Investieren per Autopilot: Fluch und Segen passiver Anlageprodukte

16. Dezember 2016, 14:00
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Passive Anlagevehikel wie ETFs sind kostengünstig und leicht zu handhaben. Ihr Siegeszug zieht aber immer größere Probleme mit sich

Wien – Der Siegeszug passiver Anlageprodukte wie ETFs (Exchange Traded Funds) setzt sich unvermindert fort. Von 2003 bis 2015 hat sich deren globales Volumen gemessen am verwalteten Vermögen auf 2,88 Billionen US-Dollar, verteilt auf insgesamt 4396 Einzelprodukte, erhöht. Das entspricht einer Steigerung auf das 14-Fache. Nachdem Ende März die Drei-Billionen-Marke übersprungen wurde, stehen laut PwC die Zeichen weiterhin auf Wachstum: In den nächsten fünf Jahren erwartet die Beratungsgesellschaft mehr als eine Verdoppelung des Volumens, sodass 2021 weltweit mehr als sieben Billionen Dollar in ETFs geparkt sein sollten.

"In der Finanzwelt haben ETFs eine massive Zunahme ihrer Popularität erlebt und sind allein im Jahr 2016 um fast 60Prozent gewachsen", sagt Mihir Kapadia, Geschäftsführer des Anbieters Sun Global Investments. Zumeist decken ETFs einen gewissen Markt ab, im Aktienbereich in der Regel durch die Nachbildung eines bestimmten Index. Dieser kann entweder ein Land, eine Region oder auch eine Branche umfassen. So können auch Privatanleger einfach ein breit gestreutes Portfolio zusammenbasteln – und das zumeist deutlich kostengünstiger als über aktiv gemanagte Fonds.

Dominanz von drei Großen

Dabei ist es bisher zu einer starken Dominanz weniger Anbieter gekommen: Auf Blackrock entfiel im Vorjahr laut dem Datenportal Statista ein globaler Marktanteil von 38 Prozent. Damit gewinnen die Größen der ETF-Industrie weltweit stetig mehr Einfluss auf große, börsennotierte Weltkonzerne. Zusammen sind die Top 3 der ETF-Anbieter, Blackrock, State Street und Vanguard, bereits bei 90 Prozent der im S&P-500 gelisteten Unternehmen größter Anteilseigner.

In Deutschland hielt allein Blackrock inklusive aktiv gemanagter Fonds Ende des Vorjahres insgesamt rund 5,1 Prozent an den Unternehmen des Leitindex Dax. Folglich hat sich auch bereits die deutsche Monopolkommission mit dem "wettbewerbsverzerrenden Potenzial" dieser Entwicklung auseinandergesetzt. Die Überlegung dahinter: Sobald ein ETF-Anbieter an mehreren großen Playern einer Branche signifikante Beteiligungen hält, ist etwa harter Preiswettbewerb dieser Unternehmen untereinander nicht mehr in seinem Interesse.

Kleine Anbieter suchen Nische

Unabhängig von solchen Bedenken suchen kleinere Anbieter wie die Natixis-Tochter Ossiam unterdessen ihr Heil in Marktnischen abseits diverser Indexnachbildungen. "Wir wollten nicht etwas machen, das es bereits am Markt gibt", sagt Geschäftsführer Bruno Poulin. Bei der ETF-Produktpalette seines Hauses geht es um spezielle Strategien, die darauf abzielen, das Rendite-Risiko-Profil traditioneller, nach Marktkapitalisierung gewichteter Indizes zu verbessern. Umgesetzt werden diese Spezialansätze regelbasiert, Anpassungen erfolgen also gewissermaßen per Autopilot. Angeboten werden etwa eine Minimum-Varianz-Strategie, um die Schwankungen zu reduzieren, oder ein Value-Ansatz mit einer Sektor-Rotations-Strategie. Kostenseitig ist das Angebot laut Poulin zwischen Index-ETF und aktiv gemanagten Fonds angesiedelt. (Alexander Hahn, 16.12.2016)

  • Mit einem klassischen Index-ETF schalten Anleger gewissermaßen den Autopilot ein. Die Rendite entspricht der Wertentwicklung des jeweiligen Börsenbarometers.
    foto: benoit tessier

    Mit einem klassischen Index-ETF schalten Anleger gewissermaßen den Autopilot ein. Die Rendite entspricht der Wertentwicklung des jeweiligen Börsenbarometers.

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