Esterházys wollen Ruf schützen

14. Dezember 2016, 14:57
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Paul Anton Esterházy will das Kontrollrecht über die Familienstiftung wiedererlangen

Wien – "Wir sind als Familie sehr lebendig und halten zusammen": Mit diesen Worten richtete sich Paul Anton Esterházy, der mit seinem Vater und anderen Familienmitgliedern am Mittwoch nach Wien gekommen war, an eine kleine Runde Journalisten.

Warum das so betont wird? Weil es immer wieder Handlungen gebe, die unter dem Namen Esterházy durchgeführt würden und nicht mit den Grundwerten der Familie einhergingen. "Wo Esterházy draufsteht, ist nicht immer Esterházy drinnen", hält Paul Anton Esterházy fest, der für die Familie spricht.

Familienfremder Stiftungschef

Hintergrund ist das Faktum, dass die Besitztümer der Familie (denen das halbe Burgenland, Schlösser und Immobilien gehören) von einem "Familienfremden" (Zitat Paul Anton Esterházy) verwaltet werden. Gemeint ist damit Stefan Ottrubay. Er ist der Neffe der im August 2014 verstorbenen Melinda Esterházy. Ottrubay hatte im Jahr 2001 die Vorstandsfunktion der 1996 gegründeten Familienstiftung übernommen.

Seither – so beklagt es die Familie Esterházy – sei den Familienmitgliedern sukzessive der Einblick in die Stiftungen und der Status auf Begünstigungen entzogen worden. Damit entfallen Kontrollrechte und Apanagen. Rechtsstreitigkeiten in dieser und anderen Causen werden vor Gericht ausgetragen – DER STANDARD hat darüber mehrfach berichtet.

Kontrollrechte

Denn Paul Anton Esterházy will zumindest das Kontrollrecht wiedererlangen. "Es geht uns in dieser Sache nicht um die Apanagen", betonten die angereisten Familienmitglieder mehrfach und unisono. Jeder in der Familie Esterházy sei wirtschaftlich erfolgreich. Auf Vergütungen aus der Stiftungen sei man nicht angewiesen. Aber man wolle das kulturelle Erbe der Familie gut verwaltet wissen, und das sei im Moment eben nicht der Fall.

Es gehe vor allem um den Ruf der Familie, den man schützen wolle. Denn die Themen, mit denen der Name Esterházy zuletzt in den Medien war, stünden nicht in Einklang mit den Familienwerten. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Eisenstädter Haydn-Festspiele ab 2017 aus dem Schloss Esterházy ausziehen müssen, in dem sie ihren internationalen Ruf begründet haben. Oder der Teilabriss der Burgruine Schwarzenbach, die der Stiftung Esterházy gehört. "Es ist nicht verständlich, dass mit Kulturgütern so umgegangen wird", fasst Paul Anton Esterházy zusammen. Die unter Denkmalschutz stehende Burg hätte seinen Angaben zufolge mit wenig Aufwand auch renoviert werden können.

Selbst in das Testament von Melinda Esterházy erhalte man keinen Einblick. Ob sie in ihrem letzten Willen eine Lösung in dem Streit angeordnet hat, bleibt damit offen. (Bettina Pfluger, 14.12.2016)

  • "Wo Esterházy draufsteht, ist nicht immer Esterházy drinnen", meint Paul Anton Esterházy.
    foto: apa

    "Wo Esterházy draufsteht, ist nicht immer Esterházy drinnen", meint Paul Anton Esterházy.

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