautet: "Super schießen, super laufen. Das muss uns wieder an ein und demselben Tag gelingen." Ein Lichtblick ist Felix Leitner. Der 19-jährige Rekord-Juniorenweltmeister hievte Österreich bei seinem Staffeldebüt in Pokljuka auf Rang sechs. "Wenn alle paar Jahre ein großes Talent dabei ist, müssen wir froh sein. Wir haben nicht die Masse im Nachwuchs."

    Dass die Herren aber den Damen so hinterherhinken, ist umso pikanter angesichts der Tatsache, dass sich Hauser im Training vom ÖSV abgenabelt hat. Nach der vergangenen Saison schloss sie sich der Biathlonschmiede an. In dieser privaten Trainingsgemeinschaft sind auch Simon Eder, sein Vater Alfred und seine Cousine Sandra Flunger engagiert, Hausers langjährige Betreuerin und Wegbegleiterin. Weil Hauser nicht nach neuen Methoden des frisch verpflichteten ÖSV-Damentrainers Vegard Bitnes arbeiten wollte, entschied sie sich für ihr vertrautes Betreuerteam – außerhalb des Skiverbands. "Mein Training war bisher erfolgreich. Ich wollte vor der Heim-WM mein Programm nicht komplett umstellen. Das war mir ein zu hohes Risiko. Ich bin froh, dass ich auf mein Bauchgefühl gehört habe, weil wir jetzt die Früchte ernten", sagt Hauser.

    Ein Ärgernis

    "Wir akzeptieren das", sagt Gösweiner, für den das "ein ganz normaler Vorgang" sei, wie ihn auch andere Nationen erleben, solange die Ergebnisse passen. "Und sie passen ja." Für Lisa Hauser ist dieser Weg jedoch keine Dauerlösung. "Ich musste mir Training, Therapien und Material selbst finanzieren. Das sind Dinge, mit denen sich ein Sportler eigentlich nicht beschäftigen sollte." Am Ende der Weltcupsaison wird es Gespräche mit dem ÖSV geben. "Jedes Jahr will ich das nicht aufs Neue organisieren."

    "Sie spult im Sommer ihr eigenes Programm ab, darauf haben wir keinen Einfluss. Aber im Winter ist sie beim ÖSV", sagt Gösweiner. Und dieser Umstand sorgt offenbar für weitere Wickel. Beim Weltcup in Pokljuka wurden Lisa Hauser und Simon Eder von ihren Trainern der Biathlonschmiede begleitet. Allerdings konnten Alfred Eder und Sandra Flunger die Wettkämpfe nur von der Tribüne aus verfolgen, weil sie vom ÖSV keine Akkreditierung erhalten hatten. "Die sträuben sich in alle Richtungen", sagte Flunger, "dabei sollte es doch nicht darum gehen, wer von wem trainiert wird."

    Gösweiner: "Im Weltcup kann nur einer das Sagen haben, und das ist der ÖSV. Das ginge gar nicht anders, weil wir auch die Athleten und Trainer zu den Wettkämpfen entsenden." (Florian Vetter, 14.12.2016)

    • Nicht nur das Schießen liegt Lisa Hauser im Blut.
      foto: ap/olsson

      Nicht nur das Schießen liegt Lisa Hauser im Blut.

    • Mit bald 23 Jahren kommt die Tirolerin erst ins beste Biathlon-Alter.
      foto: apa/gindl

      Mit bald 23 Jahren kommt die Tirolerin erst ins beste Biathlon-Alter.

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